Friedrich Sobol: Electronic Partner schließt sein Lager

Friedrich Sobol : Electronic Partner schließt sein Lager

Der neue Vorstandschef von Electronic Partner spricht über den geplanten Stellenabbau, Entlassungen in Düsseldorf, den Umbau der Logistik des Elektrohandelsverbundes und über den massiven Wandel auf dem Markt mit Elektrogeräten.

Herr Sobol, Sie haben verkündet, Electronic Partner (EP) weitreichend umbauen zu wollen. Was heißt das für Düsseldorf?

Sobol Eines vorweg. Electronic Partner ist seit 76 Jahren ein in Düsseldorf fest verwurzeltes Unternehmen. Dass Düsseldorf die Deutschland-und Europazentrale von EP ist und bleibt, steht überhaupt nicht zur Debatte. Wir werden allerdings die Organisation der Zentrale verändern. Zurzeit ist die Aufteilung klassisch. Künftig werden wir auf der Ebene unter dem Vorstand eine Spartenorganisation schaffen. Ein Manager ist für Consumer-Media-Produkte zuständig, ein zweiter für Haushaltsgeräte, der dritte für Mobilfunk. Viele Mitarbeiter werden die Büros wechseln müssen. Einige wenige werden leider gehen.

Wie wollen Sie die Logistik bei EP umbauen?

Sobol Zurzeit haben wir drei Lager, in Augsburg, Düsseldorf und Berlin. Und jedes unserer Produkte liegt in jedem Lager. Das ist nicht mehr zeitgemäß, zu aufwendig und letztlich zu teuer, weil oft Waren von einem Lager zum anderen quer-geliefert werden müssen. Künftig werden wir jedes Produkt nur noch in einem Lager haben und es von dort zu unseren Mitgliedsbetrieben liefern.

Heißt das, das Düsseldorfer Lager wird geschlossen?

Sobol Das Düsseldorfer Lager wird geschlossen. Hier bleibt aber eine Umladestation. Wir konzentrieren uns bei der Logistik auf die Standorte Berlin und Augsburg.

Es steht die Nachricht im Raum, dass in Düsseldorf 130 Stellen wegfallen.

Sobol Die Zahl ist nicht richtig. Aber eine konkrete Zahl kann ich Ihnen zum heutigen Zeitpunkt nicht nennen. Die Verhandlungen mit dem Betriebsrat laufen aber sehr gut. Wir hoffen, die Personalmaßnahmen bis Ende des ersten Quartals 2014 umsetzen zu können. Unter dem Strich wird die Mitarbeiterzahl nicht sinken, sondern steigen, weil wir von ProMarkt zehn Handelsstandorte übernommen haben, die in Medimax-Häuser umgewandelt werden.

Können Sie Entlassungen ausschließen?

Sobol Wir sind ein Unternehmen mit niedriger Fluktuation und einer sehr verbundenen Mannschaft. Ganz ohne Entlassungen wird es wohl nicht gehen. Der Vorstand und die Unternehmerfamilie Haubrich tun aber derzeit alles, um den betroffenen Mitarbeitern hier oder anderswo neue Chancen zu ermöglichen. Und da bin ich zuversichtlich. Das sind ja sehr gute Leute.

Was ist der Grund für die Neuausrichtung? Gibt es wirtschaftliche Probleme?

Sobol Nein, überhaupt nicht. Wir befinden uns in einer Position der Stärke, darauf lege ich großen Wert. Doch der Markt mit Elektrogeräten ist einem großen Wandel unterworfen. Wir müssen uns jetzt in guten Zeiten besser aufstellen, damit wir auch weiter auf einem guten Kurs in der Zukunft fahren.

Was sind die Besonderheiten des Marktes?

Sobol Ein Beispiel: Um 2005 lösten die Flachbildfernseher die Röhrenfernseher ab. Das hat über Jahre zu einem Verkaufsboom geführt, der sich heute aber wieder auf einem normalen Niveau eingependelt hat. Jetzt werden in erster Linie noch Ersatzbeschaffungen getätigt. Außerdem gab es in den vergangenen Jahrzehnten einen gigantischen Preisverfall. In den 1970er Jahren kosteten vier Fernseher etwa so viel wie ein Auto. Heute kosten vier Fernseher zusammen nicht mehr als ein gutes Navigationsgerät im Auto.

Wie stellen Sie sich auf den Wandel im Markt ein?

Sobol Durch unsere Neuordnung der Logistik werden wir schneller, das ist das, was der Kunde sich wünscht. Wir werden künftig täglich an unsere Händler liefern können. Und unseren Einzelhändlern bieten wir neue digitale Verkaufsregale. Dort können Kunden durch einfaches Antippen mit dem Finger das komplette Elektronik-Angebot abrufen – viel schneller als im Internet und in einer höheren Qualität. Wir sind in Österreich und der Schweiz mit 250 virtuellen Verkaufsregalen erfolgreich gestartet. Nächstes wollen wir damit in Deutschland starten.

THORSTEN BREITKOPF FÜHRTE DAS GESPRÄCH.

(RP)
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