Ampeln: Einzigartig: Gelb für Fußgänger

Ampeln: Einzigartig: Gelb für Fußgänger

Düsseldorf ist deutschlandweit die einzige Stadt, die ihren Fußgängern eine gelbe Phase anbietet. Obwohl das im Gesetz nicht vorgesehen ist. Die Landeshauptstadt hat das Gelb jedoch als Modellversuch deklariert – im Jahr 1953.

Düsseldorf ist deutschlandweit die einzige Stadt, die ihren Fußgängern eine gelbe Phase anbietet. Obwohl das im Gesetz nicht vorgesehen ist. Die Landeshauptstadt hat das Gelb jedoch als Modellversuch deklariert — im Jahr 1953.

"Versuch macht kluch", sagt der Volksmund — und so gesehen müsste die Düsseldorfer Straßenverkehrsbehörde eine der schlauesten sein. Denn die probiert schon seit mehr als einem halben Jahrhundert eine Ampeltechnik aus.

Von Versuch könne bei den Fußgängerampeln mit den Gelbphasen eigentlich keine Rede mehr sein, sagt die Leiterin des Amts für Verkehrsmanagement, Andrea Blome. Schließlich habe man die gewissermaßen "schon von unseren Vorvätern" übernommen. Da hat sie Recht: Als Blome 1999 in den Dienst der Stadt trat, waren die dreiflammigen Fußgängerampeln schon da. Genau genommen war die Amtsleiterin noch gar nicht auf der Welt, als sich die Stadt 1953 entschied, Fußgänger testweise dreifarbig über die Straße zu lassen.

Dabei sagt die Straßenverkehrsordnung eindeutig, wie eine Fußgängerampel auszusehen hat. "Für Fußgänger ist die Farbfolge Grün- Rot-Grün", bestimmt der fünfte Absatz in Paragraf 37. Außer, man macht eben einen Modellversuch, so wie die Stadt Düsseldorf.

Weil offensichtlich niemals jemand den Versuch beendet hat, sind heutzutage alle 600 Düsseldorfer Ampelkreuzungen mit dreifarbigen Fußgängerampeln ausgestattet, und ein Rückbau "wäre enorm aufwändig", sagt Blome. Weshalb auch der letzte Schrei auf dem Ampelmarkt — Fußgängerampeln, die die Sekunden mit zum Wechsel von Grün auf Rot mitzählen — für Düsseldorf nicht in Frage kommt. Die Umrüstung wäre viel zu teuer.

Das Gerücht, die Stadt spare mit dem System viel Geld, weil sie bloß in ganz normale Ampeln andere Gläser schrauben lasse, ist tatsächlich ein Gerücht. Auch bedeutet Gelb nicht etwa, dass nun das Geh-Bein angewinkelt werden soll. Sondern nur, dass Fußgänger die Kreuzung freimachen sollen. "Gelbzeit", heißt es im städtischen Infoblatt, sei eine Verlängerung der Gehzeit. Damit Passanten nicht bei Tiefrot von der Fahrbahn hetzen müssen, mahnt Düsseldorf sanft in Gelb, die Straße doch bitte zu verlassen.

Offizielle Farben Rot und Weiß

Die Resonanz sei ausschließlich positiv, sagt Blome. Trotzdem hat keine andere Stadt in Deutschland das Modell übernommen. Der Kosten wegen, vermutet die Amtsleiterin. Doch erst vor zwei Jahren bekundete die Stadt Wuppertal Interesse am Fußgänger-Gelb. Der dortige Verkehrsausschuss musste aber hinnehmen, dass in Düsseldorf eine Ausweitung des "Versuchsgebiets" ins Bergische nicht erwünscht sei. Vielleicht, damit niemand merkt, dass da in Düsseldorf noch ein Versuch aus den 50ern läuft.

Offiziell sind die Farben der Stadt zwar Rot und Weiß. Aber eigentlich sollte das Gelb dazugehören. Schließlich bringt es Düsseldorf in fast jede Abhandlung über Lichtzeichenanlagen. Im Internet-Lexikon Wikipedia steht die NRW-Hauptstadt unter F wie Fußgängerampel als Ausnahme, und Touristen selbst aus dem nächsten Umland bestaunen stets das dritte Licht. Zeit für die Marketingstrategen, die Düsseldorfer Einzigartigkeit im Dudenformat als Souvenir anzubieten. Oder wenigstens eine Postkarte mit Fußgänger-Gelb zu drucken.

(RP)