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Einzelhändler in Düsseldorf zeigen sich kämpferisch

Handel in Düsseldorf : Einzelhändler zeigen sich kämpferisch

Mit unterschiedlichen Kampagnen soll auf das Schicksal der Geschäftsleute in den Stadtteilen hingewiesen werden, die verzweifelt versuchen, ohne finanzielle Hilfen des Staates zu überleben.

Vor ein paar Monaten erst eröffneten Nicole Schloemer und Holger Blomeier die Weingarage in Lohausen. Mitten in der Krise. Die beiden waren mutig, „und uns hat Corona nicht ganz so stark getroffen, weil wir noch öffnen dürfen“, sagt Schloemer, die trotzdem an der bundesweiten Kampagne „Kauf lokal“ teilnimmt. Vor allem aus Solidarität zu anderen Selbstständigen, erst vor ein paar Tagen war sie in Kaiserswerth und hat dort einen Gutschein in der Boutique Süßstoff gekauft. Schloemer geht es vor allem um die kleinen Einkaufsstraßen in den Stadtteilen, „wie Kaiserswerth und Lohausen“, sagt sie. Der Blumenladen um die Ecke, das Kindergeschäft im Viertel – „solche Geschäfte müssen erhalten bleiben“, sagt die Weinhändlerin, die die Menschen dazu aufruft, nicht im Netz zu kaufen, sondern lokal.

Bedingt durch den Handel im Internet, hohe Mieten und vor allem die Corona-Krise schätzt der Handelsverband Deutschland, dass 50.000 Insolvenzen drohen. Die Kampagne „Kauf lokal“ will dem mit einem starken Verbund von Händlern entgegenwirken und zählt auf die Mithilfe aller, denen lebendige Städte am Herzen liegen. In Düsseldorf machen bei „Kauf lokal“ neben der Weingarage auch Die Kleinen Pinoniere, Kaufhof, Dresjan & Schier sowie Düsselsport mit. Initiiert wurde die Kampagne von Miguel Müllenbach (CEO von Galeria Karstadt Kaufhof) und Frank Schuffelen (Vorstandsprecher ANWR Group). Mit Slogans wie „Vielfalt ist dir nicht egal. Kauf lokal“ oder „Mütze, Tasche, neuer Schal. Kauf lokal“ werben sie für den Handel in den Innenstädten.

Eine ganz ähnliche Aktionist jetzt in die zweite Runde gegangen: Tausende Einzelhändler stellten sich bundesweit am 11. Januar mit einem provokanten Plakat in ihre Ladentür: „Wir machen auf..“, stand darauf in großen Lettern zu lesen, in kleinen folgten der Zusatz „...merksam“ – aufmerksam auf das Schicksal vieler inhabergeführter Geschäfte, die sich ohne große staatliche Hilfe über Wasser halten müssen. Gestern lautete der Slogan: „Wir gehen mit...“ – aber eben nicht unter, sondern „voran“.

 Ingrid Ruda (r.) erhält Unterstützung von ihren Kundinnen Ute Horn (l.) und Sabine Wimmer.
Ingrid Ruda (r.) erhält Unterstützung von ihren Kundinnen Ute Horn (l.) und Sabine Wimmer. Foto: privat

Auch Ingrid Ruda, die an der Rethelstraße 167 ein Modegeschäft führt, machte wieder mit. „Wir wollen auf das Schicksal der vielen betroffenen Angestellten im Einzelhandel, aber auch auf die Solidarität vieler Stammkunden hinweisen“, sagt Ruda. Trotz allem steht sie jeden Tag im Laden, versucht über die Sozialen Medien ein wenig Werbung zu betreiben, wirklich lohnenswert sei Click & Collect aber nicht.

Vieles verkauft Ingrid Ruda bereits für die Hälfte, „und die Winterware wird nicht schöner“. Die Frühjahrs-Kollektion ist bestellt und muss dann eigentlich auch rasch bezahlt werden. Kaum Umsatz, „aber Steuern müssen bezahlt werden“. Sie ist schon für wenig dankbar: „Meine Vermieterin hat für Januar nur die halbe Mieter genommen – eine tolle Geste.“ Ingrid Ruda rechnet nicht wirklich damit, dass sie Mitte Februar wieder öffnen darf, „wir agieren komplett unter dem Radar“. Mehr zur Kampagne unter freundschaftsdienst.eu.