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Altstadtherbst: Eine Welt aus seltenen Klängen

Altstadtherbst : Eine Welt aus seltenen Klängen

Beim Altstadtherbst zogen die Musikanten des Ungewöhnlichen aus: Die Drummers of Burundi trommelten im Theaterzelt, die Gruppe Schneeweiß und Rosenrot träumte in der NRW-Bank, wo der Jazz-Geiger Tobias Preisig zeigte, dass die Violine wirklich aus Holz ist.

Drummers of Burundi

Der erste Eindruck von Burundi-Trommeln hallt auch nach 30 Jahren noch nach. Bei "Jungle Line" hört man Joni Mitchells zarte, aber dennoch akzentuierte Stimme, dazu Brummen und Fiepsen eines Synthesizers, doch die besondere Magie des Songs geht maßgeblich auf die eindringliche Trommelwucht der Warrior Drums of Burundi im Hintergrund zurück. Ein Sound, dessen archaischer Intensität und Faszination man sich kaum entziehen kann.

Wer ihn bislang nicht kannte, erlebte den Auftritt der Master Drummers of Burundi im Theaterzelt sicherlich als einen musikalischen Höhepunkt des Altstadtherbstes. Der Konzertbeginn gleicht dem Einzug von Gladiatoren. Zwölf Trommler, gekleidet in traditionellen Gewänder, balancieren nicht nur ihre schweren Trommeln, die aus mächtigen Baumstämmen gefertigt wurden, auf dem Kopf, sie spielen sie dabei auch. Seit Jahrtausenden wird in dem kleinen zentralafrikanischen Staat eine ganz besondere Trommelkultur gepflegt, bei der Rhythmus, Tanz und Akrobatik ein kräftezehrendes Zusammenspiel eingehen.

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Der Rhythmus ist vergleichsweise einfach strukturiert. Drei Trommler geben einen einen mäßig schnellen Grundrhythmus vor. Sodann setzen sechs weitere Trommler ein. Ihr Krafteinsatz ist ungleich größer, und sie variieren ihr Spiel, indem sie auch den Trommelkorpus mit Schlägen bearbeiten. In der Mitte ist eine weitere Trommel platziert, an der sich mehrere Trommler abwechselnd quasi als Trommel-Liberos abarbeiten.

Der martialisch donnernde Rhythmus steht im Gegensatz zu der ansonsten in Afrika weit verbreiteten beschwingt tänzerischen Polyrhythmik. Die klanglich dumpfe Wucht der Burundi-Trommeln ähnelt dem Stampfen eines gewaltigen Schiffsdiesels. Der bedrohliche Urwald-Sound dürfte einerseits das Blut in den Adern der Feinde gefrieren lassen, andererseits können die eigenen Krieger über die Ekstase ihren Kampfesmut anstacheln. Der Sound gleicht dem japanischer Taiko-Trommler, deren Trommeln allerdings teilweise größer sind, und die mit noch mehr Krafteinsatz spielen.

Dafür begeistern die Afrikaner mit ausgelassen Tänzen um ihre Instrumente. Mit Schild und Lanze heben sie gewagt zu akrobatischen Luftsprüngen ab, die nicht von ungefähr an Kampfszenen erinnern und die die Kondition der Akteure bis an die Grenze herausfordern. Frenetischer Jubel für eine musikalische Darbietung.

Der Applaus verhallt alsbald, sicherlich nicht die erregenden Burundi-Trommelrhythmen in den Ohren des begeisterten Publikums.

Tobias Preising

Flowing Mood" (Fließende Stimmung) heißt das Programm des 29-jährigen Schweizer Jazzgeigers Tobias Preisig. Wer allerdings nach diesem Titel beim Altstadtherbst-Konzert in der NRW-Bank schmachtende Gefühlsduselei erwartete, der wurde getäuscht. Große Gefühle zeigte Preisig, ja.

Allerdings mit einer tiefen Ernsthaftigkeit. So verzichtet er einerseits auf das verspielte Virtuosentum der Grappelli-Epigonen und andererseits auf die Möglichkeiten der elektronischen Sound-Verzerrungen, für die Jean-Luc Ponty in den 70er Jahren den Weg ebnete.

Bei Preisigs nur mit wenig Vibrato eher holzschnittartig angelegtem als voluminös modelliertem Ton, der urig, erdig und manchmal ein wenig mutwillig klingt, ist dem Hörer in jedem Moment bewusst, dass die Geige aus Holz gemacht ist, einem handfesten, organisch gewachsenen Material. Und man hört an seiner geschmackvollen, ein wenig herben Ästhetik, dass Preisig, der in Bern, New York und Zürich studierte, auf direktem Weg zum Jazz kam und nicht - wie viele seiner Kollegen - erst über dem Umweg der Klassik. "Wenn du in dich hineinhorchst und alles vergisst, kommt eine Quersumme dessen heraus, was du erlebt hast", sagt der Geiger und trifft den Hörer mitten ins Herz.

Schneeweiß und Rosenrot

Das ist unser Haustier", sagt Lucia Cadotsch, Sängerin der Band Schneeweiß und Rosenrot beim Altstadtherbst-Konzert in der NRW-Bank und hält das Cover ihrer Debüt-CD hoch. Es zeigt ein buntes Fabelwesen mit drei Köpfen, zusammengesetzt aus Frosch, Fisch und Vogel. Schon möglich, dass dieses schillernde Tier die drei Komponenten symbolisiert, aus denen ihre Musik laut Programm besteht: Jazz, Pop und Avantgarde. Und doch: Was nun erklingt, ist weder Jazz noch Pop.

Einzig die Stücke des Bassisten Petter Eldh wie "Olive" oder "Cykle" haben die Eingängigkeit frischer, fröhlicher Popsongs. Ansonsten klingen die kunstvollen Gebilde aus kristallklar gesungenen Lyrics und fragilen elektronischen Effekten über einem akustischen Fundament aus Piano, Bass und Schlagzeug eher wie modern vertonte Gedichte oder wie Kunstlieder für die Generation, die mit der Musik von Björk groß geworden ist.

In den verträumt-versponnenen, doch dabei zugleich - und das ist ungewöhnlich - kecken und frechen Songs wimmelt es nur so von furchtlosen Fröschen und Vögeln in Regenmänteln. Ein Fisch entschließt sich, an Land zu gehen und Muscheln verlassen in salzigen Träumen den Meeresgrund. Abgesehen von solchem Fabel-Stoff weckt "Pretty Frank", Titelsong der noch nicht erschienenen zweiten CD, Neugier. Denn der ist wirklich fabelhaft.

(RP)