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Düsseldorf: Eine Stimme für jugendliche Flüchtlinge

Düsseldorf : Eine Stimme für jugendliche Flüchtlinge

Ein Buchworkshop und Musikprojekt der Flüchtlingsinitiative "Stay!" soll minderjährige Flüchtlinge aus ihrer Ohnmacht befreien. Es soll ihr Selbstbewusstsein stärken und den Problemen junger Asylbewerber ein Gesicht geben.

Dügida, Rassismus, Protest und Gegenprotest - aktueller könnte der Anlass für das Flüchtlingsprojekt "No Border" von "Stay!", dem Zakk und den Falken nicht sein. Asylbewerber, die aus den unterschiedlichsten Gründen nach Deutschland kamen, finden sich in einer Umgebung wieder, die sich viele von ihnen vor der Flucht anders ausgemalt haben. Trotz aller Brisanz, die die Flüchtlingsthematik nicht zuletzt durch die Medien erhält, werden die Menschen, die Flucht oder Vertreibung selbst erlebt haben, oft nicht als Individuen, sondern als undefinierte Gruppen wahrgenommen - ein Problem, vor allem für besonders schutz- und hilfebedürftige Menschen wie Kinder und Jugendliche.

Ayla aus Syrien, Ahmad aus Afghanistan, Evin aus dem Iran und Richard aus Ghana bekamen neben 16 weiteren Flüchtlingen die Möglichkeit, ihre Geschichte zu erzählen. Ayla, die vor einem Jahr nach Deutschland kam, hatte Angst davor, sich zu erinnern und ihre Erlebnisse aufzuschreiben. Bei der Flucht vor dem syrischen Bürgerkrieg musste sich ihre Familie aufteilen, ihre Geschwister kamen nach Tunesien und in die Türkei, ihre Eltern nach Saudi-Arabien. Von einem korrupten Beamtensystem in ihrem Heimatland gerät sie in die Mühlen der deutschen Bürokratie: "Immer noch muss ich von einem Beamten zu einem anderen", schrieb die 22-Jährige. Mittlerweile erhielt sie das Aufenthaltsrecht.

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Nicht so Ahmad. Momentan ist unsicher, ob er zurück nach Afghanistan muss oder bleiben darf. "Es steht immer die Abschiebung im Raum, teilweise auch in Gebiete, bei denen man es gar nicht glauben möchte", sagt "Stay!"-Mitarbeiter Oliver Ongaro. "Durch das Projekt sollen jetzt die Leute zu Wort kommen, über die ansonsten nur geredet wird." Der 20-Jährige Ahmad ist seit drei Jahren in Deutschland, bei seiner Flucht geriet er in Schlägereien, wurde mehrfach beraubt - und würde doch den gleichen Weg noch einmal auf sich nehmen, wenn er dadurch seine Familie finden würde. "Am Anfang fiel es den Jugendlichen nicht leicht, über ihre Gefühle zu reden", sagt Pädagoge Haitham Khalil. Zusammen mit Latifa Kebby unterstützte er die Autoren seit August vergangenen Jahres beim Textworkshop mit Pamela Granderath. "Mit der Zeit entwickelte sich aber immer mehr Vertrauen, sodass wir die Geschichten auch übersetzen und aufschreiben konnten", sagt Khalil.

Der 17-jährige Richard kam erst vor einigen Monaten aus Ghana nach Deutschland. Er spricht wenig Deutsch, verlieh seiner Hoffnung nach einem Leben in Deutschland aber durch Rap-Texte Gestalt. "Deutschland ich will dich nicht aufgeben / ich will den Stress hinter mir lassen / und den schwarzen Jungen, der ich für euch bin / ich will nur der Beste für euch sein." Als Mitglied der "No Borders Band" will er zukünftig seine Erfahrungen auf musikalische Weise mitteilen.

Robert Hillmanns vom Zakk betont, wie wichtig es ist, nicht nur über die Geschichten und Gefühle der Flüchtlinge zu schreiben, sondern auch aufzuklären. So enthält das Buch "No Border" nicht nur Biografien, sondern auch Sachtexte. "Es geht nicht nur darum, ihnen die Geschichten auszusaugen. Die Jugendlichen sollen auch etwas von dem Projekt haben", sagt Hillmanns. Durch die professionelle Anleitung beim Schreiben und bei den Aufnahmearbeiten im Tonstudio im Musikworkshop hätten die Teilnehmer viel gelernt, zudem seien dabei Produkte entstanden, "die sich durchaus sehen lassen können." Torsten Nagel von "SDJ - Die Falken", Initiator des Projekts, sieht in "No Border" vor allem ein Mittel zur Prävention gegen Rassismus und Vorurteile. "Es beantwortet Fragen, über die viele Menschen nichts wissen", sagt Nagel.

(RP)