Düsseldorf: Eine Stadt räumt auf

Düsseldorf : Eine Stadt räumt auf

Die Feuerwehr ist im Dauereinsatz. Weil die Liste ihrer Einsätze lang ist und "nebenbei" auch noch Feuer zu löschen und Patienten in Kliniken zu bringen sind, greifen die Düsseldorfer zur Selbsthilfe - so wie gestern in der Altstadt.

Tolles Wetter, WM-Start - die Altstadt war bereit. Bis auf die Robinie, die das Unwetter am Pfingstmontag vorm Schlüssel umgerissen und über die Bolkerstraße gelegt hatte. "Zu Fuß konnte man gerade noch daran vorbei, aber ein Rettungswagen hätte nicht mehr durchgepasst", sagt Frank Hermsen von der Altstadtgemeinschaft. Deshalb hat er kurzerhand die Mitglieder zusammengetrommelt, Handwerker organisiert und bei der Stadt nachgefragt, ob die Eigeninitiative überhaupt erlaubt ist. "Die waren begeistert und gaben das Okay."

Einen halben Tag lang hat die Altstadtgemeinschaft mit Profiunterstützung gesägt und geschleppt, meldete am späten Nachmittag die Bolkerstraße frei. "Jetzt kann die WM beginnen."

Die Altstadtgemeinschaft war nicht die einzige, die nach dem Sturm zur Selbsthilfe griff. Etliche Düsseldorfer haben der Feuerwehr noch in der Nacht ihre Hilfe beim Aufräumen und der Schadenbeseitigung angeboten. Die bedankte sich dafür gestern: "Es ist gut zu wissen, dass in der Not die Menschen so nah beieinander stehen und helfen wollen."

Wo die Straßen der Stadt nicht unter langsam welkenden Laub begraben sind, bedeckt Sägemehl den Asphalt. Vor allem in den Wohngebieten greifen die Anwohner zu Rechen und Besen, und - wo es um dickere Äste geht - auch mal zur Säge. "Wir können doch nicht wegen so einem Bäumchen auf die Feuerwehr warten", sagen zwei Oberbilker, die gemeinsam einen umgestürzten Baum zerlegt haben. Der muss nun nur noch abgeholt werden. Im Bilker Florapark trafen sich etliche junge Leute, um gemeinsam aufzuräumen. Und in Unterbilk danken die Anwohner des Friedensplätzchens vor allem ihrem Nachbarn Oli, der noch in der Sturmnacht im Alleingang aufgeräumt hat. Und während die Düsseldorfer sich gerührt per Post, E-Mail und in den Sozialen Netzwerken bei ihrer Feuerwehr bedanken, lobt die das Engagement und das Verständnis der Bevölkerung.

1200 haupt- und ehrenamtliche Feuerwehrleute, Mitarbeiter der Hilfsorganisationen und des Technischen Hilfswerks (THW) waren gestern früh noch im Sturmschadeneinsatz. "Weil wir fast überfall technische Geräte einsetzen müssen, können wir schon aus versicherungstechnischen Gründen keine privaten Helfer einsetzen", erklärt Feuerwehrsprecher Tobias Schülpen. Andere Angebote hat die Feuerwehr dagegen gerne angenommen: "Kaltgetränke am Einsatzort." Das klingt zwar nach einem Augenzwinkern, hat aber einen ernsten Hintergrund. Denn bei sommerlichen Temperaturen leisten alle Helfer in dicker Schutzausrüstung Schwerstarbeit Da ist jede Erfrischung willkommen. Auch die handfesten Hilfsangebote will die Feuerwehr nicht ungenutzt lassen und rät, mal bei den Nachbarn nachzufragen: "Die freuen sich vielleicht über Ihre Hilfe."

Die Helfer im offiziellen Auftrag der Stadt werden vom Deutschen Roten Kreuz verpflegt, das ehrenamtliche Kräfte in der Feuerwache Wersten für die Versorgung einsetzt. Da stärkten sich auch die mehr als 150 Feuerwehrleute, die in der Unwetternacht aus Heiligenhaus, Köln dem Kreis Kleve zur Unterstützung anrückten. Einer der Klever Feuerwehrmänner hat sich beim Aufräumen in Düsseldorf schwer verletzt: Als er einen Baum zersägte, schnellte ein Stahlseil, das vom Astwerk verdeckt gewesen war, nach oben und traf ihn im Gesicht. Ein Düsseldorfer Kollege wurde gestern operiert, nachdem ihm ein herabstürzender Ast das Jochbein zweifach gebrochen hatte. Gestern meldete sich ein verletzter THW-Helfer ab, die Zahl der Verletzten stieg damit auf fünf. Und ein Ende der Hilfeersuchen, die sich gestern auf 2677 summierten, ist noch nicht in Sicht.

(RP)