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Düsseldorf: Eine Schatzkammer mit Glas entdeckt

Düsseldorf : Eine Schatzkammer mit Glas entdeckt

In einem alten Luftschutzbunker auf dem ehemaligen Glashüttengelände in Gerresheim wurden bei Sanierungsarbeiten jetzt rund 8000 Flaschen und andere Behälter aus Glas gefunden, die jahrzehntelang unentdeckt blieben.

Der Eingangsbereich zu dem Bunker wirkt unscheinbar, der Zugang ist etwas beschwerlich, aber er lohnt sich. Denn nicht im Traum würde man daran denken, dass wenige Meter tiefer ein Schatz ganz besonderer Art schlummert - einer ganz aus Glas. Bei den Sanierungsarbeiten für das neue Wohnquartier auf dem ehemaligen Glashüttengelände in Gerresheim wurde jetzt ein unterirdisches Glaslager gefunden. Rund 8000 Flaschen und Behälter unterschiedlicher Größe aus der Produktion der einst größten Glashütte der Welt staubten offenbar jahrzehntelang verschollen unter der Erde vor sich hin.

Diese Schatzkammer wurde nun bei den vom Investor Patrizia beauftragten Bodenarbeiten in dem Bunker entdeckt. "Wir wissen natürlich schon etwas länger von dem Fund, wollten aber erst sicherstellen, dass er fachmännisch geborgen und gelagert wird. Sonst hätte man womöglich unnötig Menschen angelockt, die hier ein ideales Betätigungsfeld für ihren Vandalismus vorgefunden hätten", sagt Patrizia-Projektleiterin Gudrun Piesczek.

Die Flaschen lagerten jahrzehntelang in dem unterirdischen Lager. Foto: dpa, mg tmk

Der Investor zog, was naheliegend war, den Förderkreis Industriepfad Gerresheim hinzu, der ohnehin bemüht ist, die Zeugnisse der Industriegeschichte in dem Ortsteil für die Nachwelt zu erhalten. Mehr als ein Dutzend Helfer begannen am Samstag damit, die vielen tausend Flaschen, ein nicht unbedeutender Auszug aus der Nachkriegsproduktion des Werks, sorgsam in Kisten zu packen und sie ans Tageslicht zu befördern.

Gelenkt wurde die Aktion von Gaby und Peter Schulenberg vom Förderkreis. "Die Fülle der Glasmuster hat auch uns überrascht. Es wird einige Zeit in Anspruch nehmen, sie zu sortieren und zuzuordnen. Wir erwarten aber auf jeden Fall zahlreiche neue Aufschlüsse über die Produktionsgeschichte der alten Glashütte", erklärt Peter Schulenberg. "Wir sind natürlich sehr froh, dass mit dem Förderkreis hier in Gerresheim ein verlässlicher Partner gefunden wurde, der mit großem Interesse und Sachverstand dazu beitragen wird, diese bedeutsamen Funde zu erhalten und auszuwerten", fügt Piesczek hinzu.

Vermutlich ab 1956 bis in die 70er Jahre hinein wurden in dem ehemaligen Luftschutzkeller sämtliche Flaschentypen, die in der Glashütte produziert wurden, gut sortiert in Regalen archiviert. Von Hand beschriftete Etiketten kennzeichnen die Produktionsmuster. An den Glasbehältern selbst lässt sich zum Beispiel ablesen, dass die Glashütte die großen Getränkemarken jener Zeit beliefert hat. Auch Coca Cola war über Jahrzehnte Abnehmer der Flaschen aus Gerresheim.

Allein für Granini wurden mehr als eine Milliarde Flaschen gefertigt. In der vergessenen Schatzkammer befinden sich darüber hinaus Muster für Marken wie Maggi oder Underberg, Sinalco-Limonade oder Puschkin-Wodka. Die klassischen Bier-Bügelflaschen wurden ebenfalls an der Heyestraße produziert. Auch Wein und Essigessenz wurde in Glasflaschen aus Gerresheim verkauft.

Nicht zuletzt wurden in dem Kellergewölbe eine breite Palette von Labor- und Arzneimittelflaschen sowie die klassischen Einmachgläser gefunden. Die Funde werden jetzt vorerst auf einer Liegenschaft von Nachfahren der Familie Heye in Hubbelrath gelagert.

Die Gerresheimer Glashütte war um 1900 der weltgrößte Flaschenproduzent mit rund 8000 Beschäftigten. Das Logo der Glashütte, ein großes, mit Krone versehenes "G", zierte europaweit Glasflaschen und Konservengläser von namhaften Abfüllern. Zwischen 1977 und 1979 erlebte die Glashütte schließlich einen wirtschaftlichen Niedergang.

Das 1864 von Ferdinand Heye gegründete Werk wurde 2005 geschlossen. Von April bis Juni 2008 fand das Werkstattverfahren "Perspektiven für Gerresheim Süd" zur Entwicklung neuer Nutzungsideen statt. 2009 erwarb Patrizia Immobilien 200.000 Quadratmeter des Areals, der restliche Anteil der Fläche ist im Besitz der Stadt Düsseldorf.

(RP)