Düsseldorf: Eine Planung mit vielen Hindernissen

Düsseldorf : Eine Planung mit vielen Hindernissen

Der Umbau des Eckhauses Jülicher Straße / Tußmannstraße ist kompliziert wie kaum ein zweites Projekt. Nach einem zwischenzeitlichen Baustopp gehen die Arbeiten auf der Baustelle seit dieser Woche weiter.

Es sei mit Abstand das Schlimmste gewesen, was er als Architekt erleben musste, sagt Michael Heck und denkt mit Schaudern daran zurück, als er vor drei Jahren das erste Mal das Haus an der Ecke Jülicher Straße / Tußmannstraße in Derendorf betrat. "Die Tauben hatten es zum Schluss in Beschlag genommen. Auf dem Boden lag zwei Zentimeter dick der Taubendreck, darauf hunderte tote Tiere. Zum Glück habe ich ein Abbruchunternehmen gefunden, das erst einmal für 50 000 Euro alles leergeräumt hat", berichtet Hecker.

Viele Derendorfer dachten wohl: Diesen Schandfleck kann man nur noch abreißen. Seit dem Leerstand vor 14 Jahren wurden in dem Eckhaus zunächst Asylbewerber untergebracht, im Anschluss richteten sich dort Obdachlose dauerhaft ein, sogar eine Haschplantage wurde 2011 im Obergeschoss entdeckt - bis die Tauben kamen. Doch den Investor Avensias schreckte das alles nicht ab. Der Bauherr wollte dort auch im Hinblick auf die neue Fachhochschule in rund 200 Metern Entfernung ein Wohnhaus mit 48 Einheiten - zumeist barrierefreie Ein- und Zwei-Zimmer-Wohnungen - errichten. "Da sprach auch nichts gegen, die Bausubstanz war absolut in Ordnung", blickt Heck zurück.

Mitte vergangenen Jahres war Baubeginn, zum jetzigen Zeitpunkt hätte eigentlich alles fertig sein sollen. Doch mehrere Wochen lang herrschte Stillstand auf der Baustelle. "Der russische Hauptinvestor von Avensias ist verstorben. Da mussten die finanziellen Verhältnisse erst neu geordnet werden", erklärt Heck. Seit dieser Woche geht es weiter mit den Arbeiten. Die Planung war vom ersten Tag an kompliziert und hätte gar nicht verwirklicht werden können, wenn die Interboden-Gruppe, die zusammen mit Hochtief das angrenzende Quartier Le Flair entwickelt, nicht das Nachbargrundstück abgetreten hätte.

Die Baulücke wurde dringend für die Verwirklichung des Bauvorhabens benötigt. "Anfangs wollte Interboden nicht verkaufen. Irgendwann war die Zeit aber reif, und sie haben das Interesse daran verloren", erzählt Heck. Interboden baut jetzt direkt im Anschluss an der Jülicher Straße ein weiteres Wohngebäude inklusive Tiefgarage. "Die Bauvoranfrage ist da wohl schon durch", sagt Heck.

Die Baulücke zum Nachbargebäude an der Tußmannstraße wird nun zwar überbaut, muss aber gleichzeitig als Feuerwehrdurchfahrt dienen. Die Planung sieht jetzt vor, dass dieser Durchgang von der Tußmannstraße aus als Verbindungsweg in das Wohnquartier für Fußgänger und Radfahrer in einer Breite von rund 5,50 Metern ausgebaut wird. Eine Auflage des Umweltamtes wiederum untersagt aus Lärmschutzgründen, dass zur Jülicher Straße hin Schlaf- oder Wohnräume ausgerichtet sind. "Erlaubt sind nur Bäder, Küchen oder Abstellräume", sagt Heck. "Das ergibt immerhin einen tollen Lärmschutzriegel zur Jülicher Straße. Und alle Wohnungen haben jetzt einen schönen Südbalkon", so der Architekt über die Vorteile.

Die zum Teil extremen Höhenunterschiede zwischen Jülicher Straße und Toulouser Allee, die beim Ausbau des viergeschossigen Hauses an dieser Stelle zu beachten sind, haben die Planung zusätzlich belastet. Doch Michael Heck will sich nicht beschweren: "Unser Büro mag Herausforderungen." Er rechnet nun damit, dass die Fertigstellung des Umbaus bis zum Juni kommenden Jahres gelingt.

(RP)