Kultur in Düsseldorf Eine Liebeserklärung an Düsseldorf

Düsseldorf · Das Theater an der Luegallee in Oberkassel lässt in einer amüsanten Revue die Landeshauptstadt hochleben – und zwar streng nach Alphabet von A wie Altbier bis Z wie Zuhause.

 Christiane Reichert, Nicolas Evertsbusch und Frank Bahrenberg (r.) lassen am Theater an der Luegallee die Landeshauptstadt hochleben.

Christiane Reichert, Nicolas Evertsbusch und Frank Bahrenberg (r.) lassen am Theater an der Luegallee die Landeshauptstadt hochleben.

Foto: Theater an der Luegallee

Seit Christiane Reichert im Theater an der Luegallee das Sagen hat (und das ausgerechnet mit Beginn von Corona) läuft so einiges anders in dem kulturellen Kleinod in Oberkassel. Aufgeführt werden auch schon mal mehr oder weniger blutrünstige Thriller oder wie jetzt (siehe Info-Kasten) eine jüdische Woche, unter anderem mit „Gedichten aus dem KZ“. Das ebenso Erstaunliche wie Erfreuliche: Das eigentlich an Boulevard und leichte Unterhaltung gewöhnte Stammpublikum hat die Wende mit vollzogen – und es wurden sogar neue, jüngere Zuschauer gewonnen.

Wenig zu befürchten hat Reichert bei einem musikalisch-literarischen Programm, das nun im Oktober (20. bis 23.) fünfmal aufgeführt wird. Denn es handelt sich dabei um nichts geringeres als eine Liebeserklärung an Düsseldorf. Das mutet erst einmal etwas komisch an, denn das Trio auf der Bühne hat auf den ersten Blick so gar nichts mit der Landeshauptstadt am Hut. Reichert ist gebürtige Fränkin, ihr Mann Frank Bahrenberg kommt aus dem Ruhrpott und Nicolas Evertsbusch sogar aus der „verbotenen Stadt“ mit dem Dom. Aber es gehört halt eben auch zur Wahrheit, dass alle sich im Verlauf ihrer Zeit ein bisschen in Düsseldorf verliebt haben. „Das rheinische Naturell hat mich vollkommen gefangen genommen“, sagt etwa Reichert. „Die Franken sind doch eher distanziert, und hier habe ich auf einmal erfahren, dass Menschen auf mich zugehen, mich anlächeln, reden.“ Das ist natürlich alles ein klein wenig übertrieben, aber ebenso augenzwinkernd ist ja auch die neue Show zu sehen. Bleibe noch schnell zu klären, wie der Kölner am Piano zu der Sache steht: „Wir dulden ihn und umgekehrt, das muss reichen“, sagt Reichert.

In der Tradition der musikalischen Lesungen am Theater an der Lueg­allee ist auch die „Liebeserklärung“ aufgebaut: Texte werden rezitiert, Lieder gesungen, Gedichte aufgesagt – nur eben alles mit Bezug zu Düsseldorf, und das streng nach Alphabet von A bis Z, von Altbier bis Zuhause. Natürlich kommt dabei Beuys (B) mit seiner Fettecke zur Geltung, wird Fortuna (F) gefeiert, erhält Japan (J) eine Würdigung ebenso wie Heinrich Heine (H). Und da es den ein oder anderen Buchstaben gibt, der nicht so ohne Weiteres Schlüssiges zu bieten hat, wird improvisiert. Immerhin gibt es ja auch in Düsseldorf noch den gemeinen Yuppie (Y), der sich in der Öffentlichkeit zeigt, dient ein Quiz (Q) ohnehin stets zur Auflockerung, die Zuschauer wollen ja auch einbezogen werden. „Nur bei X wurde es schließlich doch ein wenig schwierig“, räumt Reichert ein. Was sich genau hinter dem Wort Xenophilie verbirgt, werden Neugierige dann spätestens im Theater erfahren. Nur so viel: Es ist ebenfalls etwas, das den Düsseldorfer schmückt. 

„Wir werden historisch Verbürgtes ebenso wie Erfundenes einbauen, Amüsantes und Nachdenkliches behandeln“, kündigt Christiane Reichert an, die einen Abend „zum Mitsingen und -raten, Lernen, Lachen, Staunen, Schunkeln und Genießen“ verspricht. Das sind natürlich ganz schön ambitionierte Ziele, „aber als genauso abwechslungsreich habe ich Düsseldorf nun mal kennengelernt“, sagt die Intendantin, die es sich selbstverständlich nicht nehmen lässt, dabei selbst auf der Bühne zu stehen. Und wenn sich dann spätestens beim T zu „Tage wie diese“ von den Toten Hosen alle euphorisch in den Armen liegen oder doch zumindest rührselig in den Sitz pressen, dann hat sie alles richtig gemacht.

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