Britta Damm: Eine Frau ist Chefin von 15.000 Schützen

Britta Damm : Eine Frau ist Chefin von 15.000 Schützen

Es ist keine wirkliche Sensation mehr, dass mit Britta Damm fortan eine Frau an der Spitze von 15.000 Düsseldorfer Schützen steht. Seit zehn Jahren ist die 51-Jährige Chefin des St. Sebastianus-Schützenvereins Niederkassel und hat seitdem auch dem letzten männlichen Zweifler ihre Kompetenz unter Beweis gestellt.

Bei der Mitgliederversammlung der Interessengemeinschaft Düsseldorfer Schützenvereine (IGDS) wurde Damm gestern Abend ohne Gegenstimme zur neuen Vorsitzenden gewählt. Es gab keinen Gegenkandidaten.

Was hat Sie dazu bewogen, diese zusätzliche Aufgabe zu übernehmen?

Britta Damm Ich bin im vergangenen Jahr von einigen Schützenchefs angesprochen worden, ob ich mir das Amt zutraue. Das ehrt einen natürlich, und ich nehme diese Herausforderung gerne an. Zumal ich der festen Überzeugung bin, dass Schützenwesen weit mehr für die Gesellschaft im Allgemeinen und für unsere Stadt im Besonderen ist, als es zur Zeit von vielen wahrgenommen wird.

Was haben Sie sich für Ihren Amtsantritt vorgenommen, was wollen Sie verändern?

Damm Zunächst einmal möchte ich diese Aufgabe mit offenem Herzen angehen und keine Erwartungen wecken, die ich womöglich nicht erfüllen kann. Mein Vorgänger Klaus-Peter Dahmen hat mit seinem Vorstand eine hervorragende Arbeit geleistet. Dennoch denke ich, dass das Schützenwesen in Düsseldorf mehr öffentliche Aufmerksamkeit verdient. Wir müssen uns selbstbewusst darstellen. Wir Schützen sind eine Gemeinschaft mit christlichen Werten, hier gibt es keine Standesunterschiede, sondern ein gesundes Miteinander. Wir tun viel für die Stadtteile und deren Bürger. Und Ja, wir feiern auch und haben gemeinsam Spaß. Vieles, gerade im karitativen und sozialen Bereich, geschieht aber zu sehr im Verborgenen.

Haben Schützen grundsätzlich ein Imageproblem?

Damm Das Image der Schützen zu verbessern, sehe ich in der Tat als eine der Hauptaufgaben an, die ich in Angriff nehmen will. Die IGDS muss zudem mehr herausarbeiten, die Interessenvertretung aller Vereine zu sein. Die stadtteilbezogene Politik der Vereine ist gut und gewünscht, darüber hinaus muss dann aber die Stimme der IGDS laut und deutlich zu hören sein.

Mit Ihrem Mann Thomas bildeten Sie in der vergangenen Session auch das Tonnenbauerpaar in Niederkassel. Genießt das Winterbrauchtum jene Beachtung, die Sie sich auch für das Schützenwesen vorstellen?

Damm Beides kann man nicht Eins zu Eins miteinander vergleichen, das ist der falsche Ansatz. Der Karneval wird eher in Gänze mit Düsseldorf in Verbindung gebracht. Das liegt natürlich auch an der Durchführung des Rosenmontagszuges oder den Fernsehsitzungen. Während in den einzelnen Stadtteilen jeder Schützenverein für sich wirklich gute Arbeit leistet, findet die Wahrnehmung als Düsseldorfer Brauchtum jedoch nicht genug statt. Auch, dass die Große Kirmes letztlich ein Schützenfest ist, wissen längst nicht alle Besucher des Volksfestes. Dabei sind die Probleme und bürokratischen Hürden, die es zu überwinden gilt, in der Regel ganz ähnlich. Hier möchte ich gerne regelmäßig den Dialog mit den Karnevalisten führen.

Welche Probleme müssen aus Ihrer Sicht kurzfristig angegangen werden?

Damm Das fängt bei den immer strikter werdenden Auflagen für ein Sicherheitskonzept an, geht über offene Fragen bei Gema-Gebühren, Künstlersozialkasse oder Schießstandverordnung und reicht bis zur besseren Vernetzung der Musik. Auch die Bestückung der Schützenplätze ist immer wieder Thema. Da kann und sollte man als Dachorganisation aller Schützen helfend eingreifen, wo es möglich ist, und Lösungsansätze bieten, denn als Ehrenamtler im Alleingang stößt man schnell an Grenzen. Ich hoffe sehr, dass es mir gelingt, mit der Politik in diesem Zusammenhang einen regen Austausch zu führen.

Die Jugend stärker einzubinden, ist für Sie ebenfalls ein Aspekt, dem Sie mehr Beachtung schenken wollen?

Damm Das ist für Schützenvereine natürlich immer ein Thema: Kinder und Jugendliche zu begeistern und sie dann auch langfristig zu binden. Dies funktioniert aber nur, wenn man sich zeitgemäß aufstellt. Das beginnt bei der Internetpräsenz - da hat die IGDS ganz bestimmt Nachholbedarf - und setzt sich mit der ernsthaften Absicht, auch in den sozialen Medien präsent sein zu wollen, fort. Auch bei bestimmten Terminen, wie etwa dem Ball der Könige in der Rheinterrasse, muss es erlaubt sein, über eine Auffrischung nachzudenken.

Sie wurden 2005 als erste Frau Chefin eines Schützenvereins in Düsseldorf. Hatten sie anfangs mit Vorurteilen zu kämpfen?

Damm Das war relativ schnell kein Thema mehr. Ich bin auch keine Frau, die sich für etwas wie eine Quotenregelung im Schützenwesen einsetzt. Jeder Verein muss selbst wissen, wie er das handhabt. Kompetenz, Menschlichkeit und persönliche Stärke sind für mich ohnehin keine Eigenschaften, die vom Geschlecht abhängig sind.

(RP)
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