Einbruch in Düsseldorfer Kfz-Zulassungsstelle: Tausende Blanko-Dokumente gestohlen - Stadt warnt Gebrauchtwagenkäufer

Einbruch in Düsseldorfer Kfz-Zulassungsstelle : Tausende Blanko-Dokumente gestohlen - Stadt warnt Gebrauchtwagenkäufer

Die Mitarbeiter sind geschockt, die Stadt warnt nach dem professionell durchgeführten Einbruch in die Zulassungsstelle vor vermeintlichen Schnäppchen auf dem Gebrauchtwagenmarkt.

Als ihn die Nachricht vom Einbruch am Donnerstagmorgen ereilte, sei er fast aus der Dusche gefallen, sagte Harald Wehle, Chef des Straßenverkehrsamtes.

Mitten in der Nacht waren Einbrecher in die Kfz-Zulassungsstelle am Höher Weg eingedrungen. „Sie sind dabei sehr professionell vorgegangen“, sagt Wehle und zeigt auf die gepanzerte Tür. Diese haben die Diebe knapp unterhalb des Schlosses mit einer Flex horizontal aufgesägt. Dadurch konnten sie in das Innere des Gebäudes eindringen, ohne den Alarm auszulösen. Daraufhin machten sie den bislang einzigen bekannten Fehler bei ihrer Diebestour: Sie drangen in den Server-Raum der Zulassungsstelle ein, vermuteten dahinter wohl die Schließfächer mit den Kfz-Briefen. Daten von den Servern seien jedoch keine gestohlen worden. „Das hätten unserer IT-Spezialisten gemerkt“, sagt Wehle.

Der nächste Raum war dann der richtige. Dort stehen neben mehreren Tresoren auch die Schließfächer, in welche die Mitarbeiter abends die nicht benötigten Kfz-Briefe und -Scheine einschließen. Alle wurden aufgebrochen. Schwierig war dieser letzte Schritt wahrscheinlich nicht, handelt es sich doch um Fächer von der Qualität eines normalen Spindes.

Neben tausenden Zulassungspapieren wurden auch städtische Nummernschild-Siegel gestohlen. Doch die dürften für die Diebe von weniger Interesse sein, vermutet Andreas Meyer-Falcke, zuständiger Beigeordneter der Stadt Düsseldorf. Die abhanden gekommenen Fahrzeugbriefe und -scheine jedoch stellen ein deutlich größeres Problem dar. Damit können Kriminelle gestohlene Fahrzeuge an arglose Kunden verkaufen. Erst wenn die Käufer ihre Fahrzeuge bei einem Straßenverkehrsamt zulassen wollen, wird ihnen klar, dass sie einem Betrug aufgesessen sind. „Bei vermeintlichen Schnäppchen auf dem Gebrauchtwagenmakrt sollte man daher jetzt ganz besonders vorsichtig sein“, warnt Meyer-Falcke.

Vanessa De Geus arbeitet seit zehn Jahren in der Zulassungsstelle. Die Teamleiterin ist sichtlich geschockt. „Es ist zwar nicht so schlimm, als wenn bei einem Zuhause eingebrochen wird. Aber so ein bisschen ist das hier ja unser zweites Zuhause“, sagt sie. De Geus vermutet, dass irgendjemand die Abläufe und die Räumlichkeiten der Zulassungsstelle ausgekundschaftet hat. „Das ist schon beängstigend.“

Mitarbeiterin Vanessa De Geus ist nach dem Einbruch geschockt. Foto: Christoph Schroeter

Besonders schwierig sei es gewesen, am Morgen die Kunden, die vor der Tür warteten, noch normal zu bedienen. Ein paar Kfz-Briefe hätten die Täter zurückgelassen, damit hätten sie dann die ersten Zulassungen am Donnerstag bearbeiten können. Mit dem Diebstahl würde der übliche Stress vor Weihnachten noch einmal zunehmen. Schließlich müssten jetzt neue Briefe organisiert und den Mitarbeitern zugeteilt werden.

De Geus weist auf zwei weitere Probleme mit den gestohlenen Kfz-Briefen hin. Wenn jemand einige der gestohlenen Dokumente früh am Morgen eingesetzt habe, noch bevor diese beim Kraftfahrtbundesamt gesperrt worden seien, könnte jemand ein geklautes Auto unbemerkt zugelassen haben. „Und wenn die Briefe außerhalb der EU, etwa in Marokko, eingesetzt werden, bemerkt niemand den Diebstahl“, so De Geus. Dort würden die Dokumente nicht geprüft.

Ein ganz praktisches Problem kam noch auf die Mitarbeiter zu: Da alle Schließfächer aufgebrochen wurden, gab es zunächst keine Möglichkeit, die nicht benutzten Dokumente des Tages am Abend einzuschließen. Und das ist Vorschrift.

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