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Junge Einbrecherbande gefasst: Einbrechen trotz Bewährung

Junge Einbrecherbande gefasst : Einbrechen trotz Bewährung

32 Taten sollen vier junge Männer im Düsseldorfer Süden begangen haben, dabei mindestens 105.000 Euro Schaden angerichtet haben. Zwei waren wegen der gleichen Delikte erst vor drei Jahren verurteilt worden. Der Bandenchef saß anderthalb Jahre in Haft.

Sie stammen aus gutem Hause, wie man so sagt. Die Eltern besitzen eigene Häuser im Düsseldorfer Süden, die Söhne kennen sich seit Kindertagen. "Nötig hatten sie die Einbrüche nicht", sagt Rainer Reinhard, der mit der Ermittlungskommission (EK) "JuBa" der Bande seit Herbst auf der Spur war. 15 Taten haben zwei der Verdächtigen gestanden, nachdem die Polizei ihre Elternhäuser vergangene Woche durchsuchte. Die EK Juba geht davon aus, dass die Bande für mindestens 32 Taten verantwortlich ist.

Als Haupttäter gilt ein 23-Jähriger ohne Ausbildung und Job. 2009 war er — gerade aus einer einjährigen Jugendhaftstrafe entlassen — mit einem 16-Jährigen auf Einbruchstour gegangen. Als die damalige Bande aufflog, wurde er zu anderthalb Jahren Haft verurteilt. Aus der kam er im Januar 2011 frei, stand bis 2013 unter Bewährung. Jetzt ist er in U-Haft, bislang als einziger aus dem Quartett.

Auch ein Komplize von damals, heute 19 Jahre alt, war unter Auflagen auf freiem Fuß, als er sich im September wohl wieder mit dem Älteren zusammen tat. Seinerzeit waren die ersten Einbrüche in Einfamilienhäuser und Terrassenwohnungen in Hellerhof gemeldet worden. Jedesmal waren die Täter durch Kellerfenster eingestiegen — wie bei der Serie 2009. "Da hätte kein Erwachsener durch gepasst", sagt Reinhard, der deshalb schnell an die Täter von damals dachte.

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Die weiteren Ermittlungen brachten seine EK auf einen 21-Jährigen aus Garath und einen 23-Jährigen aus Hellerhof, der als einziger des Quartetts eine Ausbildung macht und nie polizeilich auffällig war. Jetzt steht er wie die anderen im Verdacht des gewerbsmäßigen Bandendiebstahls.

Beim Versuch, den Verdächtigen die Taten nachzuweisen, bekamen die Ermittler Schützenhilfe von den jungen Männern selbst. Der Haupttäter, in dessen Zimmer im Elternhaus eine beträchtliche Anzahl gestohlener Uhren, Handys und anderer Gegenstände gefunden wurden, erwies sich als besonders hilfreich: Einmal marschierte er mit einem gestohlenen Gutschein zu einem Herrenausstatter an der Kö, orderte einen Maßanzug, den er in drei Tagen abholen wollte. Weil der Schneider sechs Wochen brauchte, nahm er den Gutschein, auf dem der Name des rechtmäßigen Eigentümers stand, wieder mit.

Ein anderes Mal rief er im Theater an der Kö an, um zwei Karten zurückzugeben. Auch die stammten aus einem Einbruch — und sie waren nummeriert. Der Anruf führte die Ermittler direkt zu ihm. Trotz solch naiven Vorgehens attestiert Reinhard den Verdächtgen hohe kriminelle Energie. Sie seien durch die Straßen gezogen, in denen sie aufgewachsen sind, und hätten gezielt nach vollen Briefkästen und ungesicherten Kellerfn Ausschau gehalten. "Die registrierten sogar, ob ein Fenster nur einfach verglast war."

Einmal soll sich einer der vier auch in Langenfeld versucht haben, wurde aber von Nachbarn beobachtet, die die Polizei alarmierten. Kaltblütig sprach der Mann einen Passanten an, behauptete, er werde von einer Jugendbande verfolgt, und bat darum mit dem Handy des Passanten ein Taxi rufen zu dürfen. Mit dem Taxi entkam er dann zwar der Polizei. Aber weil er direkt zu einem seiner Komplizen gefahren war, trug auch dieser Anruf zur Beweisführung der Ermittler bei. Die prüfen, ob die Vier die einzigen Mitglieder der aktuellen Bande sind.

(ila/jco/top)