Jahresbilanz der Polizei in Düsseldorf: Ein Viertel aller Unfallfahrer flüchtet

Jahresbilanz der Polizei in Düsseldorf: Ein Viertel aller Unfallfahrer flüchtet

Die Polizei beklagt einen deutlichen Rückgang der Verkehrsmoral. In Düsseldorf flüchtet inzwischen jeder vierte Autofahrer nach einem Unfall. Erschreckend viele Unfälle passieren zudem bei hohen Geschwindigkeiten.

Das Niveau der Verkehrsmoral sei "steigend schlecht" heißt es in der Jahresbilanz der Düsseldorfer Verkehrspolizei. Damit sind nicht nur die rücksichtslosen Fahrer, die Zweite-Reihe-Parker oder die Handytelefonierer gemeint. Am deutlichsten zeigt sich die Moral beim Thema Unfallflucht: Knapp ein Viertel aller Verursacher ist im vergangenen Jahr vom Unfallort geflüchtet.

Bei schweren Unfällen, bei denen Menschen verletzt worden oder besonders hohe Schäden entstanden sind, kommen dann die Spezialisten des Unfallaufnahmeteams, kurz: VU-Team, zum Einsatz. Und gegen die haben die meisten Flüchtigen keine Chance: Rund 45 Prozent der Unfallfluchten werden aufgeklärt, in Fällen mit Verletzten sogar knapp 70 Prozent der Verursacher gefasst. Doch obwohl das Entdeckungsrisiko hoch ist, steigt die Zahl der Fahrerfluchten jedes Jahr.

Das Smartphone bleibt ein großes Problem

Weniger hoch ist das Entdeckungsrisiko dagegen beim Telefonieren. Nur in den wenigsten Fällen kann die Polizei nach einem Unfall tatsächlich nachweisen, dass der Verursacher gerade sein Smartphone benutzt hat, als es krachte. Die häufigsten Unfallursachen in Düsseldorf waren laut Statistik voriges Jahr Fehler beim Abbiegen und Wenden (2122 Unfälle), zu hohes Tempo (759), Vorfahrts- (568) und Abstandsfehler (507).

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Wie oft diese Fehler aber wiederum durch den Umgang mit dem Smartphone verursacht wurden, ist unklar. "Wenn es Verdachtsmomente gibt, können wir nach einem Unfall das Handy zwar beschlagnahmen. Aber es lässt sich nicht eindeutig feststellen, ob es zum Unfallzeitpunkt auch benutzt wurde", sagt Verkehrsdirektor Frank Kubicki. Zwar werden die Uhrzeiten von Telefonaten in den Geräten angezeigt. Aber Telefonate sind längst nicht mehr das Hauptproblem, um das es bei der Nutzung von Smartphones am Steuer geht. "Die Leute checken ihre Mails, surfen im Internet, schreiben Textnachrichten - alles während der Fahrt", sagt Kubicki.

26 Handynutzer am Steuer hat die Düsseldorfer Polizei im vergangenen Jahr gestoppt und zur Kasse gebeten - jeden Tag. Dass das ein paar weniger als im Vorjahr waren, dürfte eher ein Zufall sein. Denn seit Jahren steigt die Zahl der Handy-Knöllchen, 2015 hatte sie sich im Vergleich zum Vorjahr fast verdoppelt. Dass die seit Oktober 2017 geltenden neuen Strafen (1 Punkt, 100 Euro, bei einem Unfall 2 Punkte und 200 Euro) Wirkung zeigen werden, glaubt bei der Düsseldorfer Verkehrspolizei niemand. "Dafür ist die permanente Nutzung des Smartphones heutzutage viel zu selbstverständlich", sagt Frank Kubicki.

Immer mehr Raser

Erstaunlich hoch in der Unfallbilanz für das vergangene Jahr fällt die Zahl der Tempo-Unfälle aus. Meist lässt der Verkehr in der Stadt schließlich kaum mehr als Schrittgeschwindigkeit zu. Aber knapp 40.000 Personen wurden 2017 dennoch wegen zu schnellen Fahrens angezeigt. Die schlimmsten Beispiele: Auf der Klaus-Bungert-Straße in der Nähe des Flughafens, auf der Tempo 30 gilt, wurde ein Auto mit 85 Kilometern pro Stunde gemessen. Auf der Oberkasseler Brücke schaffte ein Autofahrer trotz Berufsverkehr an einem Mittwochmorgen um sieben eine Geschwindigkeitsüberschreitung um 58 km/h - bei erlaubten 50 km/h. Über die Kniebrücke raste einer nachts sogar mit 130, fuhr also 70 km/h schneller als erlaubt.

(RP)