Düsseldorf: Ein Stammtisch reist durch die Stadtteile

Düsseldorf: Ein Stammtisch reist durch die Stadtteile

Mehr als 100 Mal haben sie sich schon getroffen und kennen sich in Düsseldorf bestens aus. Denn der Stammtisch aus ehemaligen Basketballern gastierte in allen 50 Stadtteilen. Ihre Regel: Kein Restaurant darf zwei Mal besucht werden.

Fünfzig Stadtteile hat Düsseldorf, verteilt auf einer Fläche von mehr als 200 Quadratkilometern. Selbst Ur-Düsseldorfer wissen nicht immer so genau, wo die Stadtteilgrenzen verlaufen und welche Straße zu welchem Stadtteil gehört. Nicht so aber eine Düsseldorfer Stammtischrunde, die bei ihren weit über 100 Treffen bereits in jedem Stadtteil gastierte.

Die Stammtischrunde hat eine besondere Entstehungsgeschichte: Begonnen hat sie beim Basketball der Betriebssportgemeinschaft Düsseldorfer IKB. Damals gingen Rainer Urban, ehemaliger Leiter der Sportabteilung, die Spieler aus. Er fing an, Freunde und Bekannte zu rekrutieren. Bis eines Tages ein Vorstandsmitglied der Bank seine Mitarbeiter besuchen wollte und dort zwar hochmotivierte Basketballer, jedoch nicht seine Mitarbeiter fand. Der anschließende Rausschmiss erwies sich für die Gruppe als Glücksfall: "Weil keiner von uns aufhören wollte, haben wir uns DJK TuSA angeschlossen", erinnert sich Friedhelm Brömm. Anschließend spielte die Formation fast 30 Jahre zusammen.

"Mit der Zeit hat dann einer nach dem anderen wegen körperlicher Probleme aufgehört. Wir haben uns gesagt, dass das doch nicht das Ende sein kann" sagt Brömm. Mit der Gründung des Stammtisches im Dezember 2005 "haben wir unseren sportlichen Ehrgeiz nicht verloren, sondern einfach nur auf ein anderes Gebiet übertragen", sagt Lutz Godenschlager und lacht, herausgekommen sind die "Stadtteil-Reisen". Mittlerweile gibt es klare Spielregeln: Jedes der zehn Mitglieder sucht abwechselnd ein Restaurant raus. An keinem der Orte verkehrt die Runde zweimal - ausgenommen sind Besitzerwechsel. "Hat man ein tolles Restaurant gefunden, fällt das natürlich nicht leicht, aber so sind die Regeln", sagt Brömm. Der erste Platz der meist besuchten Stadtteile geht an Unterbilk mit insgesamt 13 Stopps, dicht gefolgt von Pempelfort. Doch längst nicht immer sind die Stadtteilgrenzen deutlich erkennbar. "Irgendwann habe ich angefangen, die Orte auf einer Karte zu überprüfen. Fast die Hälfte gehörte eigentlich zu einem ganz anderen Stadtteil als gedacht", sagt Brömm, der in der Gruppe für die Statistiken verantwortlich ist. Doch welches der unzähligen Restaurants steht bei den Kennern am höchsten im Kurs? "Definitiv die Bauernstube Deppe in Unterrath mit ihrem leckeren Senfrostbraten" meint Urban unter einstimmigem Nicken der anderen. "Die Ente im Cooking Dad in Flingern war aber auch grandios", wirft Godenschlager ein.

Das ungewöhnlichste Treffen verbrachten die Männer jedoch nicht in einem Restaurant: "In Itter haben wir ewig gesucht. Es gibt dort weder Restaurant noch Kneipe." Doch statt den Stadtteil aus der Liste zu streichen, kam Stammtischmitglied Rainer Urban eine Idee: "Meine Mutter war dort in einer Seniorenresidenz untergebracht. Ich fragte bei der Heimleitung an und erzählte unsere Geschichte" - mit Erfolg. "Das Drei-Gänge-Menü, was eigens für uns gekocht wurde, war köstlich", sagt Peter Schmitten. Einziger Nachteil: Bereits nach einer Runde war der Biervorrat aufgebraucht.

Mit Garath kam dann der 50. und letzte Stadtteil der Runde an die Reihe, doch aufgegeben wird der Stammtisch keinesfalls: "Wir machen weiter - mindestens bis der erste von uns 100 Jahre wird."

(RP)
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