Ein neuer Jan-Wellem-Platz für Düsseldorf

Entscheidung gegen Joachim-Erwin-Platz: Ein neuer Jan-Wellem-Platz für Düsseldorf

Der Platz dieses Namens hat Tradition in Düsseldorf, aber er musste dem Kö-Bogen weichen. Daher wollen CDU und FDP nebenan ein Areal so benennen. Damit wird aber auch klar, dass es dort keinen Joachim-Erwin-Platz geben wird.

Düsseldorf wird demnächst wieder einen echten Jan-Wellem-Platz haben — jedenfalls, wenn es nach dem Willen von CDU und FDP geht. Die beiden Parteien haben sich jetzt darauf geeinigt, in der nächsten Ratssitzung einen entsprechenden Antrag vorzulegen. Da Schwarz-Gelb eine Mehrheit im Rat hat, dürfte dieser Wunsch also in Erfüllung gehen. Der Rat tritt am 13. Februar zusammen. Anlass für diesen Antrag ist der Kö-Bogen. Durch dessen Bau ist der Jan-Wellem-Platz alter Prägung praktisch komplett verschwunden, dort stehen jetzt die Libeskind-Gebäude mit Breuninger und anderen Geschäften.

Der alte Jan-Wellem-Platz war keine Adresse für eine positive Stadtwerbung: Vor allem diente er der Rheinbahn als zentraler Knotenpunkt für eine ganze Reihe von Straßenbahn- und Buslininien. Und weil dort täglich Zigtausende Menschen ankamen, umstiegen oder abfuhren, war er der wohl berühmteste Platz der Stadt. Die Verkehrslinien jedoch werden demnächst alle unter der Erde verschwunden sein, und durch die Bebauung entstehen neue Flächen mit neuen Zuschnitten. Exakt an diesen Punkt knüpft auch der Antrag von CDU und FDP an.

Darin heißt es: "Durch die Bebauung Kö-Bogen I und II werden alte Plätze aufgewertet und neue Plätze geschaffen. Neben dem Gustaf-Gründgens-Platz, dem neu gestalteten Schadowplatz und dem Martin-Luther-Platz bekommt Düsseldorf einen neuen urbanen Platz, der der zentrale Orientierungspunkt in der neuen Innenstadt wird. Es macht Sinn, diesen Platz nach dem großen Kurfürsten, der unsere Stadt maßgeblich geprägt hat, zu benennen. Düsseldorf hat über 50 Jahre einen Platz nach ihm benannt und sollte dies auch künftig tun."

Die Fläche, die man neu benennen will, wird im Antrag so umrissen: "Der Platz zwischen der Tuchtinsel im Süden, dem Baufeld IV im Norden und den Übergängen zur Schadowstraße nach Osten und Westen." Das Areal befindet sich tatsächlich zentral im Herzen der City — in der unmittelbaren Nachbarschaft sind der Kö-Bogen, das Schauspielhaus und das Dreischeibenhaus.

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Dass CDU und FDP ausgerechnet jetzt mit diesem Vorstoß kommen, hängt auch mit der immer noch nicht gelösten Frage nach einer Ehrung für den 2008 verstorbenen OB Joachim Erwin zusammen. Es hatte aus verschiedenen Gruppen immer wieder den Vorschlag gegeben, den neu entstandenen Platz zwischen Kö-Bogen, Tuchtinsel und Schauspielhaus nach Erwin zu benennen. Aber dafür hatte es weder in der CDU noch in der FDP eine Mehrheit gegeben. Man fand diesen Vorschlag aus unterschiedlichen Gründen nicht angemessen.

Nun, mit einer neuen Namensgebung, nimmt man künftigen Vorstößen dieser Art den Wind aus den Segeln und sorgt dafür, dass Düsseldorf einen Jan-Wellem-Platz erhält, der sich von Optik und Gestaltung her mit anderen Plätzen der Stadt messen kann. Wie man die Namensgebung nach außen darstellt, ist noch offen — dass es mehr als ein bloßes Schild geben und man den Fürsten wie auch immer sichtbar machen könnte, ist denkbar.

Denn deutlich sollte die Bezeichnung schon sein, nicht zuletzt, weil vor allem Ortsfremde manchmal denken, der Platz vor dem Rathaus trage den Namen des Kurfürsten, weil dort ja auch sein berühmtes und viel fotografiertes Standbild steht. Dieses Karree trägt jedoch den Namen Marktplatz — denn dort war früher tatsächlich ein Markt, und nebenan stand bis in die 1940er Jahre eine Markthalle.

(RP)