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Interview: Ein Leben in "Almanya"

Interview : Ein Leben in "Almanya"

Zum Film "Almanya", der am Donnerstag im FrankenheimKino läuft, sprachen wir mit Drehbuchautorin Nesrin Samdereli.

Sie haben gleich nach dem Abitur als Lektorin beim Filmverleih Kinowelt angefangen, waren dort Lektorin. Das klingt nach früher Liebe zum Kino.

Samdereli: Die Liebe ist sogar noch älter. Ich habe schon mit 13 mein erstes Kurzfilm-Buch geschrieben. Meine fünf Jahre ältere Schwester, mit der ich ja gemeinsam an "Almanya" gearbeitet habe, hat mich quasi an die Filmwelt herangezogen. Sie war auf der Filmhochschule.

Ihre ersten Drehbuch-Arbeiten waren deutsch-türkische Komödien wie "Getürkt" oder eine Folge der Serie "Türkisch für Anfänger". Lief damit alles auf "Almanya" hinaus?

Samdereli: Nein. "Almanya" war eigentlich schon vor zehn Jahren fertig. Wir hatten auch einen Produzenten. Aber leider war nicht genug Geld da. Und es war damals noch schwieriger, eine deutsch-türkische Komödie zu platzieren.

Nun wurde der Film — wenn auch mit Verspätung — ein Kassenschlager. In einer Zeit, in der in Deutschland die Integrationsdebatte voll im Gang ist. Hilft er nun, Vorurteile abzubauen oder bedient er Klischees?

Samdereli: Wir greifen Klischees auf und versuchen, sie zu brechen. Eigentlich war es eine glückliche Fügung, dass der Film mitten in die Debatte um Intergration und sozusagen auf fruchtbaren Boden fiel. Viele wollten ein Gegenbeispiel zu dem, was da verbreitet wurde.

Sie sind die dritte Generation ihrer Familie in Deutschland. Sie wurden hier geboren. Wie viel Autobiographisches ist in Ihrem Film?

Samdereli: Es gibt Ähnlichkeiten. Unser Großvater kam als erster nach Deutschland. Und es wurden auch Familienerlebnisse verarbeitet. Aber es sind nicht spezifisch unsere Erlebnisse, sondern die, die für eine ganze Gruppe stehen. Deshalb können sich wohl auch so viele damit identifizieren.

Sie bekamen den deutschen Filmpreis für das beste Drehbuch. Waren Sie vom Erfolg des Films überrascht?

Samdereli: Wir haben schon an das Potenzial unseres Buches geglaubt. Aber es waren auch viele Leute skeptisch. Insofern waren wir natürlich überrascht und haben uns wahnsinnig gefreut. Man kann dem Publikum schon eine Menge zutrauen. Es haben sich auch ganz viele Nationen darin wiedergefunden. Das liegt, glaube ich, daran, dass wir universell erzählt haben. Es ist eigentlich einen Geschichte über das Leben.

Wie war die Reaktion Ihrer Familie?

Samdereli: Am spannendsten war es mit unseren Eltern auf der Berlinale. Sie hatten genau die richtige Distanz zum Film. Und sie waren unheimlich stolz auf uns.

Was hat sich nach dem Erfolg des Filmes in Ihrem Leben geändert?

Samdereli: Wir wollen genauso ambitioniert weitermachen wie bisher. Anders ist nur, dass wir unheimlich viel auf Festivals unterwegs sind. Ich bin gerade aus Palic in Serbien zurück. Wir waren auch schon in Shanghai und Seattle. Demnächst beginnt die Promotion für die Türkei, wo der Film im Herbst anläuft. Darauf bin ich sehr gespannt.

Zunächst kommt "Almanya" aber nochmal nach Düsseldorf. Am 28. Juli läuft Ihr Film im Frankenheim-Open-Air-Kino. Kennen Sie das Kino?

Samdereli: Leider nicht. Düsseldorf aber schon. Als Teenager war ich früher öfter am Rheinufer und in der Altstadt. Besonders mochte ich die Lambertus-Kirche.

Dann könnten Sie doch jetzt mal wieder vorbeischauen.

Samdereli: Das würde ich tatsächlich gerne. Wir sind ja auch schon vom Kino eingeladen worden. Doch wir fliegen morgen zur Filmpräsentation nach New York.

Jutta Laege führte das Gespräch.