Zum Tode von Gottfried Arnold: Ein großer Verleger und Demokrat

Zum Tode von Gottfried Arnold: Ein großer Verleger und Demokrat

Die Rheinische Post trauert um Gottfried Arnold. Der Herausgeber und Ehrenvorsitzende des Aufsichtsrates starb im Alter von 82 Jahren. Als politischer Kopf hat er Zeitung und Mediengruppe über Jahrzehnte geprägt.

Die Freiheit der Presse und die Unabhängigkeit der Redaktion waren Gottfried Arnold heilig. Er war überzeugter Christ und überzeugender Demokrat. Seine Rolle als Herausgeber, Aufsichtsrat und Gesellschafter verstand er als Verpflichtung, Diener zu sein - zum Wohle der Rheinischen Post und des Unternehmens. Er lebte seine Verantwortung. Die offene Auseinandersetzung, in den Jahren als Bundestagsabgeordneter geübt, war ihm die liebste Form der Kommunikation.

1986 mit Johannes Rau. Foto: RP-Archiv/Frank Pierlings

Die Redaktion hat er geschätzt, den Redakteuren war er nahe, ohne bevormundend zu sein. Er wurde als Gesprächspartner gesucht, war kluger Vordenker und gefragter Moderator im Prozess der Meinungsbildung. Er nahm politische, wirtschaftliche und gesellschaftliche Fragen gleichermaßen auf und reflektierte sie. Dem Rheinland war er herzlich verbunden, dem Land Nordrhein-Westfalen gehörte sein besonderes Engagement, Deutschland verstand er als große Aufgabe. Sein Blick war ausgerichtet auf Europa, sein Interesse galt den Fragen der Welt.

Er war rheinischer Kosmopolit, weil er das rheinische Denken, die rheinische Heimat als Basis annahm für den gesellschaftlichen und politischen Diskurs. Er war uns Vorbild. Er war vielen Freund. Er war seiner Familie ein fürsorglicher Ehemann, Vater und Großvater. Er hat gelebt, wie man es sich nur wünscht - offen und zielstrebig, herzlich und bestimmt, ehrlich und durchsetzungsstark.

1988 mit Richard von Weizsäcker und Volontären. Foto: RP-Archiv/Frank Pierlings

Wenn der Verleger Gottfried Arnold das Pressehaus betrat, kam er, um zu reden. Das Gespräch war seine Form des Führens. Dabei konnte er vor allem eins: aufmerksam zuhören. Er bildete sich aus dem Aufgenommenen eine Meinung, brachte seine eigenen, differenzierten Ansätze ein und gab schließlich den Beteiligten das berechtigte Gefühl, gemeinsam etwas Gutes, Zielführendes entwickelt zu haben. Wer so führt, entscheidet im Konsens, ohne Imperativ, ohne Direktive, aber mit klaren Ansagen. Der geschichtsbewusste Gottfried Arnold, der Hitlers Nazi-Diktatur als Kind erlebte und im Nachkriegsdeutschland Schule und Studium abschloss, war geprägt von den Erfahrungen seiner Kindheit und Jugend. Von seinem Vater Karl Arnold, den er selbst als entschiedenen Gegner des Unrechts und der Gottlosigkeit beschrieb, lernte er, für politische Ziele, für Freiheit und Demokratie zu kämpfen. Er begleitete seinen Vater auf dessen politischem Weg als Oberbürgermeister von Düsseldorf und erster freigewählter Ministerpräsident des Landes Nordrhein-Westfalen. Er sah die Zeitung, die der Vater mit Anton Betz und Erich Wenderoth am 2. März 1946 gründete, als wesentlichen Beitrag zum geistig-moralischen Neuanfang und als Wegbegleiter und Förderer von Demokratie und Wiederaufbau. Diesem Auftrag der Gründer fühlte sich Arnold zutiefst verpflichtet. Er, der als Zwölfjähriger die Begeisterung des Vaters über die neue, freie, an christlichen Werten ausgerichtete Zeitung miterlebt hatte, sah zeitlebens die Rheinische Post als Stimme des Westens, die Orientierung bietet und Meinungsvielfalt ermöglicht. Auch die Zeitung sollte dazu beitragen, Menschen zusammenzuführen und Spaltungen zu überwinden - ganz wie es sich Karl Arnold 1946 erhofft hatte.

Wer Gottfried Arnold in seiner politischen Analyse erlebte, hörte klare Aussagen, faktenbasierte Einordnungen und deutliche Wertungen. Ob Merkel oder Obama, Kraft oder Kramp-Karrenbauer, Papst oder Putin - Gottfried Arnold ordnete Handeln und Handlungen so ein, dass eine anschließende Diskussion möglich war. Sein eigenes politisches Verständnis, geprägt von seiner Zeit als direkt gewählter Düsseldorfer CDU-Abgeordneter im Bonner Bundestag (1961 bis 1983), war auf Dialog ausgerichtet. Seine Feinfühligkeit der Sprache, sein Humor und seine Spitzfindigkeit haben manche Herausgeberkonferenz bestimmt. Wenn im Einzelfall Redakteure zur Selbstdarstellung neigten, führte er zur Sache zurück, ließ immer aber Meinungsunterschiede zu. Dabei war nie abschließend klar, ob er sich selbst eher dem rheinisch-konservativen Diskutanten oder dem liberal-bürgerlichen Lager zurechnete. Gottfried Arnold wollte redaktionelle Freiheit und garantierte sie, indem er Freiräume zuließ. Einer seiner geschätzten Analysten war ein bekennender Sozialdemokrat.

2005 mit Angela Merkel. Foto: Werner Gabriel

Von dieser Freizügigkeit in Entscheidung und Verantwortung profitierte auch der Verlag, dessen Geschäftsführung (wie die Redaktion) den eigenen Weg beschreiten konnte und sollte. Der promovierte Jurist Arnold kannte alle Regelwerke, sah in ihnen aber nur den Rahmen für eigenverantwortliches Handeln. Diesen Rahmen setzte er in Grundsatzfragen selbst. Seinem Vordenken ist zu verdanken, dass der Verlag zur Mediengruppe wurde, am früheren Sitz in der Düsseldorfer Innenstadt die Schadow Arkaden entstanden und das Düsseldorfer Druckzentrum auf der grünen Wiese an der A 52 reichlich Platz für eine zukunftsträchtige Entwicklung fand. Das Wachsen zur Mediengruppe - mit vielfältigen Beteiligungen, mit multimedialer Ausrichtung - ist seiner Überzeugungsarbeit geschuldet. Er hat die Gesellschafterstämme des großen Hauses geeint und auf das gemeinsame Ziel verpflichtet, Entwicklung und Unabhängigkeit von Zeitung und Verlag zu sichern. Gottfried Arnold hat den Übergang zur dritten Generation ermöglicht und erfolgreich gestaltet.

Seinen Halt fand Gottfried Arnold im Glauben und in seiner großen Familie. Mit ihr - mit seiner Frau Irene, mit den Kindern und neun Enkeln - hat er ganz bewusst das Weihnachtsfest gefeiert und Abschied genommen. Seiner Familie war er bis zuletzt nahe.

Sein Vermächtnis gilt der Zeitung. Sie soll, so schrieb er einmal, "bestrebt sein, einer suchenden Gesellschaft Teilhabe am Wissen unserer Zeit zu verschaffen". Es ist unsere Verantwortung, diesem Vermächtnis die Treue zu bewahren.

von Michael Bröcker, Horst Thoren und Stefan Weigel — für die Redaktion.

(RP)
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