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Düsseldorf: Ein Fotograf porträtiert Wohnungslose

Düsseldorf : Ein Fotograf porträtiert Wohnungslose

Der Düsseldorfer Künstler Alexander Basta hat in einer Begegnungsstätte der Diakonie Bilder von 33 Frauen und Männern gemacht.

Tamara ist jung, trägt Lidstrich und ist tätowiert. Mahai ist auf einem Auge blind und spielt Mundharmonika. Vasile kennt man nur in Anzug und Krawatte, in seinem ersten Leben war er Chemiker in Rumänien. So unterschiedlich ihre Biografien sind, eines haben sie gemeinsam: Sie alle sind Wohnungslose, leben auf der untersten Stufe der Gesellschaft. Der Düsseldorfer Fotograf Alexander Basta ist ihnen mit seiner Kamera nahe gerückt. Das Ergebnis dieser Begegnungen sind 33 intime Porträts, die von morgen an in der Johanneskirche zu sehen sind. Bilder von Menschen, über die man sonst so leicht hinwegsehen kann, jetzt sind sie mitten ins Zentrum gerückt.

 Ihre intensive Ausstrahlung wurde im Bild festgehalten: Britta.
Ihre intensive Ausstrahlung wurde im Bild festgehalten: Britta. Foto: Alexander Basta

Gesichter zu fotografieren ist seine Spezialität. Immer mit seiner Großbildkamera, die noch aus vor-digitaler Zeit stammt. Und Basta unter einem schwarzen Tuch verborgen, wie früher, als Fotos noch nicht mit jedem Handyklick auf die Schnelle möglich waren. "Das klingt vielleicht verschroben", meint der 50-Jährige, aber das sei nun mal seine Handschrift. "So bin ich gezwungen, langsamer zu arbeiten, aber auch besonders sorgfältig."

 Auffällige Haarpracht, heiterer Blick: Reinhard.
Auffällige Haarpracht, heiterer Blick: Reinhard. Foto: Alexander Basta
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Auf diese Weise hat Alexander Basta in den letzten 20 Jahren unzählige Male auf den Auslöser gedrückt, hat vor allem prominente Menschen von Peter Ustinov bis Isabella Rosselini in intensiven Momenten fixiert - immer in Schwarz-Weiß. Auch in der Tonhalle sind seine eindringlichen Porträts zu sehen, von dem lächelnden Kurt Masur, dem ernsten Daniel Barenboim, und von Hermann van Veen mit niedergeschlagenen Lidern. "Das zeigt den Mönch hinterm Clown", kommentiert Basta. Oft entstanden seine Fotos direkt nach einem Auftritt, so spiegelt der Ausdruck der Gesichter starke Emotionen.

Doch schon seit langem regte sich in ihm der Wunsch nach Menschenbildern "vom anderen Ende der Gesellschaft." Zufall, dass sein Atelier in der Nachbarschaft von "Pur" ist, der Begegnungsstätte der Diakonie für Wohnungslose. Zufall, dass sich deren Leiter Christian Heynen ein besonderes Projekt zum zehnjährigen Bestehen dieses Ortes wünschte. Zufall, dass die Managerin eines Hotels "Pur" jeden Tag die vom Frühstücksbuffet übrig gebliebenen Brötchen mit Aufschnitt liefert und andererseits Alexander Basta seit langem kennt. So kam der Kontakt zustande. Von nun an war der Fotograf ständiger Gast im "Pur", und beim gemeinsamen Löffeln der Mittagssuppe ließ sich anfängliche Skepsis überwinden.

Schließlich waren 33 Menschen bereit, sich fotografieren zu lassen. Nicht im Atelier, sondern gleich an Ort und Stelle und so, wie sie waren: Junge und Alte, Männer und Frauen, Gesichter, in die das Leben Spuren gegraben hat. Welches Leben? Die Fotos machen neugierig auf die Biografien hinter den Mienen. Die sind oft ernst, nachdenklich, der Blick mal offen, mal nach innen gerichtet.

Nur eine strahlt in die Kamera: Gloria, eine dunkelhäutige Schönheit. Welches Leben mag sie führen? Je länger man hinschaut, desto mehr wird die Fantasie beflügelt: Philip könnte Jazzmusiker sein, Britta mit ihrer intensiven Ausstrahlung ("Lach und der Tag ist dein") Schauspielerin und Reinhard mit seiner weißen Haarpracht und seinem heiteren Blick vielleicht ein berühmter Autor. Wer weiß schon, dass er meist seine ganze Habe in einem Einkaufswagen vor sich her schiebt und auch im Sommer einen Wintermantel trägt?

Jeden seiner Porträtierten hat Alexander Basta um sein Lebensmotto gebeten, sie sind nun die einzigen Informationen zu den Fotos. Aber mehr muss man auch gar nicht wissen, die Eindringlichkeit dieser Menschenbilder wirkt ohne Worte: Seelenporträts. Einige dieser Gesichter wird man lange nicht vergessen. Basta sagt, er wollte die Menschen erspüren, alles Unwichtige weglassen. Einer von ihnen hat ihm das schönste Kompliment gemacht: "Alexander, du hast uns unsere Würde wieder gegeben."

(RP)