Düsseldorf: „Ein Fall für den Staatsanwalt“

Düsseldorf: „Ein Fall für den Staatsanwalt“

Der Skandal um die Kostenexplosion der Burg-Wächter-Castello-Halle schlägt hohe Wellen. Wirtschaftsprüfer nehmen 180 Verwaltungsakten unter die Lupe. Im Stadtrat wird eine Übernahme der Sporthalle erwogen.

Reisholz Als die Nachricht kürzlich im Stadtrat öffentlich wurde, standen Politiker aller Fraktionen mit geöffneten Mündern da. „Ich war sehr überrascht, ja erschrocken“, sagt Heinz-Leo Schuth, CDU-Ratsherr und Vorsteher des Stadtbezirks 9. Sein Ratskollege Manfred Abels (SPD) geht noch einen Schritt weiter: „Das ist ein Fall für die Staatsanwaltschaft.“

Was war geschehen? Die Ratspolitiker hatten erfahren, dass der 2005 abgeschlossene Bau der Reisholzer Mehrzweckhalle, die inzwischen nach einem Sponsor benannt „Burg-Wächter-Castello“ heißt, statt der veranschlagten 18,7 Millionen Euro insgesamt 28 Millionen gekostet hat. Der Bauträger, der Sportverein der Freien Christlichen Schule Düsseldorf (FCSD), will nun die Stadt zur Kasse bitten: Auf die vertraglich vereinbarte eine Million Euro Jahresmiete soll der Kämmerer nun weitere 325 000 Euro drauflegen. Selten waren sich Ratspolitiker aller Parteien so einig: Sie lehnten die Vorlage der Verwaltung umgehend ab.

Nur falsch gerechnet?

Nun wurden externe Wirtschaftsprüfer beauftragt, rund 180 städtische Akten durchzusehen. Die Fragen lauten: Wie konnte es zu einer so horrenden Misskalkulation kommen? Und: Hätte die Verwaltung das Finanzierungs-Desaster des privaten christlichen Trägervereins nicht absehen können? Für SPD-Politiker Abels, der den städtischen Bauausschuss stellvertretend leitet, ist klar: „Da ist quer finanziert worden.“ Gleich neben der Sporthalle an der Buchenstraße baut die Freie Christliche Schule ein Schulgebäude, in das die derzeit an der Fürstenberger Straße unterrichteten Schüler möglichst bald umziehen sollen.

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Dass sich Bauherr oder Baufirmen so heftig verkalkuliert haben, hält Abels als gelernter Vermessungstechniker und Chef der Immobilienabteilung der Neuss-Düsseldorfer Häfen, für unwahrscheinlich. „Das hat offenbar mit Veruntreuung von Geldern zu tun.“ Schuld bei der Verwaltung sieht er aber nicht: „Die Aufsicht über Privatschulen liegt bei der Bezirksregierung.“

Wolfgang Frommann, Vorsitzender des Trägervereins Freie Christliche Schule (FCSD), weist den Verdacht einer „Querfinanzierung“ mit Nachdruck zurück, wollte sich aber gegenüber unserer Zeitung zu den Vorwürfen und dem weiteren Verfahren sonst nicht äußern. „Die Sache liegt nun beim Stadtrat.“

Dort gibt es eine klare Tendenz: Der Sportbetrieb im „Castello“ muss weitergehen. Die Sporthalle mit mehr als 3000 Plätzen wird inzwischen ausgiebig von Düsseldorfer Vereinen wie dem Handball-Bundesligisten HSG, dem Tischtennis-Bundesligisten „Borussia“ und dem Basketball-Zweitligisten „Magics“ genutzt. Titelkämpfe um Boxweltmeisterschaften flimmerten deutschlandweit über TV-Bildschirme.

„Die Halle ist ein Riesengewinn für den Düsseldorfer Süden, ein Aushängeschild“, betont CDU-Ratsherr Klaus Mauersberger. Ebenso wie Abel hält er eine Übernahme der Halle durch die Stadt für sinnvoll, um sie dann in Eigenregie zu führen. In Form einer Public-Privat-Partnership hatte die Stadt der Schule das Baugrundstück überlassen und sich zur Zahlung einer Jahresmiete verpflichtet. KOMMENTAR

(RP)
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