Düsseldorf: Ein "Bügeleisenhaus" für Pempelfort

Düsseldorf: Ein "Bügeleisenhaus" für Pempelfort

Architekt Caspar Schmitz-Morkramer hat am Quartier Central ein außergewöhnliches Konzept umgesetzt. Er bezieht sich auf das "Flatiron Building" an der Kreuzung von Fifth Avenue und Broadway in New York.

Eines der schönsten Düsseldorfer Wohnprojekte der vergangenen Jahre ist in diesen Tagen am Quartier Central in Pempelfort fertiggestellt worden. Wer sich für Architektur interessiert und an der Schinkelstraße spazieren geht, wird an der Ecke zur Schirmerstraße stehen bleiben und sich fragen: Das kenne ich doch?

Spitzwinklig läuft dort ein Neubau auf die Ecke des Grundstücks zu, dreieckig mit abgerundeten Fenstern und Klinkersteinen, setzt das Gebäude ein Ausrufezeichen. Ein Architektur-Signet, wie man es seit mehr als 100 Jahren aus New York City kennt - vom "Flatiron Building" an der Kreuzung von Fifth Avenue und Broadway, dem weltberühmten "Bügeleisenhaus", dessen Fassade an der Spitze nur zwei Meter breit ist, obwohl das Gebäude 91 Meter misst.

Ein bloßer Nachbau wäre für einen Architekten mit Anspruch allerdings keine Option. Caspar Schmitz-Morkramer erweist der New Yorker Ikone, die er bereits als 16-jähriger Austauschschüler bewunderte, seine Reverenz, aber er betont auch die vielen Unterschiede. "Das Flatiron hat 22 Geschosse, wir fünf und ein Staffelgeschoss. Es teilt sich mit Sockel, Hauptteil und Dach in Zonen ein, unser Flatiron nicht. Dort ist Naturstein verbaut worden, hier Klinker." Schmitz-Morkramer, der kein Freund der vielen historisierenden Neubauten in der Landeshauptstadt ist, sieht seinen Entwurf deswegen "eher als starke Interpretation eines großen Vorbilds". Die Assoziation mit dem New Yorker Gebäude laufe in erster Linie über die Form.

Aber es geht an der Schirmerstraße nicht um ein einziges Gebäude. Das Projekt "New York - The Village" gliedert sich in fünf Abschnitte mit insgesamt 55 Wohnungen. Einer ist das keilförmige "Flatiron", daneben beginnen die Abschnitte, die nach Stadtteilen von Manhattan benannt sind: das "Soho" mit hellerem Rotklinker-Ton und großen Stichbogenfenstern, das eher industrielle "Tribeca" mit seinem dunkelgrauen rauen Klinker, das feine "Chelsea" steuert mit seinem sandfarbenen Aussehen helle Töne bei. Gegenstück und Klammer zum "Flatiron" ist am anderen Ende des Komplexes das "Greenwich Village", ebenfalls mit grauem Klinker bestückt. So unterscheiden sich die die Elemente deutlich voneinander, auch durch unterschiedliche Fassadengliederungen, die mal horizontal, mal vertikal ausfallen.

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Der Rundgang um den Komplex, der keine Rückseiten hat, offenbart viel Liebe zum Detail. Bei den Balkonen, die bis zu 27 Quadratmeter groß sind, erzeugen Stahlträger am Beton im Zusammenspiel mit dunklen Fensterrahmen und Edelstahlelemente den gewünschten ruppigen Charme von Lower Manhattan. In den Treppenhäusern setzen unter anderem Fliesen der New Yorker Metro und schwarz-emaillierte Hängelampen den äußeren Eindruck fort. "Insgesamt ging es uns bei der Gestaltung um das, was wir am Stadtleben lieben - die Heterogenität", sagt der Planer.

Schmitz-Morkramer ist zufrieden, wie es ein Architekt nur sein kann. Dass er mehrfach seinen Bauherren Patrick Klotzbach lobt, ist nicht allein professioneller Höflichkeit geschuldet, sondern vielmehr Anerkennung dafür, dass dieser die vielen Ideen und Materialien mitgetragen und auch finanziert hat. Individuell für die "runden Ecken" geformten Klinker vom dänischen Spitzenhersteller Petersen sind gleich vier Mal so teuer wie Standardware, Naturstein im Treppenhaus trägt auch nicht jeder Investor mit. "Der Mann ist ein Überzeugungstäter", sagt Schmitz-Morkramer.

Klotzbach habe vor fünf Jahren einen Entwurf für das 7000 Quadratmeter große Areal gehabt, sei aber nicht zufrieden gewesen. Dann habe er Schmitz-Morkramer angesprochen und das Thema New York vorgeschlagen - als Idee, die zu dieser Pempelforter Ecke passe. "Wir wollten die Verbindung schaffen zur industriellen Vergangenheit und dem Charme der Jahrhundertwende, wie er rund um die Schinkelstraße mit den vielen Altbauten zu erleben ist. Wir sind in jeden Hinterhof gelaufen und haben Fotos gemacht." Zu den Neubauten des Quartier Central verhalte man sich also wie ein Scharnier.

Vertriebswerbung benötigt das "Village" nicht. Bis auf zwei sind alle Wohnungen verkauft, der Quadratmeterpreis lag zwischen 4300 und 5900 Euro. Das dürfte auch daran liegen, dass alle Wohnungen drei Meter hohe Decken haben, zudem sind sie 140 bis 270 Quadratmeter groß und verbreiten mit offenen Grundrissen den heute so begehrten Loftcharakter.

(RP)
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