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Kolumne "Rund ums Rathaus": Ehrliche Meinung - nicht vor Wahlen

Kolumne "Rund ums Rathaus" : Ehrliche Meinung - nicht vor Wahlen

SPD-OB-Kandidat Geisel spricht sich für Fracking aus und steht damit alleine da.

Ob es Panikmache ist oder vom Fracking tatsächlich eine Gefahr für die Gesundheit ausgeht, müssen wohl Wissenschaftler beurteilen. Interessant ist jedoch, wie die aktuelle Debatte die Mechanismen der Politik freilegt. Oberstes Gebot: Ehrliche Meinung und Sachverstand sind erwünscht, aber bitte nicht, wenn es um Unpopuläres geht — und auf gar keinen Fall kurz vor Wahlen.

Diese Erfahrung muss zurzeit der OB-Kandidat der SPD, Thomas Geisel, machen. Sein Fehler: Er spricht sich für einen Testbetrieb von Fracking aus — und steht mit dieser Meinung weitgehend alleine da. Nun ist es so, dass Geisel viele Jahre als Manager für Energiekonzerne gearbeitet hat, zuletzt für Eon-Ruhrgas. Nun kann man ihm diese Nähe vorwerfen, ihn als Lobbyisten der Energiekonzerne beschimpfen.

Wobei man betonen muss, dass Fracking bei Eon keine Rolle spielt. Es könnte aber auch so sein, dass Geisel Fachwissen besitzt, das die Politik um ihn herum einfach nicht hat. Er sei viel international unterwegs gewesen, betont Geisel, und wisse deshalb, dass sich seit den Anfangstagen des Frackings viel zum Besseren geändert habe, dass die Technologie nun viel sicherer sei. Das zu überprüfen, ist Sache der Experten.

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Aber wahr ist auch: Was wäre gewesen, wenn der frühere Eon-Mann sich gegen Fracking ausgesprochen hätte? Man hätte es ihm wohl nicht abgenommen, sondern vermutlich als Wahlkampf-Weichspülerei abgetan. Insofern muss man Geisel für seinen Mut loben, bei einem unpopulären Thema gegen den allgemeinen Strom die eigene und ehrliche Meinung zu vertreten. Und man darf tatsächlich gespannt sein, ob alle aus CDU und FDP, die sich jetzt dagegen aussprechen, diese Position auch nach der Wahl so halten.

Strategisch ist Geisels Ehrlichkeit dennoch ungeschickt. Zum einen stellt er sich auf nahezu allen Ebenen gegen seine Partei: Landeschefin Hannelore Kraft lehnt Fracking ebenso ab wie die Ratsfraktion und die Düsseldorfer SPD. Die Wahlkämpfer in den eigenen Reihen sind deshalb alles andere als amüsiert über diesen Alleingang ihres Kandidaten. Die Grünen — konsequenteste Gegner von Fracking — danken für das Wahlkampfgeschenk und versprechen, keinen Kandidaten zu unterstützen, der sich dafür ausspricht. Sollte es zu einer Stichwahl kommen, würde das Geisel sicherlich den Sieg kosten.

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Hier geht es zur Infostrecke: Umstrittene Energiegewinnung: So funktioniert Fracking

(RP)