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Ehrenamtliche Lebensbegleiter in Düsseldorf

Altern in Düsseldorf : Sterbende zu begleiten, kann bereichern

Dagmar Bedei und Helga Wehrmann besuchen als ehrenamtliche Lebensbegleiterinnen sterbenskranke Menschen in Düsseldorf.

„Meine Mutter hatte große Angst, allein zu sterben, deshalb wollte ich gerne, dass so oft es ging, jemand bei ihr ist“, erzählt Gabriele Ritter. Als ihr eine Mitarbeiterin des Pflege- und Altenheims Gerricusstift, in dem die hochbetagte Mutter lebt, den Tipp gibt, bei einem Hospizdienst anzufragen, ist das für Gabriele Ritter neu: „Ich dachte, Sterbebegleiter kommen nur nach Hause und nicht in ein Pflegeheim.“

Auf Vermittlung der Ökumenischen Hospizgruppe Gerresheim (ÖHG) bietet kurz darauf Dagmar Bedei, eine von derzeit 31 Ehrenamtlichen der Hospizgruppe, ihre Unterstützung an. Von da an besucht sie die bettlägerige und manchmal kaum noch ansprechbare Mutter regelmäßig. Für Ritter ist der Einsatz eine enorme Erleichterung: „Das hat meiner Mutter sehr geholfen, weil sie trotz allen Leidens am Leben hing, und es hat auch mir sehr geholfen.“

Während der 18-monatigen Begleitungszeit tauscht sich die 66-jährige Tochter der schwer kranken Gerricusstift-Bewohnerin oft mit Dagmar Bedei aus und ändert durch ihr Vorbild auch ihr eigenes Verhalten. Anstatt wie zuvor meist geschäftig das Zimmer ihrer Mutter aufzuräumen und dabei mit ihr zu sprechen, setzt sich Ritter nun immer öfter an das Bett ihrer Mutter und hält ihre Hand.

„Es ist bereichernd, wenn man helfen kann“, beschreibt Dagmar Bedei ihre Motivation, sich in ihrer Freizeit als Sterbebegleiterin für andere Menschen einzusetzen. „Und man bekommt von allen Beteiligten etwas wieder“, ergänzt die 60-jährige Gerresheimerin, die sich während einer Begleitung oft „zur Familie gehörend“ fühlt.

Zwei schwere Schicksalschläge sind es, die sie 2016 zur ÖHG führen: Drei Jahre zuvor starben ihr Mann und ihre Mutter. „Ich hätte mir damals gewünscht, solche Hilfe zu bekommen“, so Dagmar Bedei. „Die meisten Angehörigen sind sehr froh, wenn sie dank unserer ehrenamtlichen Mitarbeiter etwas Zeit für sich geschenkt bekommen, um einen Spaziergang zu machen oder sich mit Freunden treffen zu können“, weiß Elisabeth Siemer, Koordinatorin der ÖHG. Sie spricht lieber von „Lebensbegleiter“ als von „Sterbebegleiter“, denn die von ihnen betreuten Menschen „haben ja ein Leben vor dem Tod“.

Helga Wehrmann hat vor zwanzig Jahren bei der ÖHG angefangen. „Der Pfarrer der evangelischen Kirche Gerresheim fragte mich damals, ob das nicht etwas für mich sei“, erzählt die fröhliche 77-Jährige und bestätigt voller Überzeugung: „Und es war auch etwas für mich.“

Wegen einer neuen beruflichen Tätigkeit setzte sie zwar zwischendurch einige Zeit aus, aber seit zwölf Jahren ist sie durchgehend mit Herzblut bei der Sache: „Ich möchte gerne Menschen auf ihrem letzten Weg begleiten und Gutes tun.“ Oft geht sie im Gerricusstift ein und aus. Deren Bewohner kennen sie und ihre lockere Art inzwischen so gut, dass sie Helga Wehrmann im vergangenen Jahr sogar in den Bewohnerbeirat wählten. „Das Haus ist mir ein kleines Stück Heimat geworden“, sagt Wehrmann.

Nicole Vetten vom Sozialen Dienst des Gerricusstifts ist sehr dankbar für die Unterstützung durch die ÖHG, die stets mit sechs bis acht Ehrenamtlern in dem Pflegeheim vertreten ist. Auch sie und ihre Kolleginnen vom Sozialen Dienst begleiten sterbende Bewohner – dafür steht zum Beispiel jedem Wohnbereich ein eigener Koffer gefüllt mit Kerzen, CDs, Duftöl, Blütenblättern, Gebeten und einem Kreuz zur Verfügung. Doch seien die zeitlichen Ressourcen einfach begrenzt, so Vetten. Gerade wenn es um längere Begleitungen gehe, sei es gut, wenn zusätzlich eine außenstehende Person für den Bewohner da sei.

Besonders verständnisvoll kann Helga Wehrmann mit Menschen mit Demenz umgehen. „Ich glaube, ich kann einfach gut in deren Welt einsteigen.“ Bei einer Fortbildung habe sie viel über den Umgang mit demenziell veränderten Menschen gelernt. Überhaupt sind ihr die regelmäßigen Fortbildungen, die Supervision und die monatlichen Treffen in der Gruppe wichtig. Vor sechs Jahren starb Helga Wehrmanns Sohn und sie ist überzeugt, dass sie diese schlimme Zeit dank ihrer Ausbildung zur Lebensbegleiterin besser durchgestanden hat.

Und wie gelingt es ihr, den Tod der von ihr begleiteten Menschen nicht so nah an sich ranzulassen? Sie sei schon oft traurig, gibt Helga Wehrmann zu. Insbesondere, wenn Menschen ganz plötzlich sterben. Doch zum einen werde sie in der Ökumenischen Hospizgruppe professionell aufgefangen und zum anderen sei es dann auch gut, dass der Betroffene es endlich geschafft habe und nicht mehr leiden müsse.