Düsseldorf: "Ehe für alle" bisher kaum gefragt

Düsseldorf : "Ehe für alle" bisher kaum gefragt

Ab dem 1. Oktober können gleichgeschlechtliche Paare in Deutschland heiraten.

Lange kämpften die homosexuellen Einwohner in Düsseldorf und ganz Deutschland für die gleichgeschlechtliche Ehe. Ab dem 1. Oktober ist sie für die Bürger jetzt möglich. Ein entsprechendes Gesetz hatte Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier im Juli unterschrieben.

In Düsseldorf bleibt der erwartete Ansturm aber noch aus. "Es hält sich bei uns in Grenzen. Wir haben insgesamt 53 Anmeldungen für die homosexuelle Eheschließung", erklärt Klaus Bachtenkirch, Vorsitzender des Standesamtes Düsseldorf. Er sei wirklich erstaunt, wie wenige es bislang nur sind. Mit einem regelrechten Ansturm wurde zunächst gerechnet.

Dass die Anfrage sich noch im Rahmen hält, ist für ihn kein schlechtes Zeichen. "Ich habe von vielen Paaren gehört, dass sie noch den kommenden Frühling abwarten möchten", sagt Bachtenkirch. Ein weiterer Grund sei, dass viele Partner bereits in einer eingetragenen Lebensgemeinschaft leben. "Diese Paare möchten überhaupt nicht heiraten. Sie schauen auf ihre tollen Feiern zurück."

Die Schließung der gleichgeschlechtlichen Ehe sei zudem kein einfaches Umschreiben, die Paare müssen sich erneut richtig anmelden und alle Unterlagen für eine Hochzeit einreichen. "Theoretisch wird das gesamte Verfahren wiederholt", erläutert der Standesbeamte. Von den 53 Anmeldungen für Oktober trifft dies auf 30 Paare zu, die übrigen 23 schließen ihre erste Ehe.

Für diese 30 Partner gibt es beim Standesamt in Düsseldorf zwei Möglichkeiten: "Die erneute Trauung wird auf jeden Fall wieder im Trausaal durchgeführt", erklärt Bachtenkirch, "wenn dann alle Formalitäten geklärt sind, können wir die Eheschließung schnell durchziehen, bieten aber auch eine komplette Ansprache mit allem, was dazu gehört".

Ganz unglücklich ist Bachtenkirch über den schleppenden Anmeldeverlauf nicht: "Wenn sich alle auf einmal angemeldet hätten, würden wir hier ja auch zusammenbrechen", sagt er. Lange Wartezeiten und Verzögerungen bei der Bearbeitung wären Folgen gewesen. "Aber bislang ist bei uns alles sehr entspannt", erklärt der Standesbeamte. "So können wir alle geplanten Termine einhalten, und die Paare brauchen keinen Grund zur Sorge zu haben."

Trotzdem warnt Bachtenkirch: "Die Anmeldungen können täglich mehr werden." Das liege daran, dass es in Düsseldorf mehr als 1000 homosexuelle Paare gibt, die von dem neuen Gesetz betroffen sind. Auf der anderen Rheinseite sind es sogar noch mehr: "Köln ist die Hochburg, da sind es knapp 4000 Paare. Da wird bestimmt noch einiges mehr los sein", sagt Bachtenkirch.

(se)