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Ed Sheeran in Düsseldorf: Lebensqualität für die Stadt

Kolumne: Die Woche in Düsseldorf : Warum Ed Sheeran die Lebensqualität steigert

Über das Open-Air-Konzert wird inzwischen geredet, als ginge es um ein Jahr Dauerregen. Dabei ist es ein wichtiges Stück Lebensqualität, dass Düsseldorf so viel zu bieten hat.

Die Liste der Beschwerden über das Ed-Sheeran-Konzert ist sehr lang geworden. Die Baumschutzgruppe kritisiert das Aus für rund 100 Bäume, die Anwohner der rund ein Kilometer entfernten Siedlungen fürchten Lärm. Die Kleingärtner sind in Sorge vor Wildpinklern, die Bezirksvertretung sorgt sich vor Verkehrschaos.

Und Teile des Stadtrats fühlen sich wieder von Oberbürgermeister Thomas Geisel (SPD) übergangen - trotz des Dämpfers wegen der ähnlich kurzfristig geholten Tour de France. Nach anfänglicher Euphorie sorgt die Ankündigung, dass der Weltstar sein für 22. Juli terminiertes Konzert nach Düsseldorf verlegt, für eine Stimmung, als ginge es um ein Jahr Dauerregen.

Schade. Natürlich habe solche Konzerte auch Nachteile. Aber die Idee des neuen Open-Air-Geländes hat Charme. Niemand will ein Biotop trockenlegen. Sheeran soll auf einer großteils asphaltierten Fläche auf dem Messeparkplatz P1 auftreten, auf der sonst Schwertransporter parken. Die nächsten Anwohner sind für Düsseldorfer Verhältnisse weit weg. Und das Messe-Gelände ist so gut angebunden wie keine andere Stelle der Stadt. Wenn Düsseldorf eine neue Konzertfläche bieten will, findet sich keine bessere.

Vorher muss - natürlich! - sichergestellt werden, dass es keine unüberbrückbaren Hindernisse gibt. Wenn die Grünen eine sorgfältige Prüfung fordern, wird ihnen niemand widersprechen. Und sicher haben die Anwohner das Recht, dass ihre Interessen nicht zu stark strapaziert werden, nicht zuletzt angesichts des lauten Flughafens. Dafür gibt es das Genehmigungsverfahren. Es wurden sogar auch schon 60 Bäume umgepflanzt, damit diese nicht gefällt werden müssen.

Aber das Leben in einer der am dichtesten besiedelten deutschen Städte bedeutet eben auch, dass jeder Einschränkungen ertragen muss. Das betrifft auch Veranstaltungen. Wenn die Großmesse "Drupa" läuft, bedeutet das für die meisten Düsseldorfer nur Staus und überfüllte Restaurants. Der (am Sonntag anstehende) Marathon ist ein Horror an Sperrungen. Und eine U-Bahn-Fahrt mit angeheiterten Fortuna-Fans ist nicht in jeder Lebenslage ein Hauptgewinn.

Soll man deshalb alles absagen? Nein. Dass Düsseldorf trotz Lärm, Stau und Enge bei Umfragen zur Lebensqualität stets oben mitspielt, liegt auch daran, dass die Stadt so viel zu bieten hat - ihren Anwohnern und den Menschen aus dem Umland. Woanders spielen Rolling-Stones-Coverbands, nach Düsseldorf kommen die Rolling Stones. Düsseldorf hat Karneval, Japan-Tag und Rheinkirmes. Sogar Helene Fischer zeichnet hier ihre Weihnachtshow auf.

Man muss nicht hingehen, aber es ist doch schön, dass man könnte. Dahinter steckt eine Infrastruktur, die es fast nirgendwo sonst gibt - siehe das Chaos um das gestrichene Ed-Sheeran-Konzert in Essen/Mülheim. Düsseldorf wurde kürzlich sogar als bestgeeigneter Spielort für eine Fußball-EM in ganz NRW gekürt. Das ist ein Standortfaktor, der verpflichtet. Die neue Fläche lässt auf die größten Namen des Musikgeschäfts hoffen.

Sie sollte nicht daran scheitern, dass die Stadtspitze wieder Fingerspitzengefühl vermissen lässt. Wenn 85.000 Menschen gemeinsam einen Sommerabend verbringen, von dem sie im besten Fall noch lange schwärmen werden, ist das viel wert. Schade, dass das in der Debatte kaum eine Rolle spielt.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Das ist Ed Sheeran

(RP)