Auszeichnung: "Echo Klassik" geht nach Düsseldorf-Heerdt

Auszeichnung: "Echo Klassik" geht nach Düsseldorf-Heerdt

Das Düsseldorfer Schallplatten-Label "Cybele" von Ingo Schmidt-Lucas und seiner Ehefrau Mirjam Wiesemann zählt zu den kleinen und feinen Firmen der Republik. Audiophile und Raritäten-Fans werden hier bestens bedient.

Der Sitz des Labels "Cybele Records" liegt im Stadtteil Heerdt. Die Besucherin, die sich zum Gespräch mit dem Kernteam des Unternehmens verabredet hat, steht irritiert vor einem unscheinbaren Reihenhaus. Nanu, kann das sein?

Doch die Adresse stimmt. Hier also residiert tatsächlich das kleine, feine Label "Cybele" gemeinsam mit Familie Schmidt-Lucas. Ingo Schmidt-Lucas und seine Frau Mirjam Wiesemann empfangen gut aufgelegt am Küchentisch, Tochter Tara huscht gelegentlich vorbei. Leben und Arbeiten sind hier eins. Gearbeitet wird aber nicht am Küchentisch, sondern vor allem da, wo sich in den benachbarten Häusern Weinflaschen stapeln und Gartenmöbel den Winterschlaf verbringen: im Keller. Dort tun sich unvermutet zwei auf dem allerfeinsten Stand der Technik eingerichtete Tonstudios und ein klimatisierter Raum für aufwändiges EDV-Equipment auf. Nichts lenkt hier ab.

Während seines Studium zum Ton- und Bildingenieur an der Robert-Schumann-Hochschule gründete Ingo Schmidt-Lucas 1994 das Labels "Cybele". Damals hatte er gleich im Sinn, Neue Musik, Literatur und Nischenrepertoire der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Darüber hinaus wollte er dazu beitragen, durch entstaubte Neueinspielungen auch Klassiker wieder neu zu hören. In den 15 Jahren seines Bestehens kreist der Geist des Labels in alle Richtungen um das Abseitige, Experimentelle, Versteckte, Vergessene und das Nagelneue, das sperrig scheint.

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Umso erstaunlicher, dass "Cybele" vor wenigen Tagen mit dem Echo Klassik ausgezeichnet wurde. Die Trophäen der Deutschen Phono-Akademie wurden in 21 Kategorien an 59 Preisträger verliehen, unter denen sich die üblichen Verdächtigen des Klassik-Zirkus tummelten. Aber auch "Cybele" mit der wundersamen Hörbuch Produktion, "Die Prinzessin — Kindergeschichten, geschrieben und gesprochen von Arnold Schönberg".

Die Hörbuchreihe des Labels wurde vor genau fünf Jahren gegründet und wird von Schmidt-Lucas' Ehefrau Mirjam geleitet. "Wollen Sie meinen Privat- oder meinen Künstlernamen verwenden?" fragt sie, deren Künstlername Wiesemann ihr Mädchenname war. Als Tochter von Bernd Wiesemann — einem der rührigsten Avantgarde-Apologeten vor Ort — hat sie die Neue Musik gleichsam mit der Muttermilch aufgesogen. Und hatte sich, indem sie eine Karriere als Schauspielerin begann, davon ganz bewusst gerade ein wenig distanziert, als sie ihren zukünftigen Ehemann kennen lernte und damit wieder heimkehrte zur Neuen Musik. Es sollte wohl so sein.

Ein weiteres Erkennungsmerkmal des Labels ist der technische Anspruch, der sich mit der herkömmlichen CD-Qualität nicht zufrieden gibt. Im Studio legt Schmidt-Lucas die "Goldberg-Variationen" auf, aufgenommen in der Dresdner Hofkirche, an der Silbermann-Orgel Martin Schmeding. Zum Vergleich schaltet er um auf das handelsübliche CD-Hörerlebnis, dann dreht er den Super-Audio-CD-Ton an. Plötzlich klingt es so, als sitze man in Dresden auf der Kirchenbank, so räumlich und differenziert ist der Klang. Bei "Cybele" sind alle Aufnahmen in dieser Technik produziert. Auch bei den Hörbüchern ermöglicht sie Technik ein räumliches Hörerlebnis, das dem eines Theaterbesuchs gleicht.

(RP)
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