Riesenbaustelle in Düsseldorf: Durchblick nach Tausendfüßler-Abriss

Riesenbaustelle in Düsseldorf : Durchblick nach Tausendfüßler-Abriss

Ohne die Hochstraße, die fünf Jahrzehnte die Düsseldorfer Innenstadt prägte, wird deutlich, wie viel Raum sie eingenommen hat. Über die Trümmer hinweg ergeben sich neue Seherlebnisse. Das fasziniert jeden Tag viele Bürger.

Der Tausendfüßler liegt in Trümmern. Nur noch ein paar der Y-förmigen Pfeiler ragen in die Höhe. Mancher meint, so wie Leser Günter Cammans aus Hilden, man sollte einen davon als Erinnerung an die Hochstraße stehenlassen. Der Abriss, der sich über einige Wochen hinzog, aber auch die aktuelle Situation locken jeden Tag Dutzende Schaulustige an die Bauzäune. Einige trauern dem Tausendfüßler nach, andere freuen sich auf die Neugestaltung der Innenstadt.

Zu sehen gibt es jedenfalls immer etwas. Denn über die Trümmerberge hinweg wird nun erst deutlich, wie groß das Brückenbauwerk war und wie viel Raum jetzt frei geworden ist. "Man sieht die Stadt mit anderen Augen", sagt Karl-Heinz Kehlenbach. Er findet "toll, dass es hier mal grün wird". Damit meint er die Reihe aus 300 Platanen, die von der Schadowstraße bis zur Johanneskirche gepflanzt werden soll. Dann wird nur noch die Straßenbahn durchfahren. Kehlenbach blickt vom Rand der Schadow Arkaden in Richtung Immermannstraße, Börse und IHK. Das war vor wenigen Wochen so nicht möglich. Die Abfahrtrampen und die Spreizung der Hochstraße, die sogenannte Trompete, versperrten den Durchblick. Die Trompete und die Rampen gehörten zu den letzten Stücken, die die Stadt abreißen ließ.

Kulisse wird sich ändern

Auch der Blick aus der Gegenrichtung ist noch ungewohnt: Von der Ecke Immermannstraße/ Berliner Allee aus wirken die Fassaden der umliegenden Gebäude viel präsenter. Nicht jede davon ist so schön wie die des Bekleidungsunternehmens P & C oder des denkmalgeschützten Dreischeibenhauses, das nun in der Straßenflucht klarer als zuvor hervorsticht.

Die Kulisse wird so nicht bleiben: In der Immermannstraße (kurz hinter der Einmündung der Klosterstraße) wird eine der Ausfahrtrampen des Autotunnels, der den Tausendfüßler ersetzen wird, gebaut. Vor der IHK soll ein neues Baufeld ausgewiesen werden. Ob es tatsächlich bebaut wird, ist noch offen.

Der Gebäuderiegel auf der Tuchtinsel soll abgerissen und durch einen Neubau ersetzt werden. Der Siegerentwurf des Freiraumwettbewerbs, den die Stadt durchgeführt hat und dem Jurymitglieder von CDU, SPD, FDP und Grünen zugestimmt hatten, sieht an der Südspitze der Tuchtinsel ein 15-geschossiges Hochhaus vor. Es ist jedoch nicht ausgeschlossen, dass statt des Hochhauses der neue Gebäuderiegel höher ausfällt. Das Baurecht dafür muss laut Planungsdezernent Gregor Bonin erst geschaffen, zudem soll ein Architektenwettbewerb durchgeführt werden. "Es muss Architektur mit internationalem Anspruch entstehen", so Bonin.

Günter Teubert aus Korschenbroich steht am Bauzaun und blickt Richtung Dreischeibenhaus und Schauspielhaus, dann nach rechts in Richtung Johanneskirche. "Man hat ein ganz neues Raumgefühl", sagt er. Den Abriss hat Teubert regelmäßig verfolgt. Auch jetzt schaut er alle paar Tage vorbei. Jedes Mal gibt es Neues zu entdecken. "Das Dreischeibenhaus kommt doch jetzt viel besser zur Geltung", sagt er. Dass der Rand des Gustaf-Gründgens-Platzes mit vier Gebäuden eingefasst werden soll, hat er noch nicht gewusst. Dem Projekt wird es seiner Ansicht nach nicht schaden. Derzeit läuft das Umlegungsverfahren für die Grundstücke, das heißt, Eigentumsverhältnisse werden neu sortiert. Das wird einige Zeit dauern. Frühestens 2016 soll alles fertig sein.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Durchblick in Düsseldorf: Der Tausendfüßler ist weg

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