DüsseldorfSchnitzel Poldi hört in Düsseldorf auf

Abschied : Poldi schmeißt sein letztes Schnitzel in die Pfanne

Eine Legende tritt zurück: Schnitzel Poldi geht in den Ruhestand. Der Wiener hat nach fast 50 Jahren genug vom Berufsleben.

Seit 50 Jahren lebt Leopold „Poldi“ Wagner in Düsseldorf, und doch hat der gebürtige Wiener seinen Schmäh nicht verloren. Und genauso wenig seine Leidenschaft für die alpenländische Küche und das kulinarische Aushängeschild seiner Heimatstadt: das Wiener Schnitzel. Die Lust auf die anstrengende Arbeit im Restaurant schwindet allerdings im Alter von 88 Jahren. Deswegen schließt Poldi sein Restaurant heute Abend endgültig.

Schnitzel gibt es zwar in fast jedem Lokal, aber wenn es nach Poldi geht, haben viele davon den Namen nicht verdient. Und dann fängt er an: „Das Wichtigste ist das Fleisch, Kalb muss es sein, dann Gewürze, die Semmelbrösel bitte ganz fest drücken, das Fett zum Braten richtig zischen lassen, das Schnitzel in der Pfanne schön drehen.“ Über Jahrzehnte waren die goldbraunen Fleischscheiben der Lebensinhalt des heute 88-Jährigen. Doch nun, so sagt er selbst, ist es Zeit für ihn, seinem Geschäft „Servus“ zu sagen. „Ich finde, ich habe lange genug gearbeitet“, sagt Poldi. Der gelernte Fleischer aus der österreichischen Hauptstadt hat ursprünglich für eine Wurstfabrik in Zürich gearbeitet, ist dann an einen neuen Standort in Wuppertal gekommen und von dort nach Düsseldorf. „Das hier ist eine Goldgräberstadt“, findet er. „Es gibt viele Menschen mit Ideen, und wenn man hart arbeitet, verdient man Respekt.“ Außerdem seien die Düsseldorfer bereit, für gute Qualität und guten Service zu zahlen. „Ich bin ja eigentlich kein Gastwirt“, erzählt Poldi. Dennoch kommt sein Restaurant an der Fischerstraße von Anfang an gut an.Die Speisekarte ist begrenzt, quasi jeder Gast kommt wegen des Wiener Schnitzels. Dazu gibt es Bratkartoffeln oder Kartoffelsalat – alpenländisch, mit Essig statt Mayonnaise. Seine Gäste duzt Poldi sofort, spricht mit jedem wie mit einem Stammgast. „Haben Sie noch etwas frei?“, lautet eine häufige Frage in dem kleinen, etwas verwinkelten Gastraum mit dem schummrigen Licht. „Guckt´s euch um und hockt´s euch hin, wo´s schön ist“, wienert Poldi dann und ruft seinen Mitarbeitern zu, die Neuankömmlinge sollen bedient werden. Innerhalb der Belegschaft ist der Ton ruppig, der „Schnitzel-Meister“, wie er sich selbst nennt, hat hohe Ansprüche.

Die Arbeit mit den Gästen und dem Fleisch macht dem 88-Jährigen Spaß, aber inzwischen hat er genug. „Ich habe einen Nachfolger für den Laden gefunden, aber was er hier macht oder wie es jetzt weitergeht, ist mir ehrlich gesagt egal“, erzählt der baldige Rentner wenig sentimental. Er blickt mit zwei lachenden Augen nach vorn: „Ich bin fast 90, aber mir geht es noch blendend. Was will ich denn mehr?“, fragt er. Morgen wird er seinen Laden nicht mehr öffnen. „Für mich geht es in die Berge“, freut er sich.

Sein Plan: erstmal ausspannen, Druck und Stress entkommen, sich auf seinen neuen Lebensabschnitt einstimmen. Aber für immer in Österreich bleiben, das kommt für Poldi nicht infrage. „Wien ist wunderschön, aber Düsseldorf ebenfalls. Ich möchte meinen Lebensabend am Rhein verbringen“, nimmt er sich vor. Er will sich eine Wohnung suchen, irgendwo am Düsseldorfer Stadtrand, wo es schön und grün und ruhig ist. Man gönnt es ihm.

Heute ist der letzte Tag im Schnitzel-Poldi. Morgen geht an der Fischerstraße eine Ära zu Ende. „In meinem Herzen war ich immer Handwerker, und die Schnitzel waren meine Werkstücke“, erzählt der scheidende Inhaber. Was war in all den Jahren das Schönste für ihn? „Ganz einfach: zu sehen, wie ich die Menschen mit meinem Handwerk glücklich machen konnte.“

Dominik Schneider

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