Kaufhof-Verkauf: Düsseldorfs Kaufhäuser unter Druck

Kaufhof-Verkauf : Düsseldorfs Kaufhäuser unter Druck

Der Kaufhof-Konzern steht vor dem Verkauf. Allein in Düsseldorf gibt es vier Filialen in der Innenstadt, dazu zwei Warenhäuser von Karstadt. Experten gehen davon aus, dass bei einem neuen Investor bis zu drei Häuser geschlossen werden könnten. Viele Mitarbeiter haben Angst vor Entlassungen.

Wer derzeit mit Verantwortlichen in der Warenhausszene über den eventuellen Verkauf des Kaufhof-Konzerns sprechen möchte, bleibt in der Regel ohne Gesprächspartner. "Kein Kommentar", "Dazu sagen wir nichts", "Wir wissen gar nichts" lauten die knappen Kommentare.

Fakt ist: In den vier Kaufhof-Warenhäusern (drei Kaufhof-Häuser plus das Carsch-Haus) in der Innenstadt ist Unruhe aufgekommen, seit die Kaufhof-Mutter Metro konkrete Verkaufsverhandlungen mit zwei Bietern führt. Und auch die Mitarbeiter in den beiden Karstadt-Filialen bleiben von den Entwicklungen nicht unberührt: Sollte einer der Bieter, Karstadt-Eigentümer Nicolas Berggruen, den Zuschlag bekommen und seine angestrebte "Deutschen Warenhaus AG" verwirklichen, könnte das weitreichende Folgen für Düsseldorf haben.

Experten schätzen, dass je nach Investor und Konzept bis zu drei Standorte geschlossen werden könnten. Der Kaufhof-Konzern hat nur in wenigen Städten ähnlich viele Filialen. Er betreibt fünf Warenhäuser in Berlin und nur in München, Köln und Frankfurt/Main und Düsseldorf ebenso vier Häuser.

Das Besondere: Die Düsseldorfer Kaufhäuser liegen in unmittelbarer Nähe und stehen auch untereinander im Wettbewerb. Die vier Häuser von Kaufhof müssen sich ebenso gegen die Karstadt-Filiale am Wehrhahn behaupten (direkt gegenüber der Kaufhof-Filiale). Nur 100 Meter weiter ist das Karstadt Sporthaus erst vor einigen Monaten grundlegend renoviert worden.

Beim Einzelhandelsverband Düsseldorf (EHV) weiß man um die bisher gute Lage aller Häuser: "Bisher liefen alle sechs Standorte wirtschaftlich sehr erfolgreich", sagt EHV-Geschäftsführer Rainer Gallus. Aber: "Würde es zu einer Fusion der Kaufhof- und Karstadthäuser zu einer Warenhauskette kommen, werden alle Standorte auf den Prüfstand kommen", sagt er.

Mehr noch. "Werden die beiden Konzerne verschmolzen, könnten drei Standorte wegfallen", ist sich ein Experte sicher. Auf dem engen Innenstadtareal könnten nicht sechs Warenhäuser existieren, ohne sich zu kannibalisieren. In der Mitarbeiterschaft rumort es. Viele haben Angst um ihre Jobs - außerdem Sorgen, dass es künftig zu einem ruinösen Wettbewerb der Düsseldorfer Häuser untereinander kommt.

Das dürfte auch davon abhängig sein, wer letztlich den Kaufhof-Konzern kauft. Bekommt Signa den Zuschlag, soll es keine Standortschließungen geben. Doch vier Kaufhäuser in der City werden es schwer haben. Würde Berggruen den Konzern übernehmen rechnen Experten mit einem klaren Schnitt: Entweder es fallen nach einer Wirtschaftlichkeitsprüfung sofort eine oder mehrere der sechs Kaufhof- und Karstadtfilialen weg.

Oder aber der Schwede gibt allen Standorten in Düsseldorf eine Chance, sich zu bewähren und entscheidet nach einer Frist, wie es weiter geht. "Das heißt, die Häuser stehen in gnadenloser Konkurrenz zueinander", sagt ein Experte. Bei der Gewerkschaft Verdi gibt man sich bislang eher kleinlaut. Vor Ort in Düsseldorf sieht man noch keinen Handlungsbedarf.

Die Berliner Zentrale auch nicht. "Wir warten eine Entscheidung erst mal ab", sagt Verdi-Pressesprecherin Christiane Scheller.

(RP)
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