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Düsseldorferin Elke Bonrath - Mit 53 zurück in der Arbeitswelt

Erfolgsgeschichte in Düsseldorf : Mit 53 zurück in der Arbeitswelt

Viele Jahre war sie vor allem Mutter, seit 2011 war Elke Bonrath auf Hartz IV angewiesen. Nach 100 Bewerbungen und mehreren Schulungen fand die 53-Jährige eine Festanstellung als Demenz-Pflegerin. Eine persönliche Erfolgsgeschichte.

Es war nicht die Wirtschaftslage, die in Elke Bonraths Leben einiges ins Wanken gebracht hat - sondern eine persönliche Veränderung. Im Oktober 2011 trennte sie sich von ihrem Ehemann, zog mit zwei Kindern aus der gemeinsamen Wohnung aus: "Da fragt man sich schon: Wie geht es jetzt weiter?" Denn eine richtige Vollzeitarbeit hatte Elke Bonrath schon länger nicht gehabt, sondern acht Kinder großgezogen, nebenbei mit Aushilfstätigkeiten das Familieneinkommen aufgebessert.

Um sich und die jüngsten Töchter (die anderen waren schon aus dem Haus) zu versorgen, musste nun ein richtiger Job her. Leicht war das nicht für die 53-Jährige - doch nach rund 100 Bewerbungen und mehreren Fortbildungen hat sie seit Oktober eine Vollzeitstelle als Pflegerin einer Demenz-Patientin. "Ich liebe meine Arbeit", sagt sie heute. "Der Beruf macht mir wahnsinnig Spaß."

Rund 8000 Menschen wurden im Zuständigkeitsbereich des Jobcenters Düsseldorf in diesem Jahr in Arbeit gebracht, wie Jobcenter-Sprecher Jürgen Hennigfeld erklärt. Nicht alle kommen nun komplett ohne Hartz-IV-Leistungen aus, sie finanzieren ihren Lebensunterhalt aber zumindest zu größeren Teilen selbst. Gemeinsam hätten die meisten Langzeitarbeitslosen, die eine neue Stelle finden, vor allem eines: "Sie wollen arbeiten, erachten das als selbstverständlich." Dazu müssten aber auch Glück und das richtige Gespür des Vermittlers kommen.

"Man muss vor allem auch selbst etwas tun", sagt Elke Bonrath dazu. "Wenn man Initiative zeigt, bekommt man auch vom Jobcenter was. Mir wurde immer geholfen." Nicht aufgeben, lautete ihre Devise über die Monate der Arbeitssuche, in Bewegung bleiben: "Wenn man das nicht macht, dann rostet man ein." Als Mutter von acht Kindern habe sie sich aber in keiner Lebensphase ans Ausschlafen gewöhnt, fügt sie hinzu.

"Ich hatte nie eine Ruhephase. Und ich bin eigentlich immer um fünf Uhr aufgestanden." Bewahrt hat sie das nicht immer vor schiefen Blicken aus dem Bekanntenkreis: Wer Arbeit will, der findet auch was, haben einige der 53-Jährigen zu verstehen gegeben. Wer das nicht auf Anhieb schafft, wird rasch in eine Schublade gesteckt. "Aber meine Freunde und meine Kinder haben zu mir gehalten."

Gelernt hat Elke Bonrath vor vielen Jahren Einzelhandelskauffrau, damals bei Neckermann am Carlsplatz. Doch als der erste Berater beim Jobcenter ihr einen 400-Euro-Job als Verkäuferin vermitteln wollte, winkte sie ab: Er war nur zur Aushilfe. Sie wollte eine Tätigkeit mit Zukunft, etwas Nachhaltiges, Sinnvolles. Elke Bonrath wollte sich nicht mit der einfachsten Lösung abfinden. So bekam sie eine Fortbildung als Fachkraft für den Offenen Ganztag (auch diesen Job kann sie sich gut vorstellen), absolvierte auf eigene Initiative zusätzlich Schulungen in Sachen Pflege.

"In diesem Bereich hatte ich früher schon ehrenamtlich gearbeitet, und ich habe meine Mutter gepflegt", sagt sie: "Das liegt mir wohl." Tatsächlich strahlt die 53-Jährige gleichzeitig Tatkraft und Ruhe aus, lächelt viel, redet leise, aber eindringlich. "Man muss aufmerksam und hilfsbereit sein, den Menschen auch mal zuhören können, auf sie eingehen", sagt sie über die Pflege-Tätigkeit. Auch reichlich Geduld erfordert Elke Bonraths Arbeit im Haushalt einer dementen 87-Jährigen, für die sie auch einkauft und kocht, die sie aber auch unterhält und gerne zum Lachen bringt: "Am Ende ist es wichtig, dass man den Menschen auch etwas Freude macht."

Man kann etwas erreichen, wenn man das will, sagt Bonrath. Damit meint sie ihr Wirken im Leben der Pflege-Patienten, aber auch das, was sie für ihr eigenes Leben geschafft hat. Für Elke Bonrath war 2013 ein Wendepunkt: eine neue Wohnung für sie und die jüngste Tochter in Wersten ("ich habe da ein eigenes Zimmer für mich, was will ich mehr"), ein fester Arbeitsvertrag, eigenes Gehalt. "Es ist ein tolles Gefühl, dass man das selbst verdient hat." Ein bisschen mehr wäre schön, gibt sie zu, "aber das kann ja noch kommen, und ich komme klar".

(rl)