Düsseldorfer Verein "Vision: teilen" hilft sozial schwachen Menschen

Hilfsaktion : „Vision: teilen“ – wo der Name Programm ist

Die von Franziskanerbrüdern gegründete Aktion betreibt nicht nur den Gutenachtbus, sondern unterstützt auch sozial schwache Familien in der Region. Sie plant eine Website, um Hilfsprojekte besser zu koordinieren.

Die Aktion „Vision:teilen“ wurde im Jahr 2005 von den Franziskanerbrüdern Peter Amendt und Klaus-Dieter Diedershagen ins Leben gerufen. Ziel war es, denen zu helfen, die sich selbst nicht mehr helfen können. Dabei ging es nicht nur um materielle Nöte, sondern auch um psychische. „Wir möchten mit Menschen teilen, die am Rande stehen, und zwar nicht nur mit Geld, sondern auch mit Zeit und Engagement“, so Bruder Peter. Seitdem hat der Verein viele Hilfsprojekte in der Region und der ganzen Welt ins Leben gerufen.

Das wohl bekannteste Projekt von „Vision:teilen“ ist der Gutenachtbus. Von Montag bis Donnerstag fährt er abends zwei Standorte – das Kom(m)ödchen von 22 bis 23 Uhr und den Hauptbahnhof von 23.30 bis 0.30 Uhr – an und verteilt heiße Getränke, Essen, Kleidung, Decken und Schlafsäcke. Anders als in einigen anderen Städten fährt der Bus das ganze Jahr über. „Die Regelmäßigkeit ist uns sehr wichtig und die Not hört ja nicht auf, nur weil Sommer ist“, so Mitarbeiter Daniel Stumpe. So sind die Anlaufstellen im Sommer meist auch besser besucht als im Winter. Das mag erstaunlich sein, hat aber praktische Gründe. Wer einen sicheren Schlafplatz gefunden hat, möchte den nicht mehr aufgeben und kommt nicht. Aber nicht jeder findet eine Schlafstelle. Manche möchten aus den unterschiedlichsten Gründen auch nicht in den Notschlafstellen übernachten. Das ist im Winter lebensbedrohlich. „Anfang November hatten wir schon den ersten Todesfall“, berichtet Stumpe. Daher fährt der Bus auch bekannte Schlafplätze an und schaut, was er erreichen kann. „Es gibt aber auch liebevolle Bürger, die hier anrufen und besorgt nachfragen, wie sie Obdachlosen helfen können“, so Stumpe. „Wenn sie einen leblosen Menschen sehen, sprechen sie ihn bitte an. Wenn er nicht reagiert, rufen sie sofort den Krankenwagen. Dabei entstehen für sie keine Kosten“ rät der Mitarbeiter von „Vision:teilen“ allen.

Nicht ganz so bekannt, aber sehr erfolgreich ist die Initiative „Hallo Nachbar“. 50 bis 60 hauptsächlich ehrenamtliche Mitarbeiter bieten Hilfe für vereinsamte, ausgeschlossene Menschen, die niemanden haben, an den sie sich bei Problemen wenden können und keinen Weg aus ihrer Situation finden. Oft ist das Alleinsein an finanzielle Nöten oder Krankheit gekoppelt. „Es gibt Leute, die keine Krankenversicherung mehr haben, auf ihren Anspruch auf Leistungen verzichtet haben oder erst gar nicht wissen, was ihnen zusteht. Da können wir mit unserer Sozialberatung helfen“, berichtet Projektleiterin Marieke Schmale. Das Angebot sei niedrigschwellig, so ist die Überwindung, sich an die Initiative zu wenden nicht ganz so groß wie bei anderen Organisationen, findet die Projektleiterin. „Viele sind dankbar, dass sie über ihre Einsamkeit sprechen dürfen, ohne dass diese als Makel gesehen wird“. Viele freuen sich auch einfach über Gesprächspartner oder Hilfe bei alltäglichen Dingen wie dem Einkauf.

Ein weiteres lokales Projekt ist die Schatztruhe auf der Schirmerstraße. Das Geschäft scheint auf den ersten Blick ein einfacher Second-Hand-Laden zu sein, ist aber weit mehr. „Bei uns bekommt man nicht nur günstige Kleidung, Bücher, CDs, Bilder und vieles andere, sondern auch einen Ansprechpartner“, erzählt Elena Werther, die ehrenamtlich in der Schatztruhe arbeitet. „Manche kommen täglich zu uns, nicht um etwas zu kaufen oder verkaufen, sondern weil sie einfach mit jemandem sprechen möchten. Und wir hören gerne zu.“ Gerade zur Weihnachtszeit hat die Schatztruhe großen Zulauf. Menschen, denen es finanziell nicht so gut geht, können dort günstige Geschenke finden.

Das neueste Projekt von „Vision:teilen“ ist „Familia hilft Familie“. Fotografin Katharina Mayer macht gegen eine großzügige Spende großformatige Familienporträts. Der Erlös der Aktion geht an bedürftige Familien in der Region Düsseldorf. Das erste Fotomotiv war Familie Geisel.

Auch für das nächste Jahr hat der Verein schon Ideen. „Wir planen in Kooperation mit verschiedenen Unternehmen und der Stadt eine mobile Website. Dort sollen alle Hilfseinrichtungen verzeichnet werden“, erzählt Stumpe. Auf der Seite können sich nicht nur Hilfesuchende informieren. Wer Hilfe schenken möchte, kann dort auch die entsprechenden Orte finden. – Hilfe ist bei „Vision:teilen“ immer willkommen. Zwar gibt es gerade vor Weihnachten viele Sachspenden, aber einige Dinge wie Schlafsäcke, Decken und Unterwäsche werden jederzeit gebraucht. Auch neue ehrenamtliche Helfer sind gerne gesehen. Gerade im Bereich Eller gibt es einen Engpass. „Wir sind auch offen für Kooperationen mit Unternehmen, etwa für Events“, sagt Stumpe. „Dann könnten wir auch mal was für unsere Helfer machen. Das wäre schön, denn ein Ehrenamt muss gepflegt werden“, ergänzt Schmale.

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