Düsseldorfer Uni-Rektorin warnt vor FH-Promotionsrecht

Anhörung im Landtag am 3. April 2019 : Uni-Rektorin warnt vor „Zwei-Klassen-Promotion“

Anja Steinbeck befürchtet den Aufbau kostspieliger Doppelstrukturen und warnt vor einem Promotionsrecht für die FH.

Kritisch sieht die Rektorin der Heinrich-Heine-Universität den Vorstoß der CDU- und FDP-Fraktionen im Landtag, im Zuge der geplanten Novellierung des Hochschulgesetzes das Promotionsrecht zu verändern. Der Änderungsantrag sieht vor, dieses einzelnen Fachbereichen eines neu zu gründenden „Promotionskollegs für angewandte Wissenschaften“ zu verleihen, denen Professoren von Fachhochschulen (FH) angehören. Bislang sind Promotionen Alleinstellungsmerkmal der Universitäten, seit 2016 gibt es aber in NRW über das „Graduierteninstitut NRW“ die Möglichkeit, dass FH-Studierende in Kooperation mit einer Uni einen Doktortitel erwerben. Am 3. April gibt es im Wissenschaftsausschuss im Landtag eine Anhörung dazu.

Die hohen Qualitätsstandards einer Promotion könnten nur mit einer gut ausgestatteten Forschungsinfrastruktur gewährleistet werden, gibt Anja Steinbeck zu bedenken. Aufgrund der traditionell unterschiedlichen Aufgaben von Universitäten (Forschung und Lehre, auch Grundlagenforschung und Qualifizierung für eine wissenschaftliche Laufbahn) sowie Fachhochschulen und Hochschulen für angewandte Wissenschaften (anwendungsbezogene Wissenschaft, praxisnahe Lehre) gebe es folglich Unterschiede. Die Betreuung von Doktoranden sei zudem personal- und kostenintensiv, so gehörten etwa auch Betreuungs- und Qualifizierungsprogramme für den wissenschaftlichen Nachwuchs und ein Meldesystem bei Verstößen gegen Grundsätze guter wissenschaftlicher Arbeit dazu. Aufgrund begrenzter Ressourcen für die Wissenschaft sollte der Aufbau von kostspieligen Doppelstrukturen vermieden werden, meint Steinbeck. Auch eine Zwei-Klassen-Promotion (Dr. Uni/Dr. FH) sei durch die Erweiterung des Promotionsrechts zu befürchten.

Die Rektorin der Universität plädiert dafür, kooperierende Promotionen zu fördern, etwa durch den Ausbau von themenzentrierten Graduiertenschulen oder Stipendien. Das bestehende Graduierteninstitut biete dafür einen verlässlichen Rahmen. An der Hochschule Düsseldorf sieht man die Sache anders. „Fachhochschulen bieten heutzutage ein breit aufgestelltes Forschungsumfeld und starke Forschungsschwerpunkte, so dass es nur folgerichtig ist, dass man besonders wissenschaftlich talentierten und qualifizierten Studierenden die Möglichkeit eröffnet, sich im Rahmen einer Promotion akademisch weiter zu qualifizieren“, sagt der Vizepräsident für Forschung und Transfer, Professor Horst Peters. Das biete auch „ein hohes Potenzial für spätere Professuren im Bereich der anwendungsorientierten Lehre und Forschung.“

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