Düsseldorfer Uni-Klinik wehrt sich gegen Vorwürfe nach WDR-Bericht

Patienten angeblich zu früh von Intensivstation verlegt: Düsseldorfer Uni-Klinik setzt sich gegen Vorwürfe zur Wehr

Dem Krankenhaus wird in einem WDR-Bericht vorgeworfen, Patienten zu früh von der Intensivstation zu verlegen. Zudem werden elf Todesfälle in Verbindung mit einem multiresistenten Keim gebracht. Die Klinik bestreitet das.

Die Uniklinik Düsseldorf (UKD) sieht sich mit schwerer Kritik an der intensivmedizinischen Versorgung sowie der Hygiene konfrontiert, weist diese aber zurück. In einem Beitrag des "Westdeutschen Rundfunk" heißt es, bei 22 schwerstkranken Patienten sei seit Oktober 2017 ein multiresistenter Keim nachgewiesen worden, elf von ihnen seien gestorben. Zudem würden manchmal überwachungspflichtige Patienten auf die Normalstation verlegt, wenn die Intensivstation voll sei.

Das Krankenhaus betont in seiner Stellungnahme unter anderem, dass die Todesfälle nicht direkt mit dem Keim in Verbindung gebracht werden könnten, zumal es sich um "schwerstkranke Patienten" gehandelt habe. "Welchen Einfluss die Infektion auf den einzelnen Krankheitsverlauf bei den extrem schweren Grunderkrankungen hatte, ist nicht feststellbar", heißt es von der Klinik. Von den 22 Patienten, bei denen der Keim nachgewiesen wurde, entwickelten demnach nur zwölf tatsächlich eine Infektion.

Anfang Mai hatte das Klinikum mithilfe einer aufwendigen Untersuchung die Übertragungskette eines multiresistenten Bakteriums aufgeklärt. Demnach handelte es sich um zwei genetisch verschiedene Typen des Keimes Acinetobacter baumannii, die von zwei unterschiedlichen Patienten 2017 in das Klinikum gebracht wurden. Der eine Typ des Erregers wurde bei insgesamt 16 Patienten nachgewiesen, der zweite bei sechs Patienten. Seit Februar 2018 sind laut Uniklinik keine neuen Fälle aufgetreten.

Zur Verlegung von Patienten von den Intensiv- auf andere Stationen erklärte die Klinik Mittwoch, diese erfolge stets nach einem abgestuften Versorgungskonzept. Die Mehrzahl der Patienten werde nicht direkt auf Normalstationen verlegt, sondern wegen des noch erhöhten Überwachungsbedarfs zunächst auf so genannte Intermediate Care Einheiten: "Dort erfolgt eine engmaschige Überwachung (...), wodurch auftretende Komplikationen zeitgerecht erkannt werden können." Die Uniklinik verweist auch auf die Rate an ungeplanten frühen Wiederaufnahmen von Patienten zurück auf die Intensivstation. Diese liege im UKD "stets unterhalb der national und international akzeptierten Schwellen".

WDR: Keine Sperrung von Intensivstationen

Ausdrücklich widersprach eine Sprecherin der Klinik dem Vorwurf, nach einem Ausbruch eines multiresistenten Keims wegen Hygienefehlern sei eine ganze Intensivstation gesperrt gewesen. "Es gab keine Sperrung von Intensivstationen", sagte sie. Zu weiteren Vorwürfen werde man sich erst äußern, wenn man sie im Detail geprüft habe. In dem Artikel wird eine Pflegerin damit zitiert, die Hygiene könne nicht immer eingehalten werden.

Die Belastung des Pflegepersonals an der Uniklinik war in den vergangenen Monaten immer wieder Thema. So hatte es mehrfach Warnstreiks gegeben, mit denen die Pfleger und Schwestern einen Entlastungstarifvertrag forderten. Die Uniklinik hatte auf einen großen Zuwachs an Pflegekräften (plus sieben Prozent Vollkräfte 2017) verwiesen und zum Jahreswechsel ein neues Dienstplansystem mit kürzeren Schichten eingeführt.

(RP)
Mehr von RP ONLINE