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Monika Piasetzky im Interview: Düsseldorfer Tierschutzverein will mehr Geld von Stadt

Monika Piasetzky im Interview : Düsseldorfer Tierschutzverein will mehr Geld von Stadt

Monika Piasetzky, die Leiterin des Tierschutzvereins Düsseldorf, spricht über den Tierschutz, ihre neuen Projekte und die Möglichkeiten für Kinder, sich beim Thema Tierschutz einzumischen.

Frau Piasetzky, was bedeutet für Sie persönlich Tierschutz?

Monika Piasetzky Keine Tiere essen oder diese in einer anderen Art zu ge- oder verbrauchen. Ich pflege einen veganen Lebensstil. Das bedeutet auch, keine Produkte mit Wolle, Leder, Pelz oder Seide zu kaufen. Leider stehe ich mit dieser Einstellung oft noch alleine da. Ich versuche aber, bei anderen Menschen eine Sensibilität dafür zu entwickeln.

Auf welche Art geschieht das?

Piasetzky Am besten, in dem ich es vorlebe und zeige, dass beispielsweise vegane Gerichte sehr lecker schmecken, man damit also keinen Verzicht üben muss. Ich plane deshalb im Frühling einen Markt mit Anbietern von veganen Produkten. Die Besucher sollen dann die Chance haben, viele Speisen zu kosten. Veranstaltungsort wird das Tierheimgelände in Rath sein.

Dort hat sich ja viel getan, seit Sie vor zweieinhalb Jahren die Vorsitzende des Tierschutzvereins wurden.

Piasetzky Das stimmt. Ich habe viele Bauprojekte umgesetzt, aber auch interne Strukturen geändert. Mir ist eine große Beteiligung der Mitarbeiter an Entscheidungen wichtig, denn von ihren langjährigen Erfahrungen kann ich nur profitieren. Außerdem werden so auch Änderungen besser mitgetragen.

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Können Sie ein Beispiel nennen?

Piasetzky Seit einigen Monaten vermitteln wir auch Hunde aus dem Ausland. Das ist eine zusätzliche Arbeit und ich habe meinen Mitarbeitern freigestellt, ob sie diese übernehmen wollen.

Haben wir denn nicht genug herrenlose Hunde in Düsseldorf?

Piasetzky Eigentlich schon, aber wir haben festgestellt, dass es sich oft um ähnliche Tiere handelt. Seit wir viele verschiedene Hundetypen anbieten können, verzeichnen wir einen größeren Besucherstrom, der auch den Düsseldorfer Tieren zugutekommt. Außerdem verhindern wir so, dass künftige Hundebesitzer illegale Welpenkäufe tätigen oder Tiere im Internet bestellen.

Sie stellen aber selber auch ihre Tiere im Internet vor.

Piasetzky Wir geben diese aber nicht anonym ab, sondern schauen genau hin, ob Tier und Mensch wirklich zueinander passen. Zudem kontaktieren wir alle neuen Besitzer nun nach 14 Tagen, um zu erfahren, ob alles gut läuft. Ist das nicht der Fall, können die Hundehalter bei uns an einem Hundetraining teilnehmen. Ähnliche Kontrollen gibt es auch bei den anderen Tieren, denn mir sind nicht die Vermittlungszahlen, sondern das Wohl der Tiere wichtig, für diese ein wirklich passendes Zuhause zu finden.

Gibt es da keine Proteste der potenziellen neuen Besitzer, wenn Ihre Mitarbeiter sogar Hausbesuche machen wollen? Das ist ja schon ein Eingriff in die Privatsphäre.

Piasetzky Die meisten finden das absolut in Ordnung, weil es ja zum Wohl der Tiere passiert. Wir wollen einfach sicher gehen, dass die versprochenen Voraussetzungen für die tiergerechte Haltung wie beispielsweise ein ausreichend großer Käfig oder Freilauf wirklich vorhanden sind. Viele Tiere haben schon einiges durchgemacht und es einfach verdient, dass es ihnen künftig gut geht. Aber auch wir haben einiges verändert, um das Wohlfühlen der Tiere bei uns zu steigern. So wurde beispielsweise ein eingezäunter Auslaufplatz für Hunde angelegt, das Katzenhaus hat ein Freigehege erhalten, wir besitzen ein neues Kleintierhaus, haben eine Vogelstation für verletzte Tiere eingerichtet und ehrenamtliche Katzenstreichler angeworben.

Haben Sie plötzlich mehr Geld zur Verfügung?

Piasetzky (lacht) Nein, ich setze bloß neue Schwerpunkte. Wir sind nach wie vor massiv auf Mitgliedsbeiträge, Spenden und Erbschaften angewiesen - auch für Projekte außerhalb des Tierheims. So fördern wir unter anderem die Kastration von Katzen und unterstützen die Tiertafel in Oberbilk. Zudem kooperieren wir mit dem Verein Underdog, der im Tierheim ein Operationssaal eingerichtet hat, den wir mitbenutzen können. Tiere von Obdachlosen dürfen zudem bei uns über Nacht bleiben, wenn die Besitzer bei starker Kälte Unterkünfte aufsuchen, in denen diese nicht erlaubt sind. Außerdem arbeiten wir mit dem Verein Stadttiere zusammen, der unter anderem Taubenhäuser baut und dort rund 5000 Eier im Jahr austauscht, um die starke Population einzudämmen.

Sind Sie eigentlich von der Stadt Krefeld um Hilfe gebeten worden, als dort vorübergehend das Tierheim keine Tiere mehr aufnahm?

Piasetzky Ja, es gab sogar die Anfrage, ob wir dauerhaft die rund 900 Tiere im Jahr übernehmen könnten. Dafür haben wir aber gar nicht die Kapazitäten und dürfen das von unserer Satzung her auch nicht. Wir haben allerdings angeboten, im Notfall einzuspringen, wenn uns die Kosten erstattet werden. Zum Glück hat sich ja nun in Krefeld das Problem geklärt.

Könnten Sie sich so ein Szenario auch in Düsseldorf vorstellen?

Piasetzky Nein, denn Düsseldorf hat ja zum Glück keinen Nothaushalt. Wir haben bis jetzt immer gut mit der Stadt zusammengearbeitet. Im Moment verhandeln wir allerdings über einen neuen Vertrag, denn wir kommen mit den Geldern, die uns die Stadt zahlt, damit wir ihre Aufgaben übernehmen, nicht mehr aus. Die Kosten sind gestiegen.

Was steht als nächstes Projekt an?

Piasetzky In einer ehemaligen Schäferei in Garath werden wir ein Jugendtierschutzzentrum einrichten. Dort sollen Kinder sehen können, wie Tiere artgerecht gehalten werden, wie Ziegen, Hühner, Enten und Hasen aussehen und sich anfühlen. Schulklassen haben dort Platz, um Unterricht abzuhalten. Wir stellen dafür Material zur Verfügung. Das ist für uns ein ganz wichtiges Projekt, da wir auch Kindern die Möglichkeit bieten wollen, sich aktiv am Tierschutz zu beteiligen. Was diese im Jugendtierschutzzentrum gelernt haben, wird idealerweise dann in die Familien getragen.

Was sind Ihre Wünsche für die Zukunft?

Piasetzky Wir bräuchten mehr Mitglieder, nicht nur wegen der Beiträge, sondern vor allen Dingen, damit unsere Stimme mehr Gewicht hat, wenn wir uns für die Rechte der Tiere einsetzen. Das geschieht beispielsweise mit dem Projekt "Düsseldorf tierversuchsfrei", für das wir bereits 6000 Unterschriften gesammelt haben.

Verlagert man mit solch einer Forderung nicht nur das Problem in eine andere Stadt?

Piasetzky Nein, denn wir fördern finanziell einen Lehrstuhl an der Universität Düsseldorf, an dem Forschungsmethoden entwickelt werden, für die keine Tierversuche mehr benötigt werden. Und wir wollen darauf achten, dass diese Methoden dann auch eingesetzt werden, damit Düsseldorf endlich tierversuchsfrei wird. Über diese Aktion informieren wir am 18. April auf dem Schadow-Platz und auf unserer Homepage. Diese haben wir völlig neu gestaltet und verzeichnen seitdem monatlich über 25 000 Besucher. Mir ist es wichtig, mehr Transparenz zu schaffen und ausführlich über Tierschutz zu informieren.

JULIA BRABECK FÜHRTE DAS GESPRÄCH.

(RP)