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Berlin: Düsseldorfer Tannhäuser-Abend ist "Ärgernis des Jahres"

Berlin : Düsseldorfer Tannhäuser-Abend ist "Ärgernis des Jahres"

Als hätten wir damals nicht schon genug gelitten, hauen uns jetzt die versammelten Musikkritiker der Fachzeitschrift "Opernwelt" diese Altlast noch einmal um die Ohren.

Die Düsseldorfer Inszenierung von Wagners Oper "Tannhäuser", in welcher der Regisseur Burkhard Kosminski in peinigender Weise mit Nazi-Emblemen und -Ritualen gespielt hatte, wurde von den Rezensenten einhellig zum "Ärgernis des Jahres" gekürt. Begründung der Jury: Zunehmend tauchten Braunhemden, Hakenkreuzbinden und Gaskammern auf. Die "Ausstellung des Bösen" gehe jedoch meistens schief und werde zur "Banalität des Blöden", wie die "Opernwelt" schreibt.

Das Kuriose an diesem Votum ist, dass die meisten Rezensenten die Produktion überhaupt nicht haben sehen können, weil sie bereits nach der Premiere abgesetzt worden war. Das Urteil nach Aktenlage ist zwar zulässig, in diesem Fall auch sehr verständlich, aber es wirft auch einen Schatten auf den gemeißelten Stein des Urteils.

Andererseits kann sich die Rheinoper auch ein wenig freuen, denn zur Regisseurin des Jahres wurde Tatjana Gürbaca erwählt (unter anderem für ihre Inszenierung von "Parsifal" in Antwerpen) — die Musikfreunde im Rheinland konnten schon vor einigen Jahren Gürbacas bizarr-genialische Deutung von Richard Strauss' "Salome" an der Rheinoper begutachten.

Die Hauptstadt Berlin bekam in der Kritikerumfrage endlich wieder großes Lob gespendet: Die Komische Oper wurde Opernhaus des Jahres (unter anderem für raffinierte Mozart- und Monteverdi-Aufnahmen), und für die Interpretation von Helmut Lachenmanns "Mädchen mit den Schwefelhölzern" an der Deutschen Oper wurde Lothar Zagrosek zum Dirigenten des Jahres gewählt. Die Staatskapelle Dresden wurde gleich in der ersten Saison mit Generalmusikdirektor Christian Thielemann zum Orchester des Jahres benannt. Am Theater Basel wurde der Chor ausgezeichnet.

(RP)