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Düsseldorf: Düsseldorfer Tafel erwägt Stiftung

Düsseldorf : Düsseldorfer Tafel erwägt Stiftung

Die Zahl der Bedürftigen ist gestiegen, Lebensmittelspenden gehen zurück, weil mehr Firmen darauf achten, keine Nahrungsmittel zu verschwenden. Die Organisatoren denken darüber nach, wie sie das Angebot sichern können.

Wenn Steve Coote donnerstags bei der Lebensmittelausgabe der Düsseldorfer Tafel in der Zionskirchengemeinde hilft, dann stimmt ihn das Angebot in letzter Zeit häufig nachdenklich. "Obst und Gemüse ist nur sehr wenig da. Für 200 Leute reicht es nicht, für die letzten 50 bleibt kaum etwas übrig", sagt der pensionierte Manager. Als er 2008 mit seinem Ehrenamt begann, war das noch anders.

Ein Grund für die sich abzeichnende Knappheit in den vergangenen Jahren: Die Zahl der Bedürftigen ist gestiegen. Bis 2012 wurden die Lebensmittel in der Berger Kirche ausgegeben, an Spitzentagen kamen dann gut 300 Menschen. Auf die Dauer zu viel, deshalb wurde die Ausgabe auf die Zionskirche und den Platz der Diakonie in Flingern aufgeteilt. Mittlerweile beziehen im Schnitt 380 Menschen Lebensmittel von diesen beiden Orten, wie Andrea Schmitz, Sozialarbeiterin bei der Diakonie berichtet. Für die Letzten in der Warteschlange bleibt oft nicht mehr viel übrig. Damit es einigermaßen gerecht zugeht, ziehen die Wartenden Nummern aus verschiedenen Säckchen. Wer beim vorigen Mal eine niedrige Zahl hatte, muss beim nächsten Mal aus dem Säckchen mit den hohen Zahlen ziehen.

Pro Woche versorgt die Tafel mittlerweile rund 7500 Erwachsene und 1500 Kinder mit Speisen. Seit ihrer Gründung vor 20 Jahren ist das Angebot stetig gewachsen. Acht Ausgabestellen werden an fünf Tagen beliefert. "Das Angebot aufzubauen ist eine Sache. Die andere ist es, diesen Standard zu erhalten. Es muss im Fluss bleiben. Das ist nicht einfach", sagt Heike Vongehr, Chefin der Tafel. Erschwerend hinzu kommt, dass im vorigen Jahr die Geldspenden zurückgegangen sind. Außerdem sind die Unternehmen mittlerweile für das Thema Lebensmittelverschwendung sensibilisiert. Doch von Verschwendung lebt die Tafel. Weil viele Supermärkte anders planen, geben sie weniger Reste ab. Und auch Kantinen arbeiten mit höherem Kostendruck und kalkulieren heutzutage knapper. Früher gaben zehn Kantinen Reste ab, heute sind es zwei bis drei.

Die Organisatoren der Tafel machen sich deshalb Gedanken, wie sie das Angebot langfristig sichern können. In der Diskussion ist die Gründung einer Stiftung. Vongehr sieht darin mittelfristig eine gute Perspektive: "Das würde unsere Arbeit verstetigen. Wir müssten nicht mehr von der Hand in den Mund leben." Nötig wären dazu allerdings Zustifter.

Experten wie Jörg Martin, Geschäftsführer der Deutschen Stiftungsagentur in Neuss, wissen von den Vorteilen einer Stiftung. "Mittel einzuwerben ist leichter als bei Vereinen." Zum einen können Spender viel höhere Summen steuerlich absetzen. Zum anderen sind Stiftungen für Erblasser deutlich attraktiver als Vereine. Denn in einer Stiftung bleibt das vererbte Kapital erhalten, für den Stiftungszweck eingesetzt werden nur die Kapitalerträge. Beim Verein kann es dagegen in kurzer Zeit aufgezehrt werden, erklärt Martin. "In dem gespendeten Geld steckt das Lebenswerk, das die Erblasser gerne erhalten möchten." So habe beispielsweise der Verein SOS Kinderdorf vor etwa zehn Jahren eine Stiftung gegründet.

Auch in Düsseldorf gibt es zahlreiche Beispiele für Vereine, die parallel gemeinnützige Stiftungen gründeten. Der Förderverein Kinder- und Jugendhospiz Düsseldorf für das Regenbogenland etwa oder der Verein "Freundeskreis des Kinderhilfezentrums". Betreut wurden sie vom Kompetenz-Center Stiftungen der Stadtsparkasse Düsseldorf, die insgesamt 240 Stiftungen begleitet.

Fragt sich ein Großspender, wo er eine Million Euro investiert, in einem Verein oder einer Stiftung, dann sei die Antwort schnell klar, sagt Jutta Giffels vom Kompetenz-Center: bei der Stiftung. Sie genießen einen seriösen Ruf, führt auch die Stiftungsaufsicht der Bezirksregierung Düsseldorf als Vorteil an. Derzeit sind im Regierungsbezirk 1188 Stiftungen verzeichnet, jährlich kommen zwischen 30 und 40 hinzu.

(RP)