Düsseldorfer Start-up entwickelt digitale Hilfen gegen Phantomschmerz

Start-up entwickelt Nachsorgetherapie : Nach der Reha mit dem Tablet trainieren

Start-up hat digitales Angebot für therapeutische Übungen entwickelt. Videosprechstunden gehören dazu.

Das Unternehmen Routine Health hat eine digitale Nachsorgetherapie entwickelt, die Menschen mit Phantomschmerzen nach einer Amputation oder Schlaganfallpatienten helfen kann. Entstanden ist Rou­tine Health im Rahmen eines geförderten Forschungsprojekts. Hierbei wollten Geschäftsführer Ilja Michaelis und sein Team ursprünglich gemeinsam mit der Universität Maastricht sowie klinischen Partnern eine digitale Lösung entwickeln, die Schlaganfallpatienten dabei unterstützt, Bewegungsabläufe wieder zu verbessern. Mithilfe von Therapieübungen, die sich digital abbilden lassen, sollte es den Patienten ermöglicht werden, diese selbstständig, unabhängig von Zeit und Ort und nach ihren individuellen Bedürfnissen zu absolvieren – mit dem Ziel, schneller in den Alltag zurückzufinden.

„Wir haben dann schnell festgestellt, dass für Schlaganfallpatienten ein großes Baukastensystem an Modulen notwendig ist – zu viele für das damalige Forschungsprojekt“, erinnert sich Michaelis. Deshalb habe man sich zunächst einmal auf die Entwicklung von Phantomschmerzmodulen konzentriert, unter anderem auf die sogenannte Spiegeltherapie, die auch bei Lähmungserscheinungen nach einem Schlaganfall helfen kann.

Während dieser Therapie sitzt der Betroffene vor einem parallel zur Körpermitte angeordneten Spiegel. Beim Blick in diesen Spiegel entsteht der Eindruck von zwei gesunden Armen oder Beinen. Hierdurch werden unterschiedliche Hirnregionen, etwa die für Bewegung oder Schmerz, angeregt. Das führt dazu, dass Phantomschmerzen reduziert werden oder sich bei Schlaganfallpatienten die Beweglichkeit verbessert.

„Um die Ergebnisse des Forschungsprojekts weiterzuentwickeln und zwar mit dem Ziel, so bald wie möglich einen kompletten Baukasten für Schlaganfallpatienten anbieten zu können, haben wir im vergangenen Jahr gemeinsam mit einem Business Angel Routine Health gegründet“, erzählt Michaelis. Das Konzept des Start-up-Unternehmens setzt nach einem stationären Krankenhaus- oder Reha-Aufenthalt an. Patienten, die regelmäßige therapeutische Übungen absolvieren müssen, erhalten ein Tablet mit entsprechenden Übungsprogrammen und werden über mehrere Monate mittels wöchentlicher Videosprechstunden begleitet. So werden Betroffene zum Eigentraining motiviert und können meistens schneller in ihre Alltagsroutine zurückkehren. Berufsgenossenschaften und gesetzliche Unfallversicherungen kommen für die Therapiekosten auf, die gesetzlichen Krankenkassen bisher nicht.

Mehr Informationen unter www. https://routine.health/

Mehr von RP ONLINE