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Düsseldorfer SPD holzt jetzt gegen CDU-Herausforderer Stephan Keller

Kolumne zur Kommunalwahl : Düsseldorfer SPD holzt jetzt gegen CDU-Kandidat Stephan Keller

Vor der Stichwahl um das OB-Amt in Düsseldorf wird der Ton der Sozialdemokraten härter. Sie suchen die Zuspitzung, um linke Wähler zu mobilisieren. Das ist teilweise plump gemacht. Ob es verfängt?

Es waren erst wenige Stimmen ausgezählt, da trat Thomas Geisel vor die Genossen - und war geistig schon bei der Stichwahl gegen CDU-Herausforderer Stephan Keller. Der 27. September müsse zur „Richtungswahl“ werden, sagte Geisel. Und gab die Losung aus: „Zuspitzung“.

Diese Strategie ist nun zu spüren. Geisel, der nach dem mäßigen Ergebnis als Außenseiter in die Stichwahl geht, gibt sich angriffslustiger. Er attackiert Keller härter - und hofft darauf, durch die Konfrontation an Profil zu gewinnen.

Die Partei unterstützt das mit einer Online-Kampagne, die vermeintliches Versagen der Union zwischen Wohnungspolitik und dem Umgang mit den Flüchtlingen aus Moria behauptet. Die Jusos arbeiten sich unterdessen an einer angeblichen Nähe von Keller zur Bundestagsabgeordneten Sylvia Pantel ab, die zur Parteirechten gehört. Sie zeigen bei Facebook beide in einer Bildmontage in einem Herzchen.

Die CDU gibt sich bislang gelassen. „Die SPD in Düsseldorf und Thomas Geisel holzen, was das Zeug hält, gegen Stephan Keller und die CDU“, schreibt Kreisparteichef Thomas Jarzombek ebenfalls bei Facebook. „Ich will dazu sagen: Auf eine solche Auseinandersetzung lassen wir uns nicht ein und holzen hier auch nicht zurück.“ SPD-Mitglieder reagieren in den Kommentaren empört – denn die CDU hat Geisel in den vergangenen Jahren auch nicht immer mit Samthandschuhen angefasst.

Man kann die SPD-Kampagne natürlich plump finden. Spannend ist die Frage, ob sie verfängt. Die Sozialdemokraten müssen eine Antwort auf ihr desaströses Abschneiden bei der Ratswahl finden. Sie hoffen offenbar, dass sie die linke Wählerschaft über die eigene Partei hinaus gegen Keller mobilisieren können. Der gibt sich bei vielen Reizthemen bislang auffallend ausgleichend und bietet dadurch wenig Angriffsfläche. Ob das Dauerfeuer etwas ändert?

Beim alles dominierenden Thema Verkehr Kostenpflichtiger Inhalt gelang es Geisel beim OB-Duell der RP, die Unterschiede deutlicher herauszuarbeiten: Geisel will für eine klare Abkehr vom Auto stehen, Keller brachte dagegen die Idee ins Spiel, den Autoverkehr durch bessere Ampelschaltungen zu beschleunigen und dadurch die Luftbelastung zu senken. Das ist eine klare Kontroverse: SPD und Grüne - denen Geisel gestern den Posten des Verkehrsdezernenten anbot - wollen eher grüne Welle für den Radverkehr.

Die Strategie ist trotzdem riskant. Eindreschen auf den Gegner kommt bei den Wählern schlecht an, gerade von einem Amtsinhaber. Wer zu viel holzt, lässt den anderen souverän wirken - darauf dürfte Keller setzen.