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Düsseldorfer schreibt Roman über Pinkelprobleme

Kreative Düsseldorfer : Den Job gekündigt, um ein Buch zu schreiben

Der erste Roman von Marius Harrer heißt „Das schüchterne Organ“. Den Verlag hat der 30-jährige Derendorfer, der erfolgreicher Manager bei einer Unternehmensberatung war, selbst gegründet.

Kaum 30 Jahre alt war Marius Harrer, als er unter seine Karriere in einer Düsseldorfer Unternehmensberatung einen Schlussstrich zog. Zuvor hatte er sich vier Jahre nach dem Studium hochgearbeitet und war schließlich als Manager für einige wichtige Projekte verantwortlich. „Aber da wusste ich schnell, dass ich etwas Neues brauche in meinem Leben“, sagt der nun 31-Jährige. Nach einer längeren Reise war ihm klar, was zu tun war: Job kündigen und neu anfangen. Nun, ein Jahr später, hat er es geschafft. Der Derendorfer hat einen Roman geschrieben und für dessen Veröffentlichung den Verlag dazu gleich selbst gegründet.

Diesen Neuanfang suchte er, obwohl er als Unternehmensberater gar nicht mal unzufrieden war. „Da lernen und erleben junge Mitarbeiter nach Ende ihres Studiums sehr viel in sehr kurzer Zeit“, sagt er. Auch er hat diese Erfahrung gemacht und fand das ganz okay – trotz eines erheblichen Arbeitspensums. „Wenn ich mal 60 Stunden pro Woche gearbeitet habe, war das noch wenig.“ Immerhin, so gibt er zu, war der Job richtig gut bezahlt – aber seine neue Idee war eben, ein Buch zu schreiben. Der Anfang waberte Marius Harrer schon lange im Kopf herum, nachdem er in einer Zeitung einen Artikel über ein besonderes Thema gelesen hatte: Viele Männer können in Anwesenheit anderer Männer am Urinal ihr Geschäft nicht verrichten. „Ich habe mich gefragt, was tut ein Mann, der schon fleißig am Urinal steht und ein anderer Mann kommt dazu“, erzählt Marius Harrer und hat seiner Roman-Hauptfigur den Namen Ruben gegeben. Erst ein Kapitel schrieb Marius Harrer, dann immer mehr und die Geschichte gewann an Fahrt. Auch ein Titel war gefunden: „Das schüchterne Organ“. Tragisch-komisch seien die Abenteuer von Ruben, gar nicht peinlich oder albern. „Es geht um Freundschaft und es ist auch eine Liebesgeschichte.“

Zum Schreiben mietete er sich einen Platz in einer schicken Bürogemeinschaft in Friedrichstadt, nahm sich für jeden Tag ein Pensum von 1000 Worten vor, machte einen Schreibplan. Strukturell zu arbeiten hatte er ja in der Unternehmensberatung gelernt. Dennoch dauerte es einige Monate, bis die Geschichte fertig war. Als Self-Made-Mann wollte Marius Harrer sein Werk nicht in die Hände eines Verlags geben – falls er mit seiner skurrilen Story überhaupt einen Verleger gefunden hätte. „Da dachte ich, einen Verlag kann ich auch selbst gründen“, sagt er und gibt zu, sein Projekt „Seemannsgarn-Verlag“ unterschätzt zu haben. „Wenn ich vorher gewusst hätte, wie viel Arbeit das ist, hätte ich es wohl nicht gemacht.“ Aber Ende April war es so weit: Auf einer Palette kamen 2000 gedruckte Bücher von „Das schüchterne Organ“ bei ihm Zuhause in Derendorf an. „Da war ich stolz wie Oskar, ist doch klar.“

Inzwischen hat er einige 100 Bücher verkauft, erste Kritiken zum Buch sind positiv. Reich wird er wohl nicht durch sein Werk, er lebt noch von Erspartem. Hat jemand ein Buch bestellt, holt er es selbst aus dem Lager und packt es für den Versand ein. Und er hat weitere Pläne. Zurzeit bereitet er Buchvorstellungen vor, die mehr werden sollen als einfache Lesungen. „Meine Geschichte um den Mann und seine Pinkelprobleme eignet sich doch für ein unterhaltsames Bühnenprogramm“, sagt er. Bereut habe er nie, den Job gekündigt zu haben, um nun Autor und Verleger zu sein. „Mein gutes Gefühl kann mir keiner mehr nehmen.“