Düsseldorfer Partymeile: "Ich will die alte Bolkerstraße zurück"

Partymeile in Düsseldorf: "Ich will die alte Bolkerstraße zurück"

Das sagt Schlüssel-Chef Karl-Heinz Gatzweiler - und mehrere Brauerei-Chefs fordern mit ihm ein Umdenken in Bezug auf die Sicherheitslage an der berühmtesten Partymeile Düsseldorfs. Allerdings hatte die längste Theke der Welt immer schon ihre Probleme.

Der Chef der Brauerei Schlüssel, Karl-Heinz Gatzweiler, befeuert die Debatte um die Entwicklung der Altstadt. "Ich wünsche mir meine alte Bolkerstraße zurück, wo man unbeschwert feiern und sorglos genießen kann", sagt Gatzweiler, dessen Familie das Stammhaus an der Partymeile vor mehr als 80 Jahren gekauft hat. Der Brauereichef beschwert sich über die Sicherheitslage - und fordert mehr Unterstützung durch die Polizei. "Von Polizeipräsident Norbert Wesseler wünsche ich mir konsequenteres Durchgreifen", so Gatzweiler in unserer Sonderbeilage "Wünsche für 2018". Er fordert: "Verstöße gegen Recht und Ordnung müssen härter geahndet werden."

Der Appell kommt am Ende eines Jahres, in dem die Altstadt immer wieder in die Schlagzeilen geriet. Es ging um die Sicherheitslage an Silvester, um Aufsehen erregende Straftaten - und immer wieder um die Frage, wie sich der Aufenthalt sicherer gestalten lässt. Oberbürgermeister Thomas Geisel brachte ein Alkoholverkaufsverbot an Kiosken ab 22 Uhr ins Spiel. Die Polizei unterstützt das Vorhaben. Sie verweist aber auch auf die Statisik, die sich gerade im vergangenen Jahr deutlich gebessert habe: Die Altstadtbeamten werden an jedem Wochenende von der Bereitschaftspolizei verstärkt, auch die Ausweitung der Videobeobachtung habe zu einem Rückgang der Kriminalität geführt, heißt es. Allerdings registriere man bei einzelnen Delikten zunehmende Brutalität.

Schumacher-Juniorchefin Thea Ungermann versteht Gatzweilers Wunsch dennoch. Auch die Wirtin des "Goldenen Kessels", die in der Altstadt aufgewachsen ist, erinnert sich an schönere Zeiten. "Das Niveau ist gesunken", meint sie. Zu viele Partyschuppen setzten auf Junggesellenabschiede und englische Wochenendtouristen, viele Düsseldorfer würden abgeschreckt. Auch der Alkoholkonsum habe sich verändert. "Es wird mehr niveaulos getrunken."

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Wirtskollege Peter Klinkhammer (Dä Spiegel) findet die Kritik hingegen übertrieben. "Die Altstadt war nie so sicher wie heute", meint er. Als er 1988 angefangen habe, habe es viel mehr Schlägereien in dem Amüsierviertel gegeben. Die Polizei sei inzwischen sehr präsent. Das Problem sei, dass diese Nachricht nicht ankomme. Klinkhammer sieht ein anderes Phänomen: "Die Menschen, gerade die älteren, haben heutzutage mehr Angst." Dies habe sich etwa auch bei der Rheinkirmes gezeigt. Damit müsse man umgehen.

Fest steht: Auch frühere Zeiten waren nicht allzu harmonisch - die Sicherheitsdebatte ist ein Dauerbrenner. Schon in den 1970er Jahren klagten die Anwohner über Lärm, Dreck und Drogenhandel. Mit rund 2000 Straftaten im Jahr übertraf die Altstadt die Reeperbahn. "Wo dem Anschein nach die Altbier-Gemütlichkeit nicht kleinzukriegen ist, kommandieren zusehends Rocker und Zuhälter, haben Schläger und Gangster bereits einen guten Teil des romantischen Terrains im Griff", schrieb 1976 der "Spiegel" und verglich das "Düsseldorfer Amüsierrevier" mit dem - seinerzeit brandgefährlichen - Frankfurter Bahnhofsviertel. Der damalige Düsseldorfer Bundestagsabgeordnete Manfred Geßner soll gesagt haben, die Altstadt sei "auf einem bedenklichen Weg".

(RP)