Sven Skoda: Düsseldorfer Neonazi in U-Haft

Sven Skoda: Düsseldorfer Neonazi in U-Haft

Ein Ermittlungsrichter in Koblenz hat dem 34-jährigen Sven Skoda am Mittwoch den Haftbefehl verkündet. Ihm wird unter anderem die Unterstützung der kriminellen Vereinigung "Aktionsbüro Mittelrhein" vorgeworfen, in deren Hauptquartier er seit August offiziell gewohnt hat.

Seine Rede bei einem Neonazi-Aufmarsch Anfang März in Münster dürfte vorerst die letzte gewesen sein. Sven Skoda, rechtsextremer Lautsprecher seit seinen Teenager-Tagen, ist für weitere Termine dieser Art durch Untersuchungshaft verhindert.

Ermittlungsverfahren sind dem 34-Jährigen nicht fremd. Doch in der Vergangenheit waren Verfahren wegen Volksverhetzung, Beleidigung oder der Verwendung verfassungswidriger Kennzeichen meist eingestellt worden. Doch die Standard-Palette im Strafregister eines gewöhnlichen Neonazis ist im Vergleich zu den Vorwürfen der Staatsanwaltschaft Koblenz harmlos: Sie hält Skoda für einen von 33 Männern und Frauen, die sich in unterschiedlicher Weise für eine kriminelle Vereinigung starkmachten. Das "Aktionsbüro Mittelrhein", seit etwa acht Jahren bei Nazi-Aufmärschen bundesweit aktiv, steht seit Mitte 2010 im Fokus der Koblenzer Ermittler. Die sehen im Betätigungsfeld des Nazi-Clubs Schwerpunkte im "Ausspähen des politischen Gegners" und dem "offen gewalttätigen Vorgehen gegen Angehörige der Linken Szene".

Im Rahmen einer Razzia gegen Mitglieder der Gruppe war am frühen Dienstagmorgen auch Skodas Unterschlupf in Düsseldorf durchsucht und umfangreiches Datenmaterial sichergestellt worden. Offiziell hatte sich der studierte Softwarespezialist vergangenen August aus seiner Wohnung in Eller abgemeldet und war ins "Braune Haus" nach Bad Neuenahr gezogen, die Zentrale des "Aktionsbüros". Doch offenbar hatte er weiter eine Unterkunft in Düsseldorf, von wo er zur Arbeit bei einem Hildener Software-Unternehmen fuhr und wo er am Dienstag festgenommen wurde.

Schon als Gymnasiast in Derendorf hatte Skoda aus dem Kinderzimmer der elterlichen Wohnung über ein Nationales Infotelefon braunes Gedankengut verbreitet. Seine Bandansagen an "Deutsche Volksgenossen" gehörten laut Verfassungsschutzbericht damals zu den "meist abgehörten" ihrer Art. Spezialist Skoda nutzte bald auch modernere Techniken, veröffentliche im Internet etwa einen "Düsseldorfer Beobachter". Das "parteiunabhängige Fanzine für den Nationalsozialisten" verkündete nach dem Sprengstoffanschlag am Wehrhahn, bei dem im Juli 2000 neun jüdische Übersiedler aus den ehemaligen GUS-Staaten teils schwer verletzt wurden, die Einsetzung eines "Ermittlungsausschuss Bombenstimmung in Düsseldorf".

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In einer aus dem örtlichen Kreisverband der verbotenen Freiheitlichen Deutschen Arbeiterpartei FAP hervor gegangenen "Freien Kameradschaft" sammelte Skoda als Kameradschaftsführer Skinheads um sich, mit denen er von einem Aufmarsch zum nächsten fuhr, pflegte dabei enge Kontakte zu führenden Köpfen der bundesweiten Nazi-Szene und zur NPD. Skoda organisierte auch die Nazi-Aufmärsche im Herbst 2000 und an Pfingsten 2006 in Düsseldorf, bei der auch der ebenfalls am Dienstag festgenommene Kölner Rechtsextremist Axel Reitz einen Vortrag hielt. Die Kameradschaft löste sich, durch Skodas Auslandsstudium in Venlo führerlos geworden, später auf.

Seit Jahren führte Skoda Dossiers über politische Gegner und unliebsame Journalisten, veröffentlichte Fotos und Privatadressen auch von Staatsschutz-Polizisten. Gut möglich, dass seine Informationssammlung zu dem umfangreichen Material gehört, das jetzt die Koblenzer Staatsanwaltschaft auswertet. Auch in Düsseldorf sei "Datenmaterial sichergestellt" worden, bestätigte deren Sprecher gestern.

In Düsseldorf hielt sich Skoda in den vergangenen Jahren zurück, reiste als Gastredner bei Nazi-Aufmärschen durchs ganze Land, profilierte sich als Logistiker und Mobilmacher in der Szene. Wenige Wochen nach der Entdeckung der Mordserie, die thüringische Neonazis aus ihrem Versteck in Zwickau begangen hatten, organisierte er ungerührt einen Nazi-Aufmarsch — an Heiligabend in Bielefeld. Ein Zusammenhang zwischen dem kriminellen Aktionsbüro und dem Terror-Trio besteht nach bisherigen Erkenntnissen der Koblenzer Ermittler nicht.

(RP/jco)