Düsseldorfer Männer in den besten Jahren werden immer modebewusster

Modebewusst: Mann trägt Gelb-Grün-Rot

Die modebewussten Baby-Boomer kommen nun in das Alter, das man einst gesetzt nannte. Mit Folgen fürs Straßenbild: Denn die Männer dieser Jahrgänge trauen sich, Farbe zu bekennen

Es mag dem Einfluss der mode-affinen Stadt Düsseldorf geschuldet sein – aber auf jeden Fall nimmt die Zahl der männlichen grauen Mäuse deutlich ab. Wobei sie eigentlich weniger grau als mehr beige waren. Sie wissen, was gemeint ist, oder? Grau- oder weißhaarige Herren über 50, offenbar fest entschlossen,  angesichts zunehmenden Alters optisch nicht mehr aufzufallen. Beige Schuhe oder Sandalen, beige Hose (der Saum im Sommer groteskerweise gern weit über dem Knöchel endend),  unauffälliges Hemd und – die Krönung! – eine beige Weste, übersät von einem Dutzend Taschen unterschiedlicher Größe, einige mit Reißverschluss. Einziger Farbtupfer waren häufig die blau-roten Streifen der ansonsten weißen Tennissocke. Dabei galt schon immer: Beige ist keine Farbe, eher ein Zustand. Als Barack Obama zu seinen Präsidentenzeiten mal im beigen Anzug eine flammende Rede gegen Terror des IS hielt, höhnten die Republikaner nachher, in Beige könne man keinen Krieg gewinnen. Vermutlich stimmt das.

Bisweilen wurde dieses Beige noch ein wenig variiert zu einer Tönung, von der Anstreicher grinsend sagen, bei ihnen heiße sie Hornhaut-Umbra. Aber die gute Botschaft ist: Die Zahl solcher derart unter-colorierten Männer sinkt. Mann bekennt sich zu Farbe. Leider ist das bisweilen kein Fortschritt: Die rote Hose aus leichtem Stoff zu schwarzen Schuhen und einem wild gemusterten Pullunder kann bestenfalls als Versuch bemitleidet werden, beim Outfit dem Farblosen zu entkommen.

Auch das groß karierte Beinkleid ist mit Vorsicht anzuziehen. Auf dem Golfplatz, zwischen dem 1. und dem 18. Loch,  mag sie passen wie Schuhe mit Bömmelchen, aber nicht außerhalb dieser auch sonst mit Recht geschützten Zone.

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Kurios: Bei manchen muss es, womöglich wegen jahrzehntelanger Gewohnheit nach wie vor eine Krawatte sein. Das ist schwer nachvollziehbar, wenn die Karriere vorbei und ein Leben im Ruhestand ohne Meetings und Repräsentation zu genießen ist. Zumal Krawatten, vor allem solche mit Hundemuster, spätestens seit den bizarren Auftritten dieses Zausels von der AfD zum No-Go wurden. Vor allem, weil er offenbar nur eine einzige besitzt und auch das Jackett (in der Farbe der politischen Gesinnung) nur wechselt, wenn es ihm beim Baden im See geklaut wird.

Nun ja – brauner Hygienemangel ist aber hier nicht das Thema, sondern der Umgang mit lebensbejahenden Tönen. Mehr und mehr sieht man sie an entspannt auftretenden Herren: Blau, Gelb, Grün, Rot, geschmackvoll abgestimmt, altersgerecht kombiniert, also nicht schreiend, sondern dezent. Wenn oben schon Schnee liegt, darf es im Tal noch grünen, brachte uns einst der lebensfrohe Schwiegervater bei, und wir wollen mal hoffen, dass er damit auch Kleidung meinte. Also Hosen, Hemd, Socken, Weste eben nicht gefärbt wie Einheitsbrei, sondern in warmen Tönen. Dazu schicke Schuhe, gern im Nostalgielook und lässige  Windjacken statt dieser unsäglichen Westen, sommers ein leichter weißer Strohhut.

Im Grunde ganz einfach, allerdings meist ohne die sanft leitende Hand der Partnerin nicht ohne Weiteres zu realisieren. Weil Männer dazu neigen, beim Griff in den Farbtopf daneben zu packen.

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