Düsseldorfer Lehrer sieht sechs Wochen Ferien als Herausforderung

Lehrerkolumne : #Sommerferien

Sechs Wochen ungeplanter Möglichkeiten können eine ziemlich große Herausforderung darstellen.

Die Schüler und Schülerinnen des Wim-Wenders-Gymnasiums werden alle von der Schulleitung in die Sommerferien verabschiedet. Lachend und erwartungsvoll verlassen sie das Schulgelände und schlendern einzeln oder in Gruppen davon in den Sommer.

Wie beim ersten Mal (2018) hat die Szene etwas von Abschied – allerdings positiv konnotiert. Vorbei sind die letzten Schultage voller organisatorischer Hürden, langer Konferenzen und teils unmotivierter Schüler. Als Lehrer, der einigermaßen frisch im Berufsleben steht, blicke ich auf sechs Wochen voll ungeplanter Möglichkeiten, hinter mir der strukturierte Alltag.

Was tun mit dieser Zeit? Für Nicht-Lehrer ist es eine Luxusfrage. „Wohin fährst du in den Ferien?”, ist die meist gestellte Frage, ausgesprochen, ohne die Folgen zu bedenken. Diese eine Frage birgt so viele Möglichkeiten: ein ausgedehnter Wanderurlaub mit Rucksack und Zelt in Skandinavien. Alternativ ein Roadtrip mit dem Auto nach Mazedonien.

Die Reise beginnt im Kopf, heißt es. In meinem ploppen gerade mannigfach traumhafte Orte und exotische Ziele auf. Vielleicht sollte ich lieber kurze Kulturtage in den schönsten Städten Europas planen. Andererseits liebe ich die wilde ungebändigte Natur in den Tropen.

Die Länge des Sommerurlaubs birgt eine Tücke: Man muss sich entscheiden. Bis zu 200 Entscheidungen trifft ein Lehrer pro Tag während der Arbeit (habe ich mal gelesen): Wen nehme ich dran? Wie reagiere ich auf diese Unterrichtssituation? Jetzt in den Ferien fällt es mir schwer, eine weitere zu treffen. Vielleicht bleibe ich einfach hier und genieße die freie Zeit, ohne „Ja” oder „Nein” und lasse mal andere Menschen die Entscheidungen treffen.

Autor Lutz Tomala unterrichtet am Wim-Wenders-Gymnasium in Oberbilk.

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