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Düsseldorfer Kinderzirkus im Leichtathletikverein DJK

Kinderzirkus in Düsseldorf : Junge Artisten proben für ihre Auftritte

Beim Zirkustheater des DJK Leichtathletikclub lernen Kinder ab acht Jahren die Grundlagen der Zirkuskunst. Die junge Gruppe sucht noch aktive Mitglieder.

Sieben Mädels zwischen acht und zehn Jahren wuseln durch die Sporthalle der Kindertagesstätte Die Wawuschels in Bilk. Sie laufen auf Stelzen, fahren mit dem Einrad. Andere üben Radschlag und Flugrolle auf einer Mattenbahn, drehen Teller oder üben mit Pois. Eine kleine Schlang hat sich vor der Trapezstange gebildet, an der Mia Scherrer gerade einige akrobatische Figuren turnt. Ihre Freundinnen rufen ihr zu. Mias Vater und gleichzeitig Trainer, Marcel Scherrer, hat neben Lob auch einen Tipp: „Streck den rechten Fuß mehr durch, dann sieht es schöner aus.“

Mia und ihre Freundinnen sind teil eines Zirkusprojekts für Kinder ab dem Jahrgang 2010, dass Marcel Scherrer gemeinsamt mit dem DJK-Leichtathlethikclubs ins Leben gerufen hat. Seit zwei Jahren übt der ausgebildete Artist mit den Mädchen – früher waren auch Jungs dabei, und er hofft, bald wieder männliche Nachwuchsartisten zu finden. „Der Zirkus bietet auch für Kinder schon viele Möglichkeiten und ein breites Bewegungsangebot“, so Scherrer. Jede der Teilnehmerinnen finde etwas, was sie besonders gut kann: Sei es nun die Arbeit am Trapez, Jonglage oder Akrobatik.

Scherrer selbst betreibt die Zirkuskunst seit seiner Jugend. „Ich finde es schade, dass heute viele Kinder gar nicht mehr mit dieser faszinierenden Welt in Kontakt kommen“, sagt der 41-Jährige, der inzwischen als Medienproduzent arbeitet – unter anderem für Artisten. „So ist der Kontakt erhalten geblieben“, erzählt er.

Seine Tochter Mia hat die Begeisterung ihres Vaters offenbar geerbt: Geschickt und selbstbewusst zeigt sie sich am Trapez, hängt Kopf über von der Stange. „Genau wie der Papa“, lacht sie, bevor sie sich elegant abschwingt und losläuft: Sie hat entdeckt, dass die Stelzen gerade frei geworden sind.

Marcel Scherrer leitet zu Beginn jeder Stunde das gemeinsame Aufwärmen, danach darf jedes Kind selbst aussuchen, was es üben möchte. Scherrer steht mit Rat und Hilfestellung zur Seite, wenn nötig. Vieles bringen sich die Kinder aber auch gegenseitig bei. „Ich finde es schön, wie sie sich zusammen verbessern“, sagt der Artist, der sichtlich stolz auf seine junge Truppe ist.

Zurecht: Als „Zirkuskatzen“ hatte die Gruppe bereits erste Auftritte vor ihren Familien, aber auch vor den Kindern der Kita, deren Räumlichkeiten sie benutzen. „Da haben die Eltern super mitgearbeitet, etwa die Kostüme engefertigt“, freut sich Scherrer. Einige der Eltern unterstüzten ihn auch während der Trainingseinheiten. Eine davon ist Karen Schröter, ihre Tochter Valentina ist seit einem Jahr dabei. „Mehrere ihrer Freundinnen haben beim Zirkusprojekt mitgemacht, da konnte ich sie kaum zurückhalten“, sagt die Mutter. Es sei ein schönes Hobby und für die Kinder ein echtes Erlebnis.

Das bestätigt auch Marcel Scherrer: „Anders als in anderen Sportarten gibt es im Zirkus ein Gegeneinander. Alle Kinder arbeiten zusammen, um an Ende eine Show auf die Beine zu stellen. Wenn sie am Schluss dann gemeinsam auf der Bühne stehen, ihren Applaus bekommen und sich verbeugen, dann hat sich die Arbeit für alle gelohnt“, erzählt der Trainer. Bis die ersten Auftritte möglich waren, mussten die kleinen Artisten viel üben: Auf den Matten das Rad, die Radwende und die Doppelrolle, am Trapez Figuren wie das Vogelnest, den Stern und den Engel. Scherrer hat eine Mappe mit selbst gezeichneten Skizzen dabei, aus denen sich die Kinder die Übungen aussuchen können, die sie als nächstes einstudieren wollen. „Das klappt alles schon sehr flüssig“, sagt der Artist mit einem zufriedenen Blick auf seine Mannschaft. Manche Fähigkeiten prägen sich jedoch erst aus, wenn die Kinder etwas älter sind. „Mit der Jonglage müssen wir noch warten, bis die Koordination sitzt“, so Scherrer. Auch deswegen will er weiter machen: „Ich möchte die Truppe zusammenhalten, erweitern und zusehen, wie sie als Artistengruppe wächst und immer besser wird“, hat er sich vorgenommen. Auch deswegen holt Scherrer sich regelmäßig Verstärkung von aktiven, professionellen Artisten. „Die können den Mädchen dann noch Dinge zeigen, die auch über meine Fähigkeiten hinausgehen“, lacht er.