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Düsseldorfer Jugendsinfonieorchester: Puccini nach den Hausaufgaben

Düsseldorfer Jugendsinfonieorchester : Puccini nach den Hausaufgaben

Das Jugendsinfonieorchester und Gesangsstudenten führten die „Butterfly“ auf.

„Madama Butterfly“ von Giacomo Puccini gehört zu den besonders herzzerreißenden Liebestragödien der italienischen Oper. Vor allem stellt das Werk hohe Ansprüche an Sänger und Orchester. Eigentlich ist das absolutes Profi-Repertoire. Doch das Jugendsinfonieorchester (JSO) der Tonhalle studierte das Stück ein, vokal besetzt war die konzertante Aufführung mit Gesangsstudenten der Düsseldorfer Robert-Schumann-Hochschule. Das Ergebnis begeisterte.

Am Pult stand diesmal nicht der hauptamtliche JSO-Dirigent Ernst von Marschall, sondern ein Gastdirigent aus Italien: Stefano Rabaglia. Unter seiner Leitung entwickelten die jungen Musiker den emotional aufgeladenen und gleichzeitig federnden Puccini-Klang. Das JSO ist nicht mal ein Musikstudenten-Orchester, sondern ein aus Schülern bestehendes Ensemble. Die Teenager müssen ihre Probenarbeit irgendwo zwischen Schule und Hausaufgaben terminieren. Vor diesem Hintergrund war die nun in der Tonhalle erbrachte Leistung geradezu mirakulös.

Im abgedunkelten Konzertsaal entwickelte sich das farbige Flair italienischer Opernromantik. Die Sänger standen auf einer provisorisch anmutenden kleinen Empore zwischen Orchester und dem leer gehaltenen Chorparkett. Eine Inszenierung gab es nicht, dafür aber zu den Figuren passende Bekleidung. Butterflys treuloser Bräutigam Pinkerton, ein amerikanischer Marineoffizier, trug weiße Hosen und einen blau-weiß gestreiften Matrosen-Pulli. Tenor Bryan Lopez Gonzalez sang die Partie mit großer Geschmeidigkeit. Ihm gelang es in dem begrenzten Rahmen der rein konzertanten Aufführung mit Mimik und Körpersprache den Pinkerton als leidenschaftlichen, aber charakterschwachen Luftikus darzustellen.

In der stimmlich sehr fordernden Titelrolle der Butterfly überzeugte Sopranistin Katharina Woesner, Stipendiatin des Düsseldorfer Wagner-Verbands, sowohl vokal als auch bei der Ausgestaltung der Figur. Das Schwierige ist ja, zugleich Stimmkraft als auch Verletzlichkeit zu zeigen. Beides gelang ihr eindrucksvoll. Auch die etwas kleineren Partien waren ausgezeichnet besetzt, etwa mit dem Bariton William Drakett als US-Konsul und Eva Marti in der Rolle der Butterfly-Vertrauten Suzuki. Schlicht, aber dennoch aussagekräftig wurde in dieser Aufführung die Selbsttötung der Butterfly visualisiert: Sie zog sich ein schwarzes Tuch über das Gesicht. Verglichen mit Luxus-Produktionen wie der an der Rheinoper müssen bei einem Abend wie diesem freilich ein paar Verzichtsübungen unternommen werden. Dennoch besaß das Ganze einen ganz eigenen, jugendlichen Zauber, allein deswegen, weil alle Beteiligten ein Stück über sich hinauswuchsen.

Zum Schluss brach im Saal sehr berechtigter Jubel aus.