1. NRW
  2. Städte
  3. Düsseldorf

Düsseldorfer Hauptbahnhof: Neue Wohnungen, Hotels und andere Bauvorhaben

Wandel im Bahnhofsviertel : Das sind die großen Bauvorhaben rund um den Düsseldorfer Hauptbahnhof

Das Bahnhofsviertel der Landeshauptstadt wird sein Gesicht bald stark verändern. Neue Wohnungen und neue Hotels werden gebaut, und auch der Vorplatz soll ein neues Gesicht erhalten. Wir geben einen Überblick, was geplant ist und wie der Zeitplan der einzelnen Projekte aussieht.

Neuer Radweg Auf einer Länge von 1,3 Kilometern soll an der bis zu siebenspurigen Verkehrsachse neben dem Bahnhof ein durchgehender Radweg entstehen. Der 1,60 Meter breite Streifen soll die Sicherheit der Radfahrer erheblich verbessern – und eine wichtige Lücke bei der Anbindung der Außenstadtteile an die Innenstadt schließen. Das Prestige-Projekt für eine Verkehrswende kostet drei Millionen Euro; der Betrag beinhaltet allerdings auch andere Arbeiten von neuen Verkehrsinseln über eine Erneuerung der Fahrbahn bis zu Verbesserungen für Mobilitätseingeschränkte. Der Stadtrat hat bereits vor genau einem Jahr seine Zustimmung gegeben. Zu sehen ist aber noch nichts. Im Rathaus spricht man von „technischen Verzögerungen“ und „Optimierungsbedarf“. Wie es heißt, sollen die Arbeiten aber noch in diesem Jahr starten.

Fernbusbahnhof Der Fernbusbahnhof gilt als zu eng und als wenig einladend. Daher hatte es eine politische Diskussion um einen Umzug gegeben, im Gespräch waren der Flughafen und der Südpark. Inzwischen ist klar, dass der Standort am Hauptbahnhof beibehalten werden soll. Der Fernbusbahnhof ist aber ein Teil der aktuell laufenden Neuplanung des Bahnhofsumfeldes. Das bedeutet, er könnte in den kommenden Jahren neu gestaltet werden, aber es liegen keine konkreten Pläne vor.

Grand Central Auf dem ehemaligen Gelände der Paketpost zwischen Erkrather und Kölner Straße entsteht eines der spannendsten Wohnbauprojekte der Stadt. Der Abriss der Postgebäude läuft bereits, danach soll der Hochbau beginnen. Der Investor Catella will 1000 Wohnungen errichten und investiert 500 Millionen Euro. Catella-Chef Klaus Franken nennt als Zielgruppe den „gehobenen bis unteren Mittelstand“. Es gibt Eigentumswohnungen, frei finanzierte, preisgedämpfte und öffentlich geförderte Wohnungen. In drei Hochhäusern, die je 60 Meter hoch sein werden, sind 300 Wohnungen vorgesehen. In vermutlich zweien werden Eigentumswohnungen entstehen. 4000 bis 9000 Euro pro Quadratmeter sind als Kaufpreis zu erwarten.

Das Grand Central bringt 1000 neue Wohnungen in das Bahnhofsviertel – und eine neue Klientel. Foto: Catella

Im Quartier dominieren Zwei- und Drei-Zimmer-Wohnungen, viele Mieten sollen unter dem Schwellenwert 1000 Euro liegen, dazu gibt es 37 Town­houses für junge Familien. Zur Planung gehören auch zwei Kindertagesstätten. Das Quartier soll durch eine Tiefgarage autofrei werden. Es gibt begrünte Innenhöfe, Plätze und einen Boulevard für Fußgänger, zudem Gastronomie, Supermarkt, ein Hotel und eine „Quartierslounge“, wo die Bewohner Pakete, Kleidung für die Reinigung abgeben können. 2020 sollen die ersten Wohnungen bezogen werden, die Hochhäuser werden 2022 fertig.

Neue Zentralbibliothek Das „KAP 1“ – die Abkürzung für die Adresse Konrad-Adenauer-Platz 1 – soll nicht nur eine Zentralbibliothek nach modernen Anforderungen werden, sondern auch ein Kulturzentrum mit Bühne und Ausstellungsfläche. Auf insgesamt rund 25.000 Quadratmetern Mietfläche wird in dem ehemaligen Postgebäude eine Bibliothek mit mehr Platz als am jetzigen Standort und erheblich mehr Besucher-Arbeitsplätzen realisiert. Für das Forum Freies Theater (FFT) wird eine Bühne eingezogen. Zudem wird das Theatermuseum einziehen. Die Stadt investiert 16,5 Millionen Euro. Die Stadt und der Vermieter, das Versorgungswerk der Zahnärztekammer Nordrhein, planen, dass die bereits laufenden Arbeiten bis Ende 2020/Anfang 2021 abgeschlossen sind. Ein gläsernes Foyer soll das schmucklose Gebäude optisch aufwerten. Im Erdgeschoss zieht unter anderem ein Lidl-Markt ein.

Die Zentralbibliothek zieht in das alte Postgebäude. Es wird durch ein Glasfoyer optisch aufgewertet. Foto: RKW Architektur + (Düsseldorf)

Friedrich-Ebert-Straße Bereits seit Jahren läuft das Projekt „Ekiso“, das die Straßen rund um den Bahnhof aufwerten soll. Insbesondere geht es dabei um die drei großen Achsen zwischen Bahnhof und Innenstadt: Immermannstraße, Friedrich-Ebert-Straße und Bismarckstraße. Seit dem Frühjahr laufen Arbeiten an der Ebert-Straße, die aus diesem Projekt entstanden sind: Das 200 Meter lange Teilstück zwischen Bahnhofsvorplatz und Karlstraße wurde komplett erneuert, auf dem weiteren Verlauf sollen etwa die Beleuchtung verbessert und Fahrradständer geschaffen werden. Im Zuge der Neuplanung für den Bahnhofsvorplatz ergeben sich neue Chancen: So soll der Eigentümer der Immermannhöfe bereit sein, über einen Abriss des Gebäudeteils zu verhandeln, der die Sichtachse zwischen Bahnhofsausgang und Immermannstraße versperrt.

Das Stück der Friedrich-Ebert-Straße direkt vor dem Bahnhof wurde erneuert. Foto: Arne Lieb

Neues Hochhaus Zu den städtebaulich interessanten Vorhaben gehört das Hochhaus, das direkt an den Gleisen zwischen Bahnhofsgebäude und UFA-Palast entstehen soll, also auf dem Gelände der geschlossenen Discothek „Rheingold“. Das bis zu 100 Meter hohe Gebäude, das das Stadtbild prägen wird, gilt als Bedingung der Bahn für einen Start der Vorplatz-Neuplanung, da sich diese Lage hervorragend vermarkten lässt. Wie das Hochhaus aussehen wird, ist noch nicht klar. Auf den Wettbewerbs-Animationen für den Bahnhofsvorplatz ist der Hochpunkt zwar mit Blick auf eine homogene Gesamtplanung immer mit berücksichtigt worden, allerdings sind diese Entwürfe auch noch keine finalen Vorschläge 2026 könnte das Hochhaus stehen, hieß es im Frühjahr.

Der Entwurf von Planorama überzeugte mit seinen Ideen für den Bahnhof und die Integration des neuen Hochhauses. Foto: PLANORAMA Landschaftsarchitektur

Konrad-Adenauer-Platz Das Herzstück der Neuplanung ist der Bahnhofsvorplatz. Seit Jahrzehnten gilt er als Problem, nun scheint sich eine realistische Chance auf eine Veränderung zu ergeben. Das Verfahren ist formal komplex. Grundlage ist, dass Stadt und Bahn eine Zusammenarbeit schriftlich fixiert haben. Bei einem Wettbewerb wurden zwei Siegerentwürfe gekürt, die auf verschiedene Fragestellungen jeweils die beste Antwort liefern. In die Vorgaben waren auch die Ergebnisse der Bürgerbeteiligung eingeflossen. Die Planung der Arbeitsgemeinschaft GTL und Partner punktete vor allem durch die Platzgestaltung. Dahingegen zeigte das Team Planorama und Partner die beste Idee für das geplante Hochhaus für einen „Bahnhof der Zukunft“. Die Stadt verhandelt nun mit allen Beteiligten. Im kommenden Jahr soll dann aus den Ideen eine belastbare Planung werden, die dem Stadtrat zum Beschluss vorgelegt wird. Die heikle Frage der Finanzierung wurde bislang ausgespart. Ab 2020 könnten erste Teile der Planung umgesetzt werden, einen Termin für die endgültige Fertigstellung gibt es noch nicht.

Der Entwurf von GTL und Partnern punktete für die Ideen für die Platzgestaltung. Nun wird mit den beiden Wettbewerbssiegern weiter verhandelt. Foto: GTL Michael Triebswetter Landschaftsarchitekt (Kassel) mit Vössing Ingeneurgesellschaft mbH (Düsseldorf) und RKW Architektur + (Düsseldorf),(c)GTL Michael Triebswetter Landschaftsarchitekt (Kassel) mit Vössing Ingeneurgesellschaft mbH (Düsseldorf) und RKW Architektur + (Düsseldorf)

Hotels an der Harkortstraße Der Investor GBI baut auf dem ehemaligen Gelände der Verladestation für Auto-Reisezüge drei Hotels: ein „Adina“ (201 Longstay-Apartments, am nächsten zum Bahnhof), 219 Zimmer im „Hampton by Hilton“ in der Mitte, 297 Zimmer im „Premier Inn“ am Mintropplatz. Im Erdgeschoss ist Gastronomie vorgesehen, zum Projekt gehört auch ein neuer Durchweg in Richtung Mintropplatz. Eigentlich sollten auch Studenten-Wohnungen entstehen, dies scheiterte aber an zu hoher Lärmbelastung. Der Abriss läuft bereits. Fertiggestellt werden die drei Hotels nach aktueller Planung bis zum Sommer 2021. Die Baugenehmigung und der Baustart werden für Frühjahr 2019 erwartet.

An der Harkortstraße entstehen drei Hotels verschiedener Ketten – und eine neue Straße. Foto: GBI/greeen! architects

Bertha-von-Suttner-Platz Auch der Hinterausgang des Bahnhofs gilt mit seinen dunklen Ecken und dem teilweise heruntergekommenen Erscheinungsbild als verbesserungswürdig. Daher ist er auch Teil des Verfahrens zu einer Umgestaltung. Erste kleine Fortschritte wie eine bessere Beleuchtung oder die Reparatur der großen Bahnhofsuhr sind bereits zu sehen, die Planungen für weitere Verbesserungen verlaufen aber zäh. Ein Grund ist, dass der große Gebäudekomplex hinter dem Bahnhof auf eine Vielzahl von Eigentümern aufgeteilt ist, die nicht unbedingt dieselben Interessen haben. Ein Einschnitt wird der Wegzug der Zentralbibliothek an den Konrad-Adenauer-Platz.

Mintropplatz Auch der Platz zwischen Mintropstraße und Bahnbrücke, einer der größten Trinkertreffs der Stadt, soll von dem Wandel ringsum profitieren. Durch das benachbarte Hotelprojekt entsteht eine engere Anbindung zwischen dem Hauptbahnhof und dem Mintropplatz, zudem soll der Platz neu gestaltet werde. Daran beteiligt sich auch Hotel-Investor GBI. Die Stadt kündigt kurzfristige Verbesserungen an, die zum Entwicklungsprojekt Ekiso gehören und noch in diesem Jahr starten sollen. Dazu zählt eine intensive Grundreinigung und anschließend häufigere Besuche der Awista. Mittelfristig soll sich der Platz spürbar verändern. Dazu fehlen aber noch politische Beschlüsse. (arl)