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Düsseldorfer Filmproduzent Henschke arbeitet an Transgender-Drama

Aus Gerresheim nach Hollywood : Filmemacher Frank Henschke will neuen Coup landen

Der Düsseldorfer Filmproduzent Frank Henschke war schon für einen Oscar und den Golden Globe nominiert. Jetzt dreht er einen Film nach einer wahren Transgender-Geschichte, die ihren Ursprung in den 1980er Jahren in Düsseldorf hat.

Spürsinn und Geduld - diese Eigenschaften braucht Frank Henschke zuallererst, um in seinem Beruf erfolgreich zu sein. Der Düsseldorfer Filmproduzent landete 2016 seinen bisher größten Coup. Das berührende Drama „Mustang“ gewann den Europäischen Filmpreis, war für den „Golden Globe“ und den Auslands-“Oscar“ nominiert. „Sehr ungewöhnlich für ein Erstlingswerk“, sagt er.

Als er bei einem Filmfestival im griechischen Thessaloniki die Regisseurin Deniz Gamze Ergüven traf, war er sofort von ihrer Filmidee überzeugt: Fünf mutige türkische Schwestern schlagen selbstbewusst ihren eigenen Weg ein, gegen alle Widerstände. „Bei dieser Entscheidung war ich nicht frei von Emotionen“, gibt er zu. Sein Instinkt trog ihn nicht, „Mustang“ wurde in alle Welt verkauft. Spontane Beschlüsse wie dieser sind allerdings die Ausnahme in seinem Geschäft. „Der Faktor Zeit spielt eine große Rolle“, erzählt Frank Henschke. „Von der Planung bis zur Realisierung eines Film vergehen gut zwei, drei Jahre, oft noch mehr. Das muss man wissen. Und wer sich einbildet, den Geschmack des Publikums von vornherein zu kennen, der verschätzt sich.“

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Was macht denn nun ein Filmproduzent, wofür trägt er Verantwortung, welchen Einfluss nimmt er? „Das amerikanische Klischee, dass da ein reicher Mann mit Zigarre sitzt und mit dem Geld nur so um sich schmeißt, ist ein Trugschluss“, antwortet er und lacht. „Bevor ich in einen Film investiere, spreche ich mit den Autoren. Ist das Drehbuch fertig, wird überlegt, wer die Regie übernehmen soll. Eine der wichtigsten Phasen. Bei der falschen Wahl kommt irgendwann der Punkt, an dem es keine Rückkehr mehr gibt.“ Verwaltung und Finanzen müssen überdacht, die Hauptrollen besetzt werden.

Aktuell steckt er in der Vorbereitung zu den Dreharbeiten des Kinofilms „Valeska“ von Jakob M. Erwa. Eine wahre Transgender-Geschichte, die ihren Ursprung in den 1980er Jahren in Düsseldorf hat: Ein junger Mann fühlt sich im falschen Körper, strebt eine Operation an, muss aber vorher zwei Jahre als Frau leben. Eine Tante beschäftigt ihn als Mädchen in ihrem Frisiersalon, wo er von einem Pariser Model-Scout entdeckt wird und eine glanzvolle Karriere als Top-Mannequin in berühmten Couture-Häusern macht. „In diesem Film wird es viel Düsseldorfer Lokalkolorit geben“, verspricht Frank Henschke.

Er lebt gern in seiner Heimatstadt, seit dem Bau der  Rheinuferpromenade sei sie immer attraktiver geworden. Hier nahm auch seine Filmpassion ihren Anfang. „Ich wechselte von meinem Gerresheimer Gymnasium auf eine Kollegschule mit Spezifizierungen in Sport, Mathematik, Literatur - oder eben Kunst“, erzählt er. „Die hatten eine tolle technische Ausrüstung für Super-8-Filme, für die ich mich sofort begeisterte. Ab da war meine Laufbahn sehr gerade.“

Frank Henschke begann ein Filmstudium an der Fachhochschule in Dortmund und machte sich währenddessen als Produzent selbstständig, zunächst für Musikvideos und Werbespots, dann für Kinofilme. Regie zu führen, war nie sein Ziel. Den Sprung nach Hollywood schaffte er mit „Mustang“ dennoch. „Man taucht dort in eine komplette Parallelwelt ein“, sagt er. „Wer dabei nicht vergisst, dass die Realität einen bald wieder einholt, kann den ganzen Glamour viel mehr genießen.“