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Düsseldorfer Eltern fordern eine fairere Schulwahl

Bildung in Düsseldorf : Düsseldorfer Eltern fordern eine fairere Schulwahl

Die Absagen an stark nachgefragten Schulstandorten sorgen für Frust, weil Wohnort und Leistung bei der Aufnahme keine Rolle spielen. Ein Elternbündis spricht von einer Lotterie und fordert: „Der neue Rat muss handeln.“

Das Elternbündnis Düsseldorfer Grundschulen will die Anmeldungen an den weiterführenden Schulen neu organisieren. „Der Wohnort muss bei der Wahl der weiterführenden Schulen berücksichtigt werden“, sagt Gerrit Birkemeyer, einer der Sprecher der Initiative, in der sich stadtweit rund 140 Eltern engagieren. Hintergrund sind die alljährlichen Absagen an besonders nachgefragten Schul-Standorten. Dort erhält oft eine zweistellige Anzahl von Kindern nach der Anmeldung einen negativen Bescheid. Birkemeyer spricht von einer „unwürdigen Lotterie“ und fordert Konsequenzen: „In vielen Familien kommt das einem persönlichen Schicksalsschlag gleich. Stadt und Schulen müssen gesetzliche Spielräume neu nutzen.“ Die wichtigsten Fakten im Überblick.

Der Ausgangspunkt Der harte Kern der Initiative stammt aus Gerresheim. Die beiden Gymnasien vor Ort (Am Poth und Marie Curie) sind beliebt. Die Nachfrage nach einem Platz übersteigt das Angebot deutlich. So kamen im Frühjahr auf 270 Plätze an den beiden Schulen 322 Anmeldungen. 52 Jungen und Mädchen erhielten eine Absage. „Das sind 16 Prozent, wir reden hier nicht mehr von Einzelfällen“, sagt Birkemeyer. Auch sein Sohn war betroffen. Als einziger aus dem engeren Freundeskreis wurde er abgelehnt. Heute geht er in Rath zur Schule. „Er hat sich reingehängt, die Noten waren gut. Und bei der Schule haben wir uns persönlich vorgestellt. Am Ende war das alles umsonst, der Frust ist riesengroß“, sagt der Vater. Doch Gerresheim ist nicht der einzige Hotspot für Absagen. So müssen beispielsweise auch das Humboldt-Gymnasium in Pempelfort, das Comenius-Gymnasium in Oberkassel oder die Georg-Schulhoff-Realschule in Vennhausen in jedem Jahr vielen Viertklässlern ein Korb geben. Um das zu ändern, fordert die Initiative deshalb, Leistung und räumliche Nähe bei der Vergabe wieder zu berücksichtigen.

Das Verfahren Genau das geschieht derzeit nicht. Die Einschätzung der Grundschullehrer am Ende der vierten Klasse ist nicht mehr verbindlich. Der Elternwille dominiert. Nur das Land könnte das wieder ändern, die Stadt ist hier außen vor. Anders sieht das beim Thema Wohnort-Nähe aus. Schulbezirke, wie es sie früher für die Grundschulen gab, existieren für weiterführende Schulen nicht. Denkbar ist aber, dass die Schulleitungen vor Ort – zusätzlich zum Vorrang für Geschwisterkinder – weitere Kriterien bei der Auswahl berücksichtigen. Dazu zählen der „Schulweg“ sowie der „Besuch einer Schule in der Nähe der zuletzt besuchten Grundschule“. Denkbar wäre zudem, dass der Schulträger, also die Stadt, in begründeten Fällen für einzelne Standorte doch einen Einzugsbereich definiert. Vorrang hätten dann die Schüler, die in diesem Bereich wohnen. „Das ist eine Kann-Regelung, für die in ihrem Fall die Stadt Düsseldorf zuständig wäre“, teilte ein Mitarbeiter von Schulministerin Yvonne Gebauer der Initaitive mit.

Die Chancen Dass Düsseldorf diese Optionen nutzt, ist eher unwahrscheinlich. Hauptgrund sind die unterschiedlichen Schulprofile. „Es gibt Schwerpunkte im musischen, naturwissenschaftlichen und alt-sprachlichen Bereich, hinzu kommen bilinguale Angebote oder ein Schwerpunkt in der Theaterarbeit“, sagt Ralf Schreiber, Schulform-Sprecher der Düsseldorfer Gymnasien. Häufig würden Eltern und Viertklässler sich bewusst für ein bestimmtes Profil entscheiden. Dafür nähmen sie gerne den längeren Weg in Kauf, meint der Leiter des Goethe-Gymnasiums. Ein neu eingeführtes Wohnort-Prinzip würde diese bewusst gewählte stadtweite Systematik konterkarieren, betont Schuldezernent Burkhard Hintzsche. Ähnlich hatten sich zuletzt im Schulausschuss des Rates Experten aus den Fraktionen geäußert. Die Vertreter des Bündnisses überzeugt das nicht. Besonderer Stein des Anstoßes ist das Losverfahren, das meist darüber entscheidet, ob es einen Platz an der Wunschschule gibt. „Das Kind wohnt in Sichtweite der Schule, hat Top-Noten und wird dann doch über das Zufallsprinzip aussortiert – eine unwürdige Lotterie ist das“, sagt Birkemeyer. Tatsächlich halten die Düsseldorfer Schulleiter das Losen für alternativlos. Sie fürchten Klagen von frustrierten Eltern und haben die Erfahrung gemacht, dass dieses Vorgehen rechtlich unangreifbar ist. „Es mag den Betroffenen bitter aufstoßen, aber unter dem Strich ist es einfach das fairste Mittel“, sagt Schreiber.

Die Perspektiven Dagmar Wandt, Leiterin des Schulverwaltungsamtes, sieht Licht am Ende des Tunnels. „In Eller und in Grafental wird es ab 2024 neue Gymnasien geben, das wird gerade die Situation in Gerresheim entlasten“, sagt sie. Solange wollen die Eltern, die sich im Bündnis engagieren, nicht warten. „Der neu gewählte Rat muss das Thema in unserem Sinne aufgreifen“, fordern sie.