Düsseldorfer Büdchen am Zugweg „Rosenmontag ist für uns der stärkste Tag im Jahr“

Düsseldorf · Für Düsseldorfer Büdchen ist der Rosenmontag ein großes Geschäft – vor allem, wenn sie direkt am Zugweg liegen. Wir standen bei einer „Alkohol-Oase“ mit an der Kasse.

Rosenmontag in Düsseldorf: Die besten Bilder aus dem Büdchen
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Die besten Bilder aus dem Düsseldorfer Rosenmontagszug-Büdchen

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Foto: Maximilian Nowroth

Es ist 12 Uhr, Rosenmontag in Düsseldorf, der „Zoch“ wird in wenigen Minuten über die Hüttenstraße ziehen. Draußen vor dem Büdchen „La Marchandise“ postieren sich die Jecken, drinnen dreht Aladdin Saidi die Musik auf. „Man muss gute Laune haben“, sagt seine Zwillingsschwester Nadine und wippt mit. Aus den Lautsprechern grölt ein Mallorca-Sänger: „Piep piep piep, wir ham uns alle lieb. Guten Appetit und alle saufen mit!“

Es gibt Hunderte Kioske in Düsseldorf, aber bei den 27-jährigen Geschwistern herrscht hier und heute besonders viel Betrieb. Denn ihr Büdchen liegt direkt am Zug und wird so automatisch zur Alkohol-Oase für durstige Karnevalisten. „Rosenmontag ist unser stärkster Tag im Jahr“, sagt Nadine Saidi.

Die 27-Jährige ist Inhaberin des Ladens, dessen französischer Name auf Deutsch „Die Ware“ bedeutet. Und davon gibt es reichlich, hauptsächlich flüssig. Ihr Vater hilft auch mit, er hat extra die Eistruhen leer geräumt, damit der Bier-Nachschub schneller auf Trinktemperatur kommt. In den Kühlschränken rund um die Kassier-Theke steht die Ware, die heute am meisten verkauft wird: Pils, Sekt, Likör, Energydrinks. Also alles, was wirkt.

Der Weg der kostümierten Kundschaft führt meist direkt zu den Kühlschränken, die Hände nehmen, was sie tragen können, dann geht es an die Kasse. Denise und Julia kommen als Panzerknackerin und Katze, sie brauchen Nachschub für ihre Gruppe am Wegesrand. Zehn Radler, macht 18 Euro – inklusive Pfand. „Bis gleich“, sagt Saidi zum Abschied.

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Foto: Bretz, Andreas (abr)

Die Preise sind für Düsseldorfer Verhältnisse sehr fair: Bier für 1,50 Euro, eine große Flasche Sekt zehn Euro, Wasser ein Euro. „Warum mehr?“, sagt die Kiosk-Betreiberin. „Die Leute sollen wieder kommen, dann machen wir Profit über die Quantität“, sagt ihr Bruder Aladdin.

Statistisch betrachtet kommt ein Kiosk in Deutschland auf etwa 300.000 Euro Umsatz im Jahr – so steht es in der „Kioskstudie“ der Marktforschungsagentur Globis. Pro Tag landen im Schnitt also knapp 1000 Euro in der Kasse. An diesem Rosenmontag in der Hüttenstraße ist es deutlich mehr.

Zwar ist nicht so viel los wie 2023, als der Rosenmontagszug gleich zwei Mal an dem Büdchen vorbeizog. Aber trotzdem: Draußen feiern die Massen, drinnen klingeln die Kassen. Zwei junge Kerle kommen rein. Einer mit Fuchs-Kostüm und Bauchtasche, der andere mit Narrenkappe. Sie wollen Wodka und etwas zum Mischen. Aladdin Saidi reicht die 0,7-Liter-Flasche klaren Schnaps, dann geht es zur Beratung an den Kühlschrank. Narrenkappe greift eine lila Fanta. „Das kann schmecken, Bruder.“ Freund Fuchs sagt: „Das muss nicht schmecken, das muss wirken.“ Sie zahlen und ziehen feixend weiter. „Schönen Tag noch, bis gleich!“

Dann betritt ein Mann mit Uniform und Fahne den Laden, er kommt direkt aus dem Rosenmontagszug, KG „Elf vom Dörp“. „Habt ihr Klopfer? Berliner Luft?“ Nein, aber Killepitsch. „Okay, dann vier.“ Nadine Saidi hilft ihm noch beim Verpacken, dann schnell zurück ins Glied. Aus den Lautsprechern schallt ein Lied der Band Brings: „Denn mir sind all all all nur Minsche“.

Ein Mensch betritt an diesem Vormittag besonders häufig den Kiosk an der Hüttenstraße: schwarze Wollmütze, roter Kopf, holländischer Akzent. Sie kenne den Mann nicht, sagt Saidi, aber er sei jetzt schon zum sechsten Mal hier – immer aus dem gleichen Grund: eine neue 0,5-Liter-Dose Pils. Dieses Mal will der Mann mit der Chefin plaudern und macht ihr Komplimente. Ihr Vater sieht das und sagt: „Ciao Amigo, wir müssen arbeiten!“

Der Karneval tue dem Laden gut, sagt Nadine Saidi. „Aber ich als Mensch bin eher ruhig.“ Vor ihrer Zeit als Büdchen-Betreiberin war sie Stewardess bei der Fluggesellschaft Tunisair, immer unterwegs. Dann kam Corona. „Und wir haben gesagt: Yalla, wir machen einen Kiosk auf, die dürfen weiter öffnen.“ Aus der improvisierten Idee wurde ein kleines Familienunternehmen – und wenn es weiter gut läuft, will die 27-Jährige irgendwann ihren zweiten Laden aufmachen. Dann kommt auch schon der nächste Kunde. Und noch ein Lied: „Mir sin besoffe, mir sin besoffe, besoffe vör Glück“.

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