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Düsseldorfer 100-Meter-Läufer verpasste Olympiade 1952 nur knapp

Ein Mensch für die Familie und den Sport : Ein Leben für die Leichtathletik

Lange Jahre war Theo Salmen der älteste noch aktive Düsseldorfer Leichtathlet. Die Olympiade 1952 verpasste er nur knapp.

Wie viele Kilometer Theor Salmen gelaufen ist, weiß der passionierte Leichtathlet nicht. Dass es unzählige waren, steht jedenfalls fest. Denn der 90-jährige Düsseltaler war schnell. Sehr schnell. Viele Wettbewerbe und Meisterschaften hat er in der Nachkriegszeit in seiner Parade-Disziplin, dem 100-Meter-Lauf, gewonnen. An seinem großen Ziel, der Teilnahme an den Olympischen Spielen 1952 in Helsinki, scheiterte er nur knapp. „Das schien damals so gut wie ausgemacht, doch beim entscheidenden Lauf in der Vorauswahl, blieb ich unter meiner Form. Das lag nicht an der körperlichen Fitness, es war eher ein mentales Problem“, erinnert sich der Mann, der im Juli seinen runden Geburtstag feierte. 10,7 Sekunden brauchte Salmen zu Beginn der 1950er Jahre für die Königsdisziplin unter den Laufstrecken. „Bei einem Wettkampf hatten mehrere Schiedsrichter sogar 10,5 Sekunden gemessen, doch der Wert wurde nicht anerkannt“, erinnert er sich nach fast 70 Jahren.

Dass der Mann, der bis heute seinem Stammverein, dem Deutschen Sportclub Düsseldorf (DSD), treu blieb, einmal so durchstarten würde, war bei Kriegsende keineswegs ausgemacht. Sein Schicksal steht für das einer ganzen Generation. Wie viele seines Jahrgangs wurde der 1928 Geborene mit 16 Jahren als Luftwaffenhelfer eingezogen. Zu dieser Zeit war er Konfektionslehrling in der Altstadt. Die Einsätze in den letzten Kriegsmonaten setzten dem Jugendlichen zu. In einem US-Lager in Remagen erkrankte er im Sommer 1945 an Hungertyphus. Auf gerade einmal 45 Kilogramm war er abgemagert. Hinzu kam: Die elterliche Wohnung in Bilk war durch eine auf dem Hof detonierte Luftmine schwer beschädigt. So schwer, dass man dort nicht mehr leben konnte. „Pappe ersetzte provisorisch die nicht mehr vorhandenen Wände“, erinnert er sich. Der junge Theo reiste ins fränkische Miltenberg, wohin seine Mutter mit der Familie evakuiert worden war.

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Dort und später wieder in Düsseldorf kam der Jugendliche langsam zu Kräften. Halt gab ihm der Glaube. Denn Salmen stammte aus dem damals sehr präsenten rheinisch-katholischen Milieu. „Meine Eltern standen der Kirche sehr nahe, mein Vater, ein Militärschneider, konnte es trotz großen Drucks vermeiden, in die Partei einzutreten“, erzählt Salmen. Dabei half ihm seine Frau, die sich als Zeichen eines gewissen Entgegenkommens in der NS-Volkswohlfahrt engagierte, um dem Ehemann das Parteibuch zu ersparen. Theo Salmen und seine Freunde von der Düsseldorfer katholischen Jugend trafen sich in diesen Jahren auch unter den Vorzeichen der Diktatur weiter. „Sonntags kamen wir erst nach der Messe mit etwas Verspätung zu den von der NSDAP kontrollierten Veranstaltungen. Das wurde – mit einigem Widerwillen – toleriert. Ich vermute, weil wir einfach sehr gute Sportler waren“, sagt der 90-Jährige.1953 lernte der kaufmännische Angestellte, der unter anderem bei Haniel und später bei Schloemann arbeitete, seine Frau Gudula kennen. „Der Bruder einer Freundin war Kugelstoßer beim Deutschen Sportclub, er hatte uns zum Rosenmontag in den Verein eingeladen. Erst wollte ich da gar nicht hin“, erinnert sich die heute 84-Jährige. Doch die Freundin überredete sie schließlich. So traf die 19-Jährige zum ersten Mal auf ihren späteren Mann. „Trotz Karneval lief das alles sehr zurückhaltend ab, es waren damals andere Zeiten mit ganz anderen Regeln“, sagt sie.Ein Jahr später heiratete das Paar, das seit 64 Jahren miteinander verbunden ist und seit den 1950er Jahren an der Graf-Recke-Straße wohnt. „Eigentlich wollten weder meine Eltern noch ich jemals aus Oberkassel weg. Aber ein Haus konnten wir dort nicht bauen und so wechselten wir auf die andere Rheinseite“, erzählt Gudula Salmen.

Vier Kinder, vier Enkel und zwei Urenkel halten die beiden Senioren auf Trab. Ein Sohn wohnt mit im Haus. Auch das entspricht dem Geist der vier Generationen umfassenden Düsseldorfer Familie. „Bereits in meiner Jugend lebten wir hier mit unseren Eltern und unserer Großmutter“, erinnert sich die 84-Jährige. Und weil die Wohnungen 1954 noch knapp waren, blieb sie nach der Hochzeit mitsamt Ehemann und den eigenen Kindern in dem Mehrfamilienhaus wohnen. Für die Generation, die die neue Bundesrepublik mit aufbaute, war das auch das nichts Ungewöhnliches.

Viele Schätze verbergen sich in der Wohnung. Darunter ein historisches Kästchen, in dem sich einmal Schokolade der Firma Stollwerck befand. In ihm liegen unzählige Bilder aus der aktiven Zeit des Talent-Läufers aus Düsseldorf, der seinem Verein seit 69 Jahren die Treue hält. Bis zu seinem 85. Lebensjahr hat er noch trainiert, galt damals als ältester Düsseldorfer Leichtathlet. Sport treiben kann er aus gesundheitlichen Gründen nun nicht mehr. „Aber die Erinnerungen halten mich so jung, wie es bis 2014 der Sport getan hat“, sagt Theo Salmen. Seine Augen strahlen.