Düsseldorf: Zirkus Paul Busch klagt gegen Stadt wegen Wildtierverbot

Erfolg nicht unwahrscheinlich : Zirkus klagt gegen Düsseldorf wegen Wildtierverbot

Düsseldorf hatte dem Zirkus Paul Busch ein Gastspiel verweigert, weil Wildtiere zum Programm gehören. Die Klage könnte Erfolg haben: Am Dienstag war ein anderer Zirkus in ähnlicher Sache gegen die Stadt Krefeld erfolgreich.

Der Zirkus Paul Busch möchte im Herbst dieses Jahres in Düsseldorf auftreten, doch die Stadt hat die Bewerbung abgelehnt. Der Grund: Zu den Nummern des Zirkus gehört auch der Auftritt von Wildtieren, genauer gesagt von Kamelen. Dies hat die Stadt jedoch verboten. Der Zirkus ist nun vor Gericht gezogen.

Es war 2015, als der Umweltausschuss beschloss, keine Flächen mehr an Zirkusse zu vermieten, die mit Tierarten reisen, die normalerweise in freier Wildbahn leben – etwa Löwen, Bären, Elefanten oder Kamelen. Damals hatten SPD, FDP und Grüne einen entsprechenden Antrag durchgebracht, die CDU hatte sich der Stimme enthalten.

Doch nun könnte des Wildtierverbot in Frage gestellt werden: Der Zirkus Paul Busch hat eine Klage beim Verwaltungsgericht der Stadt eingereicht. Zirkusdirektor Henry Frank will das schwebende Verfahren nicht kommentieren, ist aber zuversichtlich, dass zu seinen Gunsten entschieden wird.

Beflügelt haben dürfte ihn auch der kürzliche Erfolg eines anderen Zirkus vor demselben Düsseldorfer Gericht: Am Dienstag erging ein Urteil zu Gunsten des Zirkus Charles Knie, der gegen ein Wildtierverbot der Stadt Krefeld geklagt hatte. Der Tierschutzbeauftragte des Zirkus Charles Knie, Dieter Seeger, ist auch Vorsitzender des Verbands deutscher Circusunternehmen. Er sagt, jeder kommunale Entschluss, Zirkussen mit Wildtieren im Programm den Auftritt zu verweigern, sei rechtswidrig. „Der Tierschutz in Deutschland ist Bundessache“, sagt Seeger. Außerdem, so stimmt er mit den Düsseldorfer Richtern im Fall Zirkus Knie überein, sei das Recht auf Arbeitsfreiheit der Zirkusartisten höher zu werten. Beim Verband deutscher Circusunternehmen (VDCU) gibt es eine Klägergemeinschaft, in der sich verschiedene Zirkusse zusammengeschlossen haben, um gegen ähnliche kommunale Regelungen juristisch vorzugehen. „Bislang mit gutem Erfolg“, sagt Seeger. Ein Dutzend Urteile zu Gunsten der Artisten habe es bereits an verschiedenen Gerichten gegeben, unter anderem in Greifswald, Lüneburg und in dieser Woche im Fall Krefeld im Verwaltungsgericht Düsseldorf.

„Unsäglich“ nennt das Monika Piasetzky, Vorsitzende des Düsseldorfer Tierschutzvereins. „Wilde Tiere gehören nicht in Menschenhand“, ist sich Piasetzky sicher. Die städtische Entscheidung, entsprechende Nummern nicht mehr zuzulassen, sei richtig und wichtig gewesen, so die Tierschützerin. „Dass diese Verordnung nun vor Gericht angefochten wird, finde ich skurril“, so Piasetzky. Für sie gehört zum Zirkus mehr als nur die Dressur, ein gutes Programm könne auf Wildtiere in der Manege gut verzichten. Zwar gebe es durchaus Tiere, die auch aus der Sicht des Tierschutzes im Zirkus auftreten könnten, beispielsweise Hunde. Wildtiere wie die Kamele des Zirkus Paul Busch allerdings, da ist sich Monika Piasetzky sicher, könnten in einem Zirkus nicht unter unbedenklichen Bedingungen gehalten werden. „Die Reisen sind ja schon für Menschen anstrengend, und für die Tiere um so mehr“, sagt Piasetzky.

Dem widerspricht Dieter Seeger vom Zirkus Charles Knie rigoros. „Den Tieren im deutschen Zirkus geht es gut“, sagt der Tierschutzbeauftragte. In den Nummern würden lediglich natürliche Verhaltensweisen der Tiere – etwa Springen, Wälzen oder Aufrichten – auf Befehl abgerufen, so wie es auch mit Hunden oder Pferden außerhalb der Manege gemacht werde. Außerdem seien so gut wie alle Tiere, die in deutschen Zirkussen auftreten, in Gefangenschaft geboren und aufgewachsen, so dass sie an den Kontakt und Umgang mit Menschen gewöhnt und sogar davon abhängig seien. „Eine Auswilderung ist praktisch gar nicht möglich“, behauptet Seeger. Er sieht keine Grund, den Auftritt von Wildtieren in der Manege abzulehnen.

Auch die Zuschauer seien nach wie vor für exotische Tiere wie Kamele, Elefanten und Großkatzen zu begeistern, so Seeger. Die Artisten würden ihre Haltungs- und Trainingsbedingungen transparent handhaben und die Dompteure hätten ein enges Vertrauensverhältnis zu den ihnen anvertrauten Wildtieren. „Deswegen werden die deutschen Zirkusse weiterhin für unsere Tier-Nummern eintreten und im Zweifelsfall auch vor Gericht dafür kämpfen“, kündigt Dieter Seeger an.

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